Philosophen dürfen das. Fragen stellen. Auch außerordentlich blöde Fragen ... erst recht, wenn unser Gehalt weder von der Werbung noch vom Staat bezahlt wird. Wir sind dann mal so frei - und stellen die Fragen, für die wir ausgebildet werden, jene Fragen, die man ohne Filter und Selbstbeschränkung im Kopf stellen kann.

Zum Beispiel die Fragen, ob die Natur außer Kontrolle gerät ... wobei man vor dreitausend Jahren die Frage gestellt hätte, ob man sich nicht doch den Zorn der Götter zugezogen hat, die man sich jahrhundertelang so fein aus dem Leben herausgedacht hatte.

Es gibt ja jetzt wieder ein Erdbeben:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,687547,00.html

Ein schweres Beben vor der Insel Sumatra hat den Meeresboden erschüttert. Mehrere Menschen wurden verletzt, Gebäude stürzten ein, der Strom fiel aus. In panischer Angst vor einem Tsunami wie Weihnachten 2004 rannten Tausende durch die Straßen.

Ich dachte: langsam reichts aber mit dem Gerumpel. Hawai, Türkei, Chile ... muß man sich jetzt doch Sorgen machen? Also machte ich mich auf die Wanderung durch den bizarren Kosmos moderne Kommunikation mit seinen Lügen, Falschdarstellung und Beschwichtigungen und fand eine erschreckende Wahrheit: die Natur gerät wirklich außer Kontrolle.

Und wie üblich werden wir belogen.

http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/geowissenschaft/erdbeben-die-verwundbarkeit-waechst_aid_487756.html

Die schweren Beben von Chile und Haiti liegen nicht lang zurück, nun erzitterte der Boden in der Türkei. Die Zahl der Erdbeben ist konstant geblieben. Aber das Katastrophenpotenzial nimmt zu.

Die üblichen Beschwichtigungen. Erdbeben nehmen nicht zu, das bilden wir uns nur ein. Es geht nur mehr kaputt, weil wir alle zu reich geworden sind.

Die Aufzeichnungen der Seismologen ergeben ein klares Bild. Das Geofon, ein Messsystem des Geoforschungszentrums, zeigt eine Liste aller Beben, die rund um den Globus registriert wurden. Ähnliche Listen gibt das Geological Survey der USA heraus. Aus solchen Datenreihen kann man ablesen: Erdbeben werden nicht häufiger.

Wären nicht Ferien, hätte ich mich damit zufrieden gegeben. Aber ... ich hatte dieses unangenehme Bauchgefühl - also grub ich tiefer, bis ich die hier fand:

http://www.bgr.bund.de/cln_109/nn_335066/DE/Themen/Seismologie/Seismologie/Erdbebenstatistik/erdbebenstatistik__inhalt.html?__nnn=true

Eine interessante Anstalt ... und eine erschreckende Grafik:

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe setzt sich für die nachhaltige Nutzung von natürlichen Rohstoffen und die Sicherung menschlichen Lebensraums ein. Um ihren spezifischen Aufgaben als technisch-wissenschaftliche Oberbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gerecht zu werden, hat sie sich ein Leitbild gegeben.

Ein Leitbild, das jetzt nicht interessiert. Dsfür aber Folgendes umso mehr:

Anstelle der im Schnitt 1500 starken jährlichen Beben seit 1964 haben wir seit einigen Jahren eine Häufung von 2000 starken Beben im Jahr - siehe Grafik die ich leider nicht kopieren konnte.

DAS IST EINE ZUNAHMEN VON 33 %!

Wenn man zählen kann. Dafür braucht man auch keinen Rechner, Papier und Bleistift reichen schon.

Warum kommt also Jochen Zschau, Leiter der Sektion Erdbebenrisiko und Frühwarnung am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam zu so gänzlich anderen Aussagen?

Der hat eigentlich ein ganz anderes Aufgabengebiet:

http://www.gfz-potsdam.de/portal/gfz/home;jsessionid=310BC20DE2036A02DF0849E9729AD0D2

Das Ziel unserer fachübergreifenden Forschung ist es, diese Vorgänge in allen Größenordnungen zu verstehen, also unabhängig davon, ob sie sich auf der Skala von Atomen und Molekülen oder der von Galaxien abspielen, egal ob sie rasend schnell in Nanosekunden oder unendlich langsam in Milliarden von Jahren geschehen. Dabei untersuchen wir nicht nur die Vorgänge im Inneren des Planeten selbst, sondern studieren auch die vielfältigen Wechselwirkungen, die es zwischen der festen Erde, der belebten Welt, der Hydrosphäre und der Lufthülle gibt. Wir analysieren aber auch, wie der Mensch in seinem Lebensraum an der Erdoberfläche auf unseren Planeten einwirkt: also das "System Erde" unter dem Einfluss des Menschen.

Das GFZ scheint eine lustige Juxbehörde, die einfach mal so kunterbunt durch die Gegend forscht. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften jedoch ... liefert Daten für
Wirtschaft, Technologie und Politik - und die Versicherungswirtschaft zum Beispiel will GENAU wissen, womit sie zu rechnen hat, während die Planspiele der GFZ außerhalb jeglicher realen Verantwortung stattfinden.

Lagezentren bei technischen Hilfseinrichtungen und Behörden, Katastrophenfürsorge, Katastrophenhilfsdienste, Besucher- und Informationszentren mit geowissenschaftlichem Bezug, Veranstalter von internationalen Reisen sowie Hotelketten können sich aktuell mit Hilfe des ERdbeben MOnitor Systems ERMOS über Erdbeben in Deutschland, Europa und weltweit informieren, wobei diese Informationen in Form von Karten über Internet bereitgestellt werden.

Diese Aufgabe wird von der BGR wahrgenommen, die als zentrale Sammelstelle und Datenarchiv der von den verschiedensten seismologischen Einrichtungen in Deutschland (seismologische Observatorien, Geophysikinstitute deutscher Hochschulen, geologische Landesämter) übermittelten Erdbebendaten fungiert. Zudem stehen der BGR für die Überwachung der Erdbebenaktivität in Deutschland und weltweit die modernen seismischen Stationen des GRSN (German Regional Seismic Network) sowie die Messanlagen (Arrays) GRF und GERES zur Verfügung.

Eine imposante Auflistung von Kompetenz ... leider. Währenddessen hat das vom Fokus so gern befragte GFZ ... immerhin einen Link auf eine amerikanische Seite:

Einer unserer am meisten nachgefragten Dienste sind die globalen Erdbebenmeldungen von GEOFON:

Im Unterschied zu den Wissenschaftlern, die Hotelketten warnen, zählt Geofon jedes kleinstes Wackeln. Mag sein, das die kleinen abgenommen haben und somit im Durchschnitt keine Zunahmen zu verzeichnen ist obwohl die dicken Beben uns ganz schön durchrütteln.

Also ... doch Weltuntergang?

Na ja, geht ja nicht. Die Erde schwimmt nicht und was nicht schwimmt, kann nicht untergehen.

Aber eine Zunahme von weltweiten Verwüstungen ... damit scheint man sich abfinden zu müssen. Die Antwort auf die Frage, ob die Natur außer Kontrolle gerät, ist schlicht und einfach: seit einigen Jahren ... JA.

Jedenfalls ... wenn man mehr zählt und weniger deutet.