Manchmal darf man ja wohl noch träumen, oder? Träumen von einer Revolution. Nötig scheint die langsam zu werden - irgendwie habe ich das Gefühl, als ob sich der Strick täglich enger um den Hals legt und der Zeitpunkt näherrückt, wo der Onlinezugang zur Bank unmöglich geworden ist, weil das Internet selbst abgeschaltet wurde und somit auch Amazon nicht die bundesweit geschlossenen Supermärkte ersetzen kann.
"Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen" steht dann an den Grenzen der Republik, die großflächig an Investoren verkauft wurde.
Ein trübes, freudloses Land ist dies geworden. Ohne Freude, ohne Glück scheint es mir auch keine Kraft zum Widerstand, keine Hoffnung auf Zukunft zu geben.
Ein wenig Hoffnung gibt mir immer eine kleine Spiegelkolumne:
Vielleicht funktioniert es so. Vielleicht merken "die" alle mal, das es an der Spitze der Gesellschaft keine Freude gibt - nur sadistischen Spaß am Leid der anderen, denen es auch nicht besser gehen soll als einem selbst.
Hier haben wir vielleicht auch die Quelle für den Hass auf Arbeitslose: wir bilden uns ein, des es denen viel besser geht als uns, weil die nicht unseren Chef haben, nicht unseren Termindruck und nicht unsere achtzig-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich.
Wir hätten vielleicht noch viel retten können, wenn wir mehr miteinander geredet hätten.
Aber wir lassen uns lieber unterhalten.
"Wir amüsieren uns zu Tode" meinte einst Neil Postman. Wie erschreckend wahr dieser Satz ist, merken wir gerade erst. Während wir jauchzen und jubeln über würmeressende B-Promis baut man unsere Demokratie um, schlachtet Sozialstaat und Volksvermögen, mordet in unserem Namen in aller Welt und baut unseren Alltag in eine Tretmühle um, die nur für Masochisten noch Reize zu bieten hat.
Es bleibt und nur der leise Trost, das es den B-Promis noch viel schlechter geht als uns ... noch.
Vielleicht ... wäre ein erfolgreicher Gegenentwurf eine Kultur der Freude. Vielleicht ... brauchen wir erst etwas Freude, um uns bewegen zu können. Ein bischen Hippiekultur, zum Beispiel. Alte Legenden erzählen von einer Zeit, in der die Menschen sich von dem Moloch des militärisch-industriellen Komplexes abgewandt haben, Barfuss mit Blümchen im Haar über sonnige Wiesen wanderten und Lieder von Liebe und Frieden sangen.
Ich fand schon immer, das hatte etwas sehr Revolutionäres.
Aber - wie gesagt: das waren Träume und Legenden ... von einer Revolution der Freude.
