Die Nachrichten überschlagen sich ja geradezu. Erst kommt mal Griechenlands Pleite. Huch. Alle erschrocken. Dann erstmal die Kanzlerin: das kann auf keinen Fall bei den anderen Staaten passieren.
Merkel ist optimistisch, dass die Griechenland-Krise nicht auf andere Euro-Staaten wie Portugal oder Spanien übergreift.
Die ist halt gut drauf die Merkel und wenn man so gut drauf ist, dann ist man schon mal optimistisch.
Die Ratingagenturen jedoch denken sich: denkste - und schießen Spanien ab.
Die Krise der Euro-Zone hat sich massiv verschärft. Nach Griechenland und Portugal hat die Ratingagentur Standard & Poor's nun auch die Kreditwürdigkeit von Spanien herabgestuft. Die Finanzanalysten senkten die Bewertung der spanischen Staatsanleihen laut einer Mitteilung um eine Note von "AA+" auf "AA". Die Finanzmärkte reagierten geschockt. Der Euro sank auf ein neues Jahrestief.
Wäre also doch besser gewesen, die Merkel wäre eher realistisch gewesen anstatt optimistisch, aber so hatte sie gestern wenigstens noch einen schönen Tag.
Noch besser ist jedoch der Schäuble.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,691923,00.html
25 Milliarden allein aus Deutschland? 30 Milliarden? Die Schätzungen über die Höhe der Griechen-Notkredite werden immer spektakulärer. Die Stabilität des ganzen Euro-Raums werde damit verteidigt, rechtfertigt sich nun Minister Schäuble. Und sagt: "Wir hoffen, dass es gar nichts kostet."
Ich fahre jetzt gleich mal zur nächsten Niederlassung von Mercedes und kaufe mir dort das teuerste Modell. Ich hoffe, das es mich nichts kostet ... weil der Verkäufer mich so nett findet, einsieht, das ich den Wagen dringend brauche und sich einen guten Werbeeffekt verspricht. Vielleicht spiele ich auch Lotto und hoffe dann, das ich mit dem Gewinn noch zehn weitere Autos der Marke kaufen kann.
Hoffen kann man viel, das ist Wirtschaftsplanung im Vollrausch.
Dabei hatte ihm der Brüderle gestern erst ganz brüderlich und hilfreich unter die Arme gegriffen
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,691783,00.html
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) multiplizierte bei einer Visite im brasilianischen Sao Paulo den möglichen Gesamtbedarf Griechenlands bis 2012 auf wahrscheinlich 135 Milliarden Euro.
Das ist natürlich ungeheuer viel Geld ... und das macht den Schäuble richtig wach:
Vor einigen Wochen noch hatte Schäuble öffentlich erklärt, Deutschland dürfe nicht "für Griechenlands Probleme zahlen". Nun aber findet Schäuble, es müsse "ungeheuer schnell" gehandelt werden.
Toll, oder? Das geht nur mit Drogen. Ich weiß nur nicht, mit welchen.
Während die Kanzlerin noch mit ihrer wirtschaftlichen Weisheit hausieren geht, ist die deutsche Wirtschaft pragmatischer:
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,691707,00.html
Die Zinsen steigen, die Zahlungsmoral sinkt: Griechenland verliert nach den jüngsten Rating-Herabstufungen dramatisch an Attraktivität für ausländische Firmen. Der auch für die Stabilität des Euro bitter nötige Wirtschaftsaufschwung in dem Land rückt damit in weite Ferne. In den Abwärtsstrudel geraten auch andere Staaten.
Nicht nur der Staat scheidet als Zahler oft aus, auch die Privatwirtschaft gerät zunehmend in den Abwärtsstrudel. Konsum und Investitionen gehen zurück, weil sich der Staat zurückzieht. Insolvenzen nehmen zu, Geschäftspartner vertrauen einander nicht mehr.
"Die Konsequenzen der griechischen Haushaltskrise für die Privatwirtschaft sind noch größer als bisher angenommen", sagt Länderanalyst Martin Köhring von der internationalen Wirtschaftsauskunftei D&B gegenüber manager magazin. "Wir erwarten, dass sich die Zahlungsmoral im zweiten Quartal deutlich verschlechtert."
Kurzum ... wir sollten schon mal über Nahrungsmittelspenden für die Griechen nachdenken. Und nicht nur darüber:
Auf dem Spiel steht ein bedeutender Teil des deutschen Exports. Im Jahr 2009 betrug das deutsche Exportvolumen in die verschuldeten Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien etwa 75 Milliarden Euro, das sind immerhin gut 11 Prozent der gesamten Ausfuhren.
Der BGA schätzt die Gefahr einer Kettenreaktion zwischen den Ländern des Südgürtels zwar als gering ein - zu unterschiedlich sei die Wirtschaftskraft von Griechenland, Spanien oder Irland. Die Meldungen einzelner deutscher Außenhandelskammern zeichnen jedoch durch die Bank ein beängstigendes Bild in den von hohen Haushaltsdefiziten gebeutelten Ländern.
Zwar schätzt man wieder alles sehr positiv ein, kommt jedoch nicht um unangenehme Beobachtungen herum:
In Spanien seien Zahlungsmoral und -konditionen "zum Hauptproblem spanischer Niederlassungen deutscher Firmen geworden", sagt der Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Lau, gegenüber manager magazin
Und die kaum vorhandene Krise mit kaum vorhandenen Risiken, jene Krise, die hoffentlich nichts kostet, hätte auch kaum Konsequenzen für Deutschland ... wenn die Unternehmen in diesem Land nicht so pingelig wären und eher dem Weg von Schäuble und Merkel folgen würden: Glauben und Vertrauen!
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,690561,00.html
Die Krise in Griechenland und vier weiteren Euro-Staaten führt bei fast jedem dritten deutschen Unternehmen zu Umsatzeinbußen und anderen wirtschaftlichen Belastungen. Laut einer Umfrage von PwC sind Großunternehmen besonders stark betroffen. Jedes vierte denkt über Standortverlagerungen nach.
Von den 234 Unternehmen, die in einem der Krisenstaaten investiert haben, fürchtet jedes zweite Umsatzeinbußen. Knapp jedes vierte (23 Prozent) hält sogar den Abbau von Arbeitsplätzen für möglich. Demgegenüber sehen von den Unternehmen, die in keinem der genannten Länder aktiv sind, nur 29 Prozent das Risiko sinkender Erlöse. Stellenkürzungen in Folge der Krise halten lediglich sieben Prozent dieser Unternehmen für denkbar.
So als Firma kann man von flotten Sprüchen nicht gut leben ... jedenfalls nicht, wenn der Kunde nicht mehr oder viel zu spät bezahlt.
Aber man hat ja schon Maßnahmen im Blick, mit denen man die Krise bewältigen kann:
Nach den Herabstufungen Griechenlands, Portugals und Spaniens wächst in Deutschland die Kritik an den Rating-Agenturen. Die Politik will die Macht der Agenturen deutlich zurückdrängen: So sprachen sich Bundesaußenminister Westerwelle und die SPD dafür aus, für die Bewertung von Bonitäten eine unabhängige europäische Behörde einzurichten. Die Grünen fordern weit mehr als das.
Kann es sein, das US-amerikanische Ratingagenturen nicht ganz so unpatriotisch sind, wie sie sein sollten ... und hier und da mal ein Auge zudrücken, wenn es zum Vorteil der eigenen Wirtschaft ist?
Auf einmal kommt man zu überraschenden Erkenntnissen ... die eigentlich vor einem Jahr schon Konsequenzen hätten haben müssen:
Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sagte der Zeitung: ?Es kann nicht sein, dass Rating-Agenturen, die die Finanzkrise zu einem großen Teil mitzuverantworten haben, weil sie wertlosen Papieren Bestnoten verliehen haben, immer noch solch eine herausragende Rolle spielen.? Zudem sei die Methodik der Rating-Agentur nach wie vor intransparent.
Auch Guido Westerwelle hat dazu gelernt:
„Rating-Agenturen dürfen nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, vertreiben und bewerten.“
Toll, das das erst jetzt auffällt. Ein bischen spät, oder?
Wenn ich sage, das läßt sich nur mit Drogen ertragen, dann meine ich das auch so. Und dafür gibt es auch Belege:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/813/507964/text/
Die Deutschen saufen sich öfter ins Koma als in der Vergangenheit. Das geht aus dem Jahrbuch Sucht 2010 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hervor.
Vor allem Rentner und Jugendliche fallen auf. Die einen können nicht fassen, was aus ihrem Land geworden ist - die anderen können nicht fassen, wie lange sie noch darin leben müssen.
Aber immerhin einen Hoffnungsschimmer gibt es jetzt - aus Indien. Von Luft und Liebe leben, ein alter Traum wird Wirklichkeit:
http://de.news.yahoo.com/2/20100428/tsc-aerzte-untersuchen-asketische-faehig-c2ff8aa.html
Ein extrem asketisch lebender Hindu ist aufgrund seiner Fähigkeiten nun zum Studienobjekt indischer Ärzte geworden. Der 83-jährige Yogi Prahlad Jani, der nach eigenen Angaben seit mehr als 70 Jahren weder Nahrung noch Wasser zu sich genommen hat, wurde in ein Krankenhaus im westindischen Ahmedabad eingewiesen. Dort unterziehe er sich einer Reihe von medizinischen Tests und werde rund um die Uhr beobachtet, sagte G. Ilavazahagan, Direktor des nationalen Verteidigungsinstituts, am Mittwoch.
Mit acht Jahren von der Göttin gesegnet ... und schon fähig Hartz-IV-kompatible Essgewohnheiten zu überleben.
Wo gibt es diesen Segen? Ich denke, viele werden ihn bald brauchen können.
