Tja, ich komme nur noch selten in mein Wohnzimmer. Ist wie im realen Leben:auch dort bin ich ein Freund der Wohnküche. In der Küche arbeite ich auch etwas seltener, aber das eine oder andere Gericht schaffe ich noch. Zum Beispiel zum Papstbesuch. Da kommt der nach Deutschland, pfeift den ganzen Bundestag zusammen und alle meinen: "Hach, war das aber eine schöne Rede".
Ich meine das nicht. Berücksichtigt man die Umstände und hört auch wirklich genau hin, dann hat er eine Warnung ausgesprochen, die es in sich hat:
Noch einmal was zu den besonders dämliche Kommentaren, die hier NICHT veröffentlicht werden: wie blöd muss man eigentlich sein, das man in der Tat glaubt, inhaltlose Beleidigungen würden hier auch noch Speicherplatz fressen dürfen?
Nichts gegen Kritik - aus manch einem Kritiker ist schon mal ein Freund geworden - aber ehrlich: Inhalt sollte schon dabei sein, oder? Wenigstens ein bischen.
Viel zu selten komme ich dazu, den Journalismus selbst zu reflektieren. Sein Zustand scheint mir auf jeden Fall erbärmlich zu sein: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Jobunsicherheit, hohe Abhängigkeit - alles Faktoren, die aus Journalisten ganz schnell Pressesprecher von Interessengruppen machen ... aber das interessiert nur wenige.
Den DAX sehe ich ja gerne unter 5000. Gestern war es soweit, aber Stützungskäufe haben das verhindert. Man hört nur noch wenig von "Stützungskäufen", oder? Früher wurde offen darüber geredet, das große Anleger den DAX künstlich hoch halten, um ihre Aktienwerte nicht zu verlieren. Geht er nach unten - na, dann kauft man einfach noch mehr davon - solange, bis er wieder deutlich steigt.
Entweder macht man das nicht mehr - oder man redet nicht mehr darüber, um den Wähler nicht völlig zu verunsichern.
Bis der merkt, was los ist, wenn er selber Rentenkürzungen von 20% hinnehmen muss ... ist er politisch schon längst entmachtet:
Eine Entwicklung, die ganz offen beobachtbar ist.
Schon schade, was wir da mitmachen. Solange man noch ein Wohnzimmer hat, ist das erträglich. Von dort aus kann man so tun, als ginge einen das alles nichts an. Wenn dann die EU die griechische Immobiliensondersteuer im Rahmen der Rechtsangleichung über ganz Europa ausdehnt - bei gleichzeitiger Befristung der Leistungen für Arbeitslose auf sechs Monate und völliger Streichung der Sozialhilfe, dann ist es schnell vorbei mit dem Wohnzimmer.
Kein Wunder, das ich sehr wenig Zeit für mein eigenes Wohnzimmer habe. Ich will mir nachher nicht nachsagen lassen, ich hätte nur faul auf der Couch gelegen, als unser Wohlstand, unsere Demokratie und unser Rechtssystem auf den Müllbergen der Bankengeschäfte landete - da koche ich lieber täglich eine neue Buchstabensuppe.
Ich würde auch gerne mehr machen, aber ... so persönlich und privat geht es mir recht schlecht. Nicht, das ich das kommentieren möchte (geteiltes Leid ist ja auch eher doppeltes Leid), aber ich möchte darum bitten, Nachsicht wallten zu lassen, das ich viele Pläne - wie zum Beispiel den "Menschenschutzbund" oder die "OP100" nicht weiterverfolgen kann - und zwar sehr lange nicht.
Vielen Dank also auch für die Einladungen ... aber mir ist gerade sehr nach Abgeschiedenheit, Ruhe und Stille.
Die habe ich - Gott sei Dank - weshalb es mir in allem Trubel eigentlich doch gar nicht so schlecht geht.
Denke ich jedoch an die viele gestohlenen Wohnzimmer, dann meine ich, man sollte doch noch mal eine Warnung aussprechen:
Achtung: die Regierung klaut Wohnzimmer.
Die wirklichen, realen Schulden der BRD belaufen sich nach aktuellen Studien auf über 7 Billionen Euro. Nein, nicht zwei Billionen, sondern SIEBEN BILLIONEN.
Deshalb werden die bald ans Eingemachte gehen. Das sie sich dafür nicht schämen, beweist der beschämende und entwürdigende Umgang mit Hartz IV-Abhängigen seit Jahren. Die sind jetzt Pleite, haben ihren Beitrag geleistet.
Wetten, bald sind andere dran?
Hauseigentümer und Rentner.
Die können sich nämlich auch nicht wehren.
