Kann sich noch jemand an den häßlichen Deutschen erinnern? Nein, ich meine jetzt nicht einen im Besonderen sondern so ganz allgemein. "Der häßliche Deutsche" hat ja früher in den Medien immer für Aufmerksamkeit gesorgt. Manche Photos von manchen Nachbarn an fremden Stränden illustrierten dies auch sehr anschaulich.

Damit ist es jetzt wohl vorbei: der häßliche Deutsche ist tot. Wir sind wieder beliebt in der Welt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article7247146/Deutschland-ist-das-beliebteste-Land-auf-der-Welt.html

Großes Lob für Deutschland. In einer von der BBC initiierten Umfrage geben die Befragten weltweit Deutschland die besten Noten. Die größte Zuneigung genießt Deutschland bei den französischen Nachbarn und in Südkorea. Die wenigsten Freunde haben die Deutschen in Pakistan, Indien und der Türkei.

Der häßliche Deutsche ist Schnee von gestern. Wir sind nicht mehr Hitler, Sauerkraut und Auschwitz, wir sind jetzt BMW, Beethoven und Kant:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article7250490/Was-an-den-Deutschen-liebens-und-lobenswert-ist.html

Es mag uns nicht behagen, immer wieder auf BMW, Oktoberfest, Beethoven und Kant reduziert zu werden. Gegen Lob kann man sich eben nicht wehren.

Aber natürlich kann man sich gegen Lob wehren ... und das merkt man wohl gerade in Indien, Pakistan und der Türkei. Dort hört man die Schüsse des deutschen Afghanistankorps über die Grenzen hallen ... und die Türken kenen viele Neonazis persönlich.

Der "Tod des häßlichen Deutschen" hat dort unten eine ganz andere Bedeutung. Dort ist es der häßliche Deutsche, der den Tod bringt:

http://www.hintergrund.de/index.php/20100419830/globales/terrorismus/sinnloser-tod-im-indianerland.html

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern. Deutsche Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan töten - „nicht nur Taliban sondern auch unbeteiligte Zivilisten und, wenn es ganz schlimm kommt, sogar Kinder.“

Ein Hauptmann des Fallschirmjägerbataillon 373 in Kundus sagte klipp und klar: „Wir haben gelernt zu töten und tun dies auch.“(5) Für einige Soldaten ist das so selbstverständlich geworden, dass sie vorgeben, „keine Probleme damit“ zu haben. „Ich würde töten, wenn es mein Auftrag verlangt, gezielt, dosiert und ohne jedes emotionale Engagement.“

Die machen das nicht mehr in Frankreich, deshalb sind wir dort beliebt. Aber in Afghanistan züchten wir uns gerade unsere eigenen Killermaschinen heran, vor denen die Welt dann wieder zittern wird. Und dementsprechend pflegt man auch ein ganz spezielles Weltbild:

Unter seinen Kameraden, so ein Offizier der Spezialkräfte, heiße das feindlich kontrollierte Gebiet ganz einfach „Indianerland“. Das erinnert an unzählige Western, in denen die vermeintlichen „Wilden“ zum Abschuss freigegeben sind, ist aber auch symptomatisch für die Orientierung der gegenwärtigen Aufstandsbekämpfung durch die ISAF und ihre deutschen Truppenteile an der schlimmen Tradition der US-amerikanischen und europäischen Kolonialkriege des 19. und 20. Jahrhunderts. (6)

Die spielen dort ganz lustig Cowboy und Indianer. Ob auch schon Preise für Talibanskalps oder ihre Ohren gezahlt werden, weiß ich nicht. Aber ich kann mir vorstellen, das afghanische Nachbarn wie Indien und Pakistan das nicht gerne hören, ebenso wie die Türkei über diese halbgaren EU-Verhandlungen nicht glücklich sind. Als Partner in Kriegen waren die Türken immer gut ... auch wenn sie sich gegen Hitlers Aufrufe zum Weltkrieg schlauerweise gewehrt haben. Aber als Handelspartner in Friedenszeiten ... nee, dann sind das doch eher Wilde. Wie die in Afghanistan. Und Wilde knallt man ab. So ist der Wilde Westen halt.

Und doch müssen wir uns mit dem Tod des häßlichen Deutschen beschäftigen, denn auch wenn die Häßlichkeit weltweit eher wieder zunimmt (es merken nur noch nicht alle), so steht es mit dem Deutschen selbst doch nicht zum Besten:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article6596307/In-Deutschland-nimmt-Lebensqualitaet-seit-2001ab.html

Das Leben in Deutschland wird unangenehmer: Zwei Wissenschaftlern zufolge, die einen Nationalen Wohlfahrtsindex entwickelt haben, sinkt seit 2001 die Lebensqualität messbar. Die Berechnungen stützen sich auf 21 Indikatoren, die Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits- und Konsumdaten abbilden.

Kann sich noch jemand an die Gründung der BRD aus der Asche des dritten Kurzreiches erinnern? "Wohlstand für alle" war da das Programm, getragen von CDU, CSU und SPD. Man hatte aus dem Kurzreich gelernt ... und erst recht aus der Asche, die oft genug die eigene war.

Was ist wohl heute das Programm der "Volksparteien"? Man erfährt es nicht, noch nichtmal die Wahlritualsprachblasen lassen Rückschlüsse darauf zu ... aber Wohlstand für alle ist es nicht.

Vielleicht ist es der Tod des häßlichen Deutschen. Im Ausland bringt er ihn in Deutschland erleidet er ihn ... ganz ganz langsam. Denn das ist die sinkende Lebensqualität ... ein langsamer, qualvoller Tod.

Da geht es an der Front schneller.