Eigentlich ... sollte ich meinen Blog schließen. Oder zumindest ein Warnschild aufstellen: nur für Erwachsene. Das würde mir den Besuch kindischer Kommentatoren ersparen. Ich weiß, das das was ich hier schreibe, gefährlich ist...gerade in Deutschland:
http://www.welt.de/wissenschaft/article6318744/Deutschland-Land-der-schlaflosen-Gruebler.html
Rund vier Millionen Arbeitnehmern leiden in Deutschland unter schweren Schlafstörungen – behandelt werden sie oft nur mangelhaft. Leistungsdruck und Job-Ängste dürften in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zur weiteren Ausbreitung dieser Volkskrankheit beitragen. Viele Betroffene schleppen sich trotz Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder Nervosität zur Arbeit. Das geht aus dem in Berlin vorgestellten Gesundheitsreport 2010 der Krankenkasse DAK hervor.
An diesem Trend ... bin ich mit beteiligt. Dabei mache ich eigentlich nichts anderes, als Nachrichten zusammenzufassen, die frei verfügbar überall herumliegen. Ich denke mir ja nichts aus, noch male ich den Teufel an die Wand. Ich zeige nur, wo er schon überall herumläuft. In der Tat - merken wir in der Eifel nicht viel davon. Und selbst wenn: wie sind für jede denkbare Krise sehr gut aufgestellt. Wir bräuchten uns eigentlich keine Sorgen zu machen. Allerdings lesen auch wir Zeitung und machen uns unsere Gedanken, ob das denn alles so sauber ist da draußen ... und ob die Neanderstädter wohl irgendwann kommen und unsere Idylle stören.
Wir glauben nicht daran ... aber die Mahnmale der Geschichte stehen hier noch überall in der Gegend herum. Bunker, Panzer, Soldatengräber - kennt man. Hungersnöte auch. Ist noch gar nicht so lange her.
Und als die Wollseifener vertrieben wurden, haben wir auch gemerkt, wie "freundlich" "die da draußen" sind. Das war uns eine Lehre.
Wir wissen, wie sie denken, diese "Wohlstandsblasen", die auf den Ruinen des letzten Krieges gewachsen sind. Sie leben in ihrer kleinen, eigenen heilen Wohlstandswelt, die nur aus Grillen, Fußball, Fernsehen und anderen Ablenkungen besteht und glauben, das würde ewig so weitergehen. Wohlstandsblasen sterben auch nicht. Sie werden auch nicht alt noch chronisch krank. Jedenfalls glauben sie das solange, bis die Realität etwas anderes bestimmt.
Die Lehren des positiven Denkens von dem "Ewigen hier und jetzt" haben sie auf eine ganz seltsame Art umgesetzt, in dem sie die Realitäten des Lebens vollständig verdrängen. Den Preis einer eingeschränkten Dimension von Lebendigkeit zahlen sie gern, um weiterhin in ihrer Blase vor dem Leben geschützt zu sein.
Seltsam schon ... das man sich mit so einem großen Aufwand vor dem schützt, weshalb man eigentlich da ist: Leben. Leben geht auch mal schief. Leben bedeutet auch Schmerz, Leid, Kampf ... und auf jeden Fall den Tod, der allzuoft sehr schmerzhaft ist - und langwierig.
Es ist schon seltsam, das das Leben durch Leiden gerade eine gewisse Tiefe bekommt.....eine besondere Qualität und Lebendigkeit, die ihm überhaupt erstmal einen gewissen Sinn gibt. Die Erfahrung kann sehr heilsam sein, weshalb ... Managementtrainer schon mal ihre "Kunden" für drei Tage als Penner verkleidet ohne Geld in der Frankfurter Innenstadt aussetzen. Ziel: überleben.
Macht man nicht gerne mit, aber der Lerneffekt ist gigantisch....nur leider hat er auch unangenehme politische Nebenwirkungen, aus ihrer Wohlstandsblase herausgerissene Manager tendierten dazu, urplötzlich "links" zu werden. Leid kann positive Nebeneffekte haben, so wie auch ein Abenteuerurlaub aus viel Leid besteht, das man nur nicht so definiert, weil man sich auf etwas anderes konzentriert - und so wird selbst Bungeejumping zu einem tollen Erlebnis.
In der WELT war vor einigen Tagen ein Artikel, der beschrieb, das wir psychologisch nicht in der Lage sind, große Katastrophen zu erfassen oder zu verarbeiten. Ich wollte was drüber schreiben, doch dann geschah viel Neues, was mir wichtiger erschien. Schien mir nicht ganz plausibel....aber wenn ich mir das Gehabe von Wohlstandsblasen so anschaue, ihre Weltsicht, ihre Welterfahrung: fein behütet und gut abgeschirmt in ihren Egotempeln ... ja, da ist kein Platz für den Gedanken an die Apokalypse - in welcher Form auch immer. Jetzt kommt die Grillsaison, da hat man keine Zeit für Wirtschaftskrise.
Absurd, aber so denken sie. Sie leben abgeschlossen in ihrer eigenen kleinen Welt, in der es nur ein Problem gibt: haben wir noch genug Kaffee im Haus, wenn Besuch kommt.
Das ist auch nicht schlimm, noch ist es zu verurteilen ... aber es erklärt die Schlafstörungen, denn das Unterbewußtsein registriert die Nachrichten so oder so - und es merkt die Bedrohung, die dahintersteckt.
Letztlich tut man sich selbst keinen Gefallen, sich in seiner kleinen Wohlstandsblasentraumwelt zu verstecken. Auch wenn der eigene Kandidat bei DSDS gewonnen hat, die Lieblingsmannschaft an der Tabellenspitze steht und auf dem eigenen Konto gerade genug Geld ist ... so richtet sich die Relität nicht nach den Wünschen verwöhnter Egomanen - auch wenn die Esoteriker dies noch so oft predigen.
Und so kommt es, das wir vor verblüffenden Erscheinungen stehen, die seit dreißig Jahren ziemlich stabil bestehen und mich persönlich sehr tangieren: dem Täterschutz in Deutschland.
Der Münchener Uwe W. zeigte Zivilcourage, indem er an einem U-Bahnhof eine Frau beschützte. Jetzt wird er dafür mit einer saftigen 600-Euro-Strafe “belohnt”.
Das war passiert: Auf dem Heimweg sah W., wie ein Betrunkener eine Frau mit einer Flasche niederschlägt. Er geht auf den Angreifer los. Dabei stürzt der Betrunkene ins Gleisbett.
Das kostete 600 Euro Schmerzensgeld.
Einen ähnlichen Fall kenne ich aus meiner Jugend, durch Arbeit beim Sozialdienst katholischer Männer. Willy war reich - für meine Begriffe. Eine Bäckerei, zwei Mietshäuser, gute Chancen, in der CDU Parteikarriere zu machen. Dann griff ein Mann seinen Freund in einer Kneipe an, schlug ihn zusammen, Willy griff ein und ... war sein Vermögen los. Der Angreifer stürzte unglücklich - und war fortan querschnittsgelähmt. Willy ... ist heute tot. Aber ich fand das eine beunruhigende Botschaft.
Für mich der Moment, wo ich hinter meinem eigenen Wohlstandsblasenleben eine finstere Wahrheit erkannte: die Welt ist keine Puppenstube. Da geschieht wohl auch ungerechter Mist. Ich fand, es sei eine gute Sache, darauf ein Auge zu haben - denn dieser Mist ist nicht notwendig.
Täterschutz gibt es gerade aber auch in größeren Dimensionen ... und das merken inzwischen sogar konservative Kommentatoren:
http://www.welt.de/wirtschaft/article7359406/Die-Zahlen-der-Deutschen-Bank-sind-alarmierend.html
Die Zahlen der Deutschen Bank sind alarmierend
Von Sebastian Jost 27. April 2010, 12:49 Uhr
Die Deutsche Bank übertrifft im ersten Quartal alle Erwartungen. Die Investment-Sparte erzielte das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Das Geldhaus profitiert auch von noch nicht durchgeführten Regulierungen der Märkte durch die Politik. Notwendige gesetzliche Reformen für die Kapitalmärkte sind überfällig.
Ungläubig schaut man auf das Datum dieser Meldungen. Die Deutsche Bank legt im Investmentbanking das beste Quartal aller Zeiten hin und erreicht eine Rendite von 30 Prozent. Die Politik lässt die Finanzwirtschaft derweil am langen Zügel – ein Gesetz für eine schärfere Bankenregulierung fällt im US-Senat durch. Das liest sich, als sei es drei Jahre her, als habe es keine Finanzkrise gegeben. Doch es sind Nachrichten vom April 2010 – und das ist alarmierend.
Das beste Ergebnis aller Zeiten? Und das ist alarmierend?
Ja.
Jedenfalls für Menschen, die eher Handelsblatt und Manager Magazin lesen als Asterix und Micky Mouse.
Irgendjemand muß irgendwo ganz schön bluten für das Geld, das sich dort anhäuft. Das kann man morgen schon selber sein - wenn mangels Geld die Aufträge ausbleiben.
Irgendwo häufen sich nutzlos Unmengen an Kapital an, das andernorts zur Bezahlung realer Wirtschaftsleistung fehlt. Das ist ungefähr so, als würde Papa sein ganzes Geld unterm Bett verstecken, während Mama nichts mehr hat um Essen kaufen zu können.
Das man als Wohlstandsblase da Schlafstörungen kriegt, weil man mit Grillen, Fußball und Fernsehen Probleme dieser Art nicht bewältigen kann, kann ich verstehen.
Da ich keine habe, kann ich aber dabei nicht helfen. Ich schlafe sehr gut, denn wirklich wichtige Dinge kann mir keine Krise nehmen: den Wind, die Sonne, die Wolken, die wunderbare Lebendigkeit der Welt.
Manchmal ... muß man sich daran erinnern, wie schön Leben wirklich ist und wie wenig man braucht um wirklich glücklich zu sein. Seltsam, das so viele Menschen so weit davon entfernt scheinen und offenen Auges in Zonen der Realität marschieren, wo Glück schwerer zu erlangen ist.
In den klimatisierten Büros der Lumpenelite zum Beispiel.
Kein Wunder, das die vor Neid zerplatzen, wenn die an Arbeitslose denken, die die Freiheit haben, sich einfach mal in die Sonne zu setzen, wenn ihnen danach ist. Für viele Mitglieder der Lumpenelite ist das ein Reichtum, den sie erst im Ruhestand erlangen werden - wenn sie den überhaupt erleben, denn der Herzinfarkt ist in ihrem lieblosen Leben ein ständiger Begleiter.
