Man schreibt es ungern, das Menschen doof sind. Von Tieren sagt man es eher. Wenn man so Kühe sieht, die ruhig zum Schlachthof traben, dann kommt einem schon mal der Gedanke: "ihr könntet doch eigentlich euer Leben etwas teurer verkaufe". Was man von Kühen nicht kennt, kennt man von der Mittelschicht: sie
tritt nach den Toten:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,687760,00.html
Die Mittelschicht ahnt bereits, dass die Kosten der Finanzkrise an ihr hängen bleiben sollen. Trotzdem wendet sie sich weiterhin gegen die Unterschicht und nicht etwa gegen die Eliten. So sagen fast 65 Prozent aller Menschen, die sich selbst von der Wirtschaftskrise betroffen fühlen: "In Deutschland müssen zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden." Wieder gerät völlig aus dem Blick, dass vor allem die Vermögenden davon profitiert haben, dass der Staat mit Milliardensummen Banken und Wirtschaft gerettet hat.
Man wird also wieder gerne Asozial, neigt zu Menschenopfern wie schon seit Jahrhunderten: "Verbrennt die Hexe und der böse Fluch wird von uns genommen! Verbrennt die Juden und das Himmelreich ist nah! Verbrennt die Arbeitslosen und der Aufschwung ist unaufhaltsam!"
Irgendwie ... doof, oder?
Ist auch andererseits verständlich, das die Mittelschicht so ranzig wirkt ... immerhin ist sie massiv in Gefahr, eine aussterbende Art sozusagen:
Wodurch konkret sieht sich die Mittelschicht unter Druck gesetzt?
Durch Leih- und Zeitarbeiter, 1-Euro-Jobber, befristete Verträge. Solche Maßnahmen kamen früher nur in einfachen Beschäftigungsverhältnissen zum Einsatz. Heute sind sie auch in Berufen normal, die eigentlich die qualifizierte Mitte besetzt. Wir nennen das "Prekarisierung der Arbeit". Das Signal für die Beschäftigten: Euer Job ist nicht sicher.
Und deshalb betrifft Hartz IV eigentlich alle. Umso seltsamer, das alle versuchen, auf Kosten der Arbeitslosen einen Platz im nicht vorhandenen Rettungsboot zu bekommen.
Irgendwie doof, oder?
Dabei ist es jetzt schon klar: Hartz IV ist die Zukunft des deutschen Mittelstandes. 16 Millionen Menschen pendeln mitlerweile zwischen ARGE und Zeitvertrag hin und her (wir berichteten) und es werden immer mehr, auch wenn durch raffinierte statistische Tricks bald niemand mehr theoretisch arbeitslos ist ...
Deutsche Mittelschicht schrumpft dramatisch
Die Mittelschicht in Deutschland ist in den letzten sieben Jahen deutlich geschrumpft: Fast fünf Millionen Deutsche sind in die Randzonen der Gesellschaft abgewandert, wie eine Studie des DIW ergeben hat. Vor allem klassische Familien sind vom sozialen Abstieg betroffen.
Und man rempelt sich gegenseitig noch an, strampelt sich ab, damit die Kinder aufs Gymnasium kommen, fördert so ihre Selbstmorde und Amokläufe zur Komepensation seiner eigenen Abstiegsängste ... dabei ist das Schicksal der Mittelschicht schon längst beschlossen: sie soll weg. Und sie wird verschwinden, sie hat ihren Nutzen erfüllt, jetzt wollen die Superreichen ihr Geld wieder allein für sich haben ... und unser auch.
Mitlerweile marschiert die Mittelschicht in geschlossenen Reihen ins Endlager ARGE, das macht natürlich Panik. Mehr und mehr erwischt es den Nachbarn, den Verwandten, den Freund. Die Einschläge kommen dichter -und die Wirtschaft ist fröhlich dabei, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern oder durch Roboter zu ersetzen - nicht weil sie menschenfeindlich ist, sondern weil sie durch Renditewahn dazu gezwungen wird.
Billig, billig, billig, die Oberschicht hat teure Hobbys, Schönheitsoperationen stehen an, da braucht man fette Renditen. Und denen ist ihre Vaginalverjüngung wichtiger als unsere Familie.
Natürlich werden wir Griechenland retten, denn die Oberschicht verliert ihre Euros, wenn Griechenland fällt. Uns persönlich ... könnte das egal sein, wenn nicht ... Griechenlands Gegenwart unsere Zukunft sein würde. Darum ist es schon mal sinnvoll dahinzuschauen, damit man sieht, was uns erwarten wird, wenn wir unsere ständig steigenden Schulden nicht mehr bezahlen können.
Krankenhäuser, Polizei, Feuerfehr, Bundeswehr ... das wird alles Schnee von gestern sein. Das wissen heute eigentlich schon alle, die ohne Rechner bis drei zählen können - sie sagen es nur nicht.
Und der Mittelstand zahlt und zahlt und zahlt. Und hat auch gar keine andere Wahl.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,687892,00.html
Die Griechen-Krise droht zu eskalieren: Die Aufschläge für Anleihen erreichen Rekordhöhen, Athen kann sich bald wohl nur noch mit Geld von EU und IWF retten. Für Deutschland könnte das sehr teuer werden - trotz der harten Haltung von Kanzlerin Merkel
Und wenn man das deutsche Geld nicht so bekommt ... macht nichts, es gibt inzwischen viele Wege, es in seinen Besitz zu bringen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,687834,00.html
Der Ölpreis steigt seit Monaten - daran sind laut einer Studie auch Banken und Hedgefonds Schuld: Sie kaufen Öl, das noch gar nicht gefördert wurde, und erzeugen einen künstlichen Nachfrage-Boom. Ohne die Spekulanten könnte Benzin rund 14 Cent billiger sein.
Der Mittelstand zahlt und zahlt und zahlt.
Irgendwie doof, oder.
Aber immer noch hofft er auf eine bessere Welt, eine schöne Zukunft, hoft auf den Aufschwung und darauf, von der Lumpenelite als Mensch anerkannt zu werden. Dabei ... ist man nur noch Nutzvieh. Ganz offiziell. "Kosten auf zwei Beinen".
Als Familie erst recht. Nicht nur, das man regelmäßig zur Urlaubszeit ausgeplündert würde, wenn man sich ihn noch erlauben könnte, man muß auch mehrere Jobs gleichzeitig machen, um alle Ansprüche der Umwelt an die Kinder finanzieren zu können. Gleichzeitig sollte man aber auch noch die Kinder so erziehen, das sie sofort nach dem verlassen des Elternhauses maximale Milchquoten bringen Renditen abwerfen:
http://www.welt.de/wirtschaft/article7101576/Schulen-und-Eltern-versagen-bei-der-Ausbildung.html
Schulen und Eltern versagen bei der Ausbildung
Jeder fünfte Ausbildungsplatz in Deutschland wird nicht besetzt, weil keine geeigneten Bewerber zu finden sind. Insgesamt bleiben 50.000 Stellen unbesetzt. Das größte Ausbildungshemmnis ist die mangelnde Qualifikation der Bewerber.
Das sollen die Eltern jetzt per Telepathie und Fernwahrnehmung erledigen, während ihrer Kinder im Vorschulkindergarten vor sich hingammeln.
Irgendwie doof, oder?
Nebenbei soll man natürlich noch die ehrenamtlichen Arbeiten fortführen, seinen Garten und den Bürgersteig in Ordnung halten und das Vereinsleben nicht brachliegen lassen. Außerdem muß man für Quoten sorgen, denn sonst versteht man nicht mehr, worüber die Zeitungen so schreiben (so geht es mir mit meiner Fernsehabstinenz seit Jahren). Und die Oma will auch gepflegt werden. Außerdem wäre Parteiarbeit schön.
Und man sollte Sport treiben, um möglich lange nutzbar zu sein.
Irgendwie ... auch doof, oder?
Und dann, während alle glauben, wenn sie nur brav genug Alte, Arbeitslose und Ausländer verbrennen wird ihnen die unsichtbare Hand des Marktes wieder den Hauptgewinn präsentieren oder aus ihrer verzogenen Göre einen Superstar machen wird hintenherum verkündet, das alles sowieso den Bach ´runtergeht:
http://www.welt.de/wirtschaft/article7066759/Chinas-Konsum-koennte-die-Welt-retten.html
Chinas Konsum könnte die Welt retten
Wußte gar nicht, das die Welt der Rettung bedarf. Gut zu wissen, das China uns hätte retten können, wenn sie nicht selber massive Probleme hätten.
Schade auch.
Und ... irgendwie doof oder?
Und so richtet sich der Mittelstand brav nach den Rollenvorbildern der Oberschicht, verfolgt aufmerksam ihr Privatleben in den Medien um irgendwann mit Schildern am Bahnhof zu stehen und zu jubeln: "Zumwinkel! Ich bin Dein größter Fan!"
Aber sie irren sich. Die Götzendiener der Moderne gewähren keine Gnade noch verleihen sie unsterbliches Leben in den Hängen des Olymp. Sie tun nur so.
