Ich bin viel zu selten in meinem Wohnzimmer. Das liegt auch daran, das die Tür immer schwerer aufgeht - die Ladezeiten werden immer länger.
Die Küche wurde gerade neu renoviert: aus "Nachrichtenspiegel-online" wurde "Nachrichtenspiegel.de" - und aus dem "Bloggermagazin" ein "Nachdenkmagazin".
Es ist schon sehr ärgerlich, das ganz viele philosophisch sehr interessante Themen einfach liegenbleiben, weil Politik und Wirtschaft gerade das ganz große Rad drehen. War ich vor zwei Jahren noch entschiedener Gegner jeglicher Weltuntergangsphantasien, so sehe ich momentan, das wir direkt vor einem Abgrund stehen und morgen vielleicht schon einen Schritt weiter sind:
http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/12/11/weltuntergang-2012-die-grose-politische-wende-der-moderne-und-das-unruhmliche-ende-des-deutschen-mittelstandes/
Kommen wir da noch mit, so als ganz normale Bürger, die nichts anderes wollen als in Ruhe und Frieden das gemütliche deutsche Durschnittsleben führen: mit idyllischer Weihnacht, Karneval, Fußball und Grillfesten?
Dabei sind wir doch gar nicht so anspruchsvoll. Wir arbeiten lange, haben immer weniger Urlaub, dürfen nicht mehr krank werden, nicht mehr lebendig in Rente gehen und sind auch sonst stubenrein und leicht zu halten - trotzdem werden wir jetzt wieder der "häßliche Deutsche" - obwohl wir gar nichts anderes tun, als in unser Desaster zu rennen:
http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/12/09/wie-der-hasliche-deutsche-in-sein-desaster-rennt-uber-raubergrippe-in-europa/
Dabei sind wir in dem sich entfaltenden Krieg genauso Opfer wie alle anderen - man redet aber scheinbar nicht darüber:
http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/12/07/weltburgerkrieg-2012-oder-eigentlich-schon-jetzt/
Hoffnungen für die Zukunft?
Vielleicht. Ich habe mir erlaubt, Gast bei der Piratenpartei zu sein. In Offenbach.
Natürlich nur virtuell - man will ja die Umwelt schonen und seine Nerven auch.
Auch wenn das Bekenntnis zum bedingungslosen Grundeinkommen schwammig ist und viele Hintertürchen offen läßt: mit diesem mutigen Schritt hat die Partei sich als schon fast alternativlose Wahlalternative (schönes Wort, oder) angeboten.
http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/12/03/bundesparteitag-piratenpartei-offenbach-letzte-chance-fur-die-menschheit/
Ich bin wahrlich kein enthusiastischer Fan der Nerd-Nazis - aber was man da in Offenbach beobachten konnte, war weit entfernt von dem Bild, das die Piraten früher mal boten. Erfreulicherweise sind nahezu alle Horrorgestalten aus der finsteren Vergangenheit der Bewegung auch nicht mehr anzutreffen - aber dafür findet man erstaunlich individualistisches Volk dort.
Wer weiß - vielleicht gelingt es gerade den Freibeutern, jenen positiven Kulturimpuls zu setzen, den die Gesellschaft so dringend braucht.
Allerdings hat Sarah Wagenknecht auch überzeugende Argumente:
Zum Beispiel, indem eine öffentliche Bank bzw. die Europäische Zentralbank an alle Euro-Staaten zinsgünstige Kredite ausreicht. Vom Diktat der Investmentbanker und Ratingagenturen befreit, könnte man auch einen Schuldenschnitt durchführen, ohne daß eine unkontrollierbare Kettenreaktion einsetzt.
Zwar würden viele Banken und Versicherungen einen Schuldenschnitt aus eigener Kraft nicht überleben. Dies bietet aber auch eine Chance: Der gesamte Finanzsektor könnte in öffentliche Hand überführt, geschrumpft und vernünftig reguliert werden. Das Geld für eine Rekapitalisierung des Finanzsektors ließe sich durch eine einmalige Vermögensabgabe für Superreiche beschaffen. Dort dürfte auch nach einem Schuldenschnitt noch genug zu holen sein: Allein in Deutschland verfügen etwa 830000 Millionäre über ein Finanzvermögen von mindestens 2,2 Billionen Euro – mehr als Bund, Länder und Gemeinden zusammen an Schulden haben. Statt zu dulden, daß der Sozialstaat brutal zerstört und die Demokratie Schritt für Schritt ausgehebelt wird müssen wir in Deutschland und Europa darum kämpfen, daß diese Profiteure zur Kasse gebeten werden.
aus:
http://www.jungewelt.de/2011/12-10/028.php
Ja - da können wir doch dem Weltuntergang gelassen entgegensehen. Mit Grundeinkommen sowieso - Karneval, Fussball, idyllisches Weihnachten und Grillfeste sind dann gesichert - und der Rest ist uns sowieso egal.
So sind wir eben.