"WIR HABEN GEWONNEN!" ... hatte man mir gestern erstmal erzählt. Sogar in meinem abgeschiedenen Tal konnte ich mich dem Leibesübungstrubel nicht entziehen. Irgendwann am späteren Nachmittag muß das Spiel wohl zu Ende gewesen sein, denn auch der Ferne tönten seltsame Hupgeräusche zu uns hinauf.

Es ist immer schön, wenn Menschen sich freuen, obwohl der Anlaß dazu nicht immer schön ist. Aber Menschen, die sich freuen, sind halt erstmal besser drauf als Menschen, die sich nicht freuen.
In Hamburg gab es jetzt Menschen, die haben sich auch gefreut. Anstatt den Ball zu treten haben sie dieses mit Polizisten versucht:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,703186,00.html

Mit Steinen und Flaschen gingen sie auf die Beamten los: Eine Gruppe von rund 30 Schlägern hat in Hamburg mehrere Polizisten angegriffen und fünf Beamte schwer verletzt. Ein 46-jähriger Polizist kam mit lebensbedrohlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus.

Hier läuft wohl langsam ziemlich was aus dem Ruder. Wegen ähnlicher Entwicklungen im Ruhrgebiet habe ich selbiges dann auch Ende der achtziger Jahre verlassen. Banden von dreissig Jügendlichen mit Baseballschlägern am Hauptbahnhof signalisierten keine glückliche Zukunft für meine Kinder. Mitlerweile ist die Gewalt aber auch hier angekommen. Nun, heutzutage beteiligen sich ja auch Menschen mit "Migrationshintergrund" (wie man vornehm formuliert um seine arisch geprägte Ausländerfeindlichkeit zu kaschieren) an der Randale und provozieren dadurch bei primitiveren Hirnen den "Ausländer raus!"-Reflex der Nationaldemokraten ... als wäre alles wieder gut und heil, wenn wir hier nur Reichsdeutsche hätten. Auch den Linken werden Ausländer zunehmend suspekt, erst recht, wenn sie sich integrieren:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8199113/Linke-bekaempfen-vermeintlich-zu-deutsche-Araber.html

Linke bekämpfen vermeintlich zu deutsche Araber Arabischstämmige Ladenbesitzer hängen eine riesige deutsche Flagge ans Haus – und die linke Szene randaliert.

Schlimm als Ausländer in Deutschland. Integrierste Dich, kriegste auf Maul. Tuste es nicht, auch.
Es sei denn, man spielt im Team der WM-Mannschaft und gewinnt gegen England. Dann hat man einen Tag Ruhe.

Möglicherweise war diese Aktion mit der Riesendeutschlandfahne auch für CDU-Politiker Anlaß, sich über die Intelligenz von Zuwanderern Gedanken zu machen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,703196,00.html

Provokanter Vorschlag aus der Union: Politiker von CDU und CSU verlangen eine neue Einwanderungspolitik, bei der Ausländer sich einem Intelligenztest unterziehen müssen. Humane Gründe dürften nicht länger das einzige Kriterium für Zuwanderung sein.

So ein Vorschlag düfte zu vorgerückter Stunde aus Gegorenem geboren worden sein - und ein Grund, die Intelligenz von Auswanderern auf keinen Fall in Frage zu stellen. Wer hier einwandern will, scheint allerdings wirklich nicht sonderlich schlau zu sein. Da brauche ich keinen Test. Da reichen Zeitungen, um das zu verstehen. Wer, der gesunden Geistes ist, will schon freiwillig auf einem sinkenden Schiff mitfahren? Und das scheint Deutschland jenseits der wöchentlichen Erfolgspropaganda von Wirtschaft und Politik zu sein.

http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/0,2828,702491,00.html

Kaum einer kennt die deutschen Staatshaushalte so gut wie der Kieler Finanzwissenschaftler Alfred Boss. Sein Urteil zum Sparpaket der Bundesregierung: "Das reicht nicht". Deutschland sei ein Sanierungsfall. Im Gespräch mit dem manager magazin sagt Boss, was jetzt geschehen muss.
mm: Gut 80 Milliarden Euro will die Bundesregierung zwischen 2011 und 2014 insgesamt durch Einsparungen und Steuererhöhungen hereinholen. Das genügt nicht?

Boss: Nein, das reicht nicht. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber es werden weitere Sparrunden folgen müssen.

Das hört sich an, als müßten wir den Gürtel so lange enger schnallen, bis viele den Löffel abgeben. Ist aber halb so schlimm, wenn man an den richtigen Stellen sparen würde:

mm: Sie haben gerade Ihren neuen Subventionsreport vorgestellt. Darin rechnen Sie vor, dass in Deutschland rund 115 Milliarden Euro an die Wirtschaft ausgereicht werden. Genug Möglichkeiten für die Haushaltskonsolidierung?

mm: Boss: Das will ich meinen. Wenn man den Subventionsbegriff weiter fasst, so wie wir das tun, dann kommt man sogar auf 165 Milliarden Euro. Darin enthalten sind dann auch Finanzhilfen und Steuererleichterungen für staatliche und halbstaatliche Dienstleister: von den Krankhäusern bis zu den Theatern.

165 Milliarden Euro an Subventionen. Geschenke vom Staat an die Wirtschaft, damit der Vetter vom Abgeordneten auch noch einen lukrativen Verdienst hat. Damit könnte man knapp 30 Millionen Menschen mit Hartz IV versorgen. Zusätzlich zu dem, was sie sonst noch so verdienen. Oder aber die 27 Millionen Menschen, die überhaupt noch versicherungspflichtig arbeiten, würden alle 300 Euro oben drauf bekommen. Jeden Monat. Sowas kann man durch Hartz-IV-Kürzungen nicht hereinholen.

Aber das predigte der Herr Boss ja schon 2003:

http://archiv.insm.de/Umfragen___Studien/Studien/Studien/Dr._Alfred_Boss___Strategie_zum_Abbau_der_Subventionen__Teil_2.html

Es ist möglich, im Jahr 2004 Subventionen in Höhe von 12,9 Mrd. Euro einzusparen. Für das Jahr 2005 beträgt das Einsparvolumen 25,8 Mrd. Euro, für das Jahr 2006 38,7 Mrd. Euro, für das Jahr 2007 51,5 Mrd. Euro. Hinzu kommen Minderausgaben der Länder deshalb, weil deren Anteil an verschiedenen mischfinanzierten Finanzhilfen entfiele. Werden Subventionen, die aufgrund einer Befristung in den Jahren 2004, 2005 oder 2006 auf null sinken oder stärker als um 25 Prozent je Jahr abnehmen, nicht verlängert, werden also die Fristen in den betreffenden Gesetzen beibehalten, so ist das Einsparvolumen noch größer als dargestellt. Hinzu kommen in jedem Fall die Einspareffekte infolge des Streichens der Eigenheimzulage für so genannte Neufälle. Insgesamt können also die öffentlichen Haushalte schon im Jahr 2004 um mindestens 14,3 Mrd. Euro entlastet werden; das Einsparvolumen erhöht sich bei der beschriebenen Vorgehensweise auf mindestens 57,2 Mrd. Euro im Jahr 2007.

Passiert ist nichts.

Zu den Subventionen gehört natürlich auch der Steinkohlebergbau. Dort kann man mit fünfzig in Rente gehen:

http://gesetze.bmas.de/Gesetze/sgb06/sgb06x045.htm

(3) Versicherte haben bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze auch Anspruch auf Rente für Bergleute, wenn sie

1. das 50. Lebensjahr vollendet haben,

2. im Vergleich zu der von ihnen bisher ausgeübten knappschaftlichen Beschäftigung eine wirtschaftlich gleichwertige Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit nicht mehr ausüben und

3. die Wartezeit von 25 Jahren erfüllt haben.

Mag man das noch nachvollziehen können für Leute die "unter Tage" arbeiten, so wird es etwas problematisch, wenn man denkt, das dies auch für die vielen Leute gilt, die im Innendienst einer Zeche arbeiten. Ich kenne da welche persönlich ... die in meinem Alter und trotzdem schon Vollrentner sind.
Weiß nur kaum jemand.

Aber es wird klar, warum Deutschland in vielerlei Hinsicht ein Sanierungsfall ist ... und das man Intelligenztests auch ruhig im eigenen Land machen kann. Dann braucht man sich solche Fragen gar nicht mehr zu stellen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article8197044/Warum-Mittelschicht-Arbeitnehmer-die-Dummen-sind.html

Sie sind die Dummen, weil sie lieber zum Ballspiel tröten gehen anstatt sich um ihr reales Leben zu kümmern. In der Traumwelt der Fußballfreunde sind wir ganz groß. In der Realität ... leider nur Geiseln und Sklaven von Zahlenkünstlern:

http://www.handelsblatt.com/magazin/presseschau/presseschau-g20-glaenzen-mit-pomp-substanzlosigkeit-und-uneinigkeit;2608754;2

„Sie nehmen die Wirtschaft als Geisel, im Namen der Hoffnung auf eine Rentabilität, die längst einer vergangenen Zeit angehört.“

Und eins mag ich deshalb als Schlußfolgerung äußern: je weiter Deutschland in der WM kommt, umso höher werden die steuerlichen Belastungen sein, die man dem Bürger zumuten wird. Und darum sind Intelligenztests für Einwanderer sinnlos. Wenn die hier angekommen, haben sie schon bewiesen, das sie ihn nicht bestehen würden.