Es ist dem Versagen der Medien zuzuordnen, das man als Bürger gezwungen ist, sich mühsam mit unzureichenden Methoden und Ressourcen durch das Wirrwarr der Nachrichten wühlen zu müssen. Genötigt durch die Tatsache, das Medienwirklichkeit und Alltagserfahrung immer weiter auseinanderklaffen, ist man gezwungen, sich selbst ein Bild zu machen (was im Prinzip eine gute Sache ist) oder aber den Kopf überfordert in den Sand zu stecken (was gerade Lieblingssportart der Deutschen wird).

Dabei werden die Töne immer beunruhigender, die Aussichten fast täglich düsterer:

http://www.nachrichtenspiegel-online.de/2011/05/15/verschworungen-in-deutschland-und-der-holocaust-an-arbeitslosen/

Ich denke, entsprechende Warnungen gab es auch schon mal ... früher. Die Bundeszentrale für politische Bildung erinnert daran:

Einige Schriftsteller, Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler warnten frühzeitig vor dem Nationalsozialismus, aber ohne Erfolg. "Daß der Nazi dir einen Totenkranz flicht: Deutschland, siehst du das nicht?" fragte Kurt Tucholsky 1930 in seinem Gedicht "Deutschland, erwache". Zwei Jahre später schrieb er für die berühmte, aber damals nur von einem kleinen Kreis Intellektueller gelesene Zeitschrift "Die Weltbühne" die Satire "Hitler und Goethe", in der ein Schulaufsatz als Form diente, um rechtsradikale Einfalt und Großmäuligkeit vorzuführen. Der Vergleich ging zu Ungunsten Goethes aus ("Hitler dagegen ist Gegner der materialistischen Weltordnung und wird diese bei seiner Machtübergreifung abschaffen sowie auch den verlorenen Krieg, die Arbeitslosigkeit und das schlechte Wetter").

Man sollte nicht glauben, das wir so weit von dieser Zeit entfernt leben. Je mehr man die Warnungen studiert, umso unheimlicher werden die Parallelen:

Carl von Ossietzky, der Herausgeber der Zeitschrift "Weltbühne", schrieb Ende 1931, als Hitler an der Schwelle zur Macht schien, ein vernichtendes Urteil über den Nationalsozialismus: "Die gleiche Not, die alle schwächt, ist Hitlers Stärke. Der Nationalsozialismus bringt wenigstens die letzte Hoffnung von Verhungernden: den Kannibalismus. Man kann sich schließlich noch gegenseitig fressen. Das ist die fürchterliche Anziehungskraft dieser Heilslehre. Sie entspricht nicht nur den wachsenden barbarischen Instinkten einer Verelendungszeit, sie entspricht vor allem der Geistessturheit und politischen Ahnungslosigkeit jener versackenden Kleinbürgerklasse, die hinter Hitler marschiert."

Es gab auch Warnungen von konservativer Seite aus, ebenso engagierten sich Katholiken gegen die "Pest", siehe Balski.de:

Aus dem Katholischen Lager wurden schärfste Warnungen vor der NSDAP ausgesprochen, die im bürgerlichen Lager ihres Gleichen suchten. So warnten der Journalist Dr. Gerlich und der Kapuzinerpater Naab im Juli 1932 "Der Nationalsozialismus ist eine Pest".

Genauso wie heute gelang es nicht, eine breite Front gegen die heraufziehende Gefahr zu vereinen. Auch heute gibt es eine breite Mehrheit im Volk gegen die neoliberale Politik. Deutschland scheint so links wie nie zu sein, glaubt man den Traditionen der Parteien und dem Linksruck der CDU. Auf der anderen Seite haben wir eine Kirche, die Sturm laufen müsste gegen die Vergötterung von Kapital, Rendite und Arbeit - ihre heiligsten Grundsätze sind in Gefahr.

Statt sich aber gegen die die Gesellschaft deformierenden Kräfte zu vereinen, wettern Linke lieber gegen Gläubige (und setzen ARGE-Leiter als Bürgermeister ein) und verprellen so die konservativen Gegner des Neoliberalismus, Gewerkschafter distanzieren sich lieber von Arbeitslosen (weil die irgendwie pfui sind),
Arbeitslose distanzieren sich von der FDP (die wenigstens im Prinzip dem Grundeinkommen von allen Parteien am Nächsten stand), Journalisten distanzieren sich von Bloggern, Unternehmer von Intellektuellen, Bürger von Beamten, Rentner von Schülern, Esoteriker vom Rest der Welt ... und so weiter und so weiter und so weiter.

Gleichzeitig tickt die Schuldenbombe, während die Reichtumsuhr von Rekord zu Rekord eilt, ohne das sich irgendwer fragt, wer denn da eigentlich die Hand an den Weichen zur Verteilung der Warenflüsse gelegt hat.

Wie es enden wird?

Das weiß man doch schon.

Aber die, die es live erlebt haben, sterben gerade aus oder liegen im Pflegeheim im eigenen Urin.

Die anderen wohnen in Israel ... aber das Land wird auch immer mehr zum "Hartz IV-Empfänger" für die ordentlichen deutschen Linken.

Somit werden wir wohl die Geschichte nochmal erleben müssen. Es bleiben nur noch Detailfragen offen.

Wird man in Deutschland wieder Juden jagen - wegen den Verbrechen an Palästinensern?

Welche der Ausländergruppierungen werden gejagt? Nur Türken oder auch Russlanddeutsche?

Wird man sich noch den kostspieligen Luxus von Lagern erlauben ... oder entsorgt man die Kranken, Alten und Behinderten (bei uns generell "Hartzies" genannt) diesmal dezentral?

Gut, wir haben noch keinen Hitler. Brauchen wir aber auch nicht. Wir haben hundert Netzwerke, die ihn ersetzen und seinen Geist weitertragen: den Geist des Kannibalismus.

Na dann ... Guten Appetit!