Da hat ja heute jemand die zehn Gebote neu geschrieben.
Die Zehn Gebote sind keinesfalls in Stein gemeißelt. Selbst in der Heiligen Schrift finden sich unterschiedliche Versionen. Der Publizist und Kirchenkritiker Christopher Hitchens analysiert die einzelnen Gebote auf ihre Tauglichkeit für das 21. Jahrhundert – und hat jede Menge Verbesserungsvorschläge.
Unabhängig davon, das schon in den achtziger Jahren protestanische Theologen wie Jürgen Ebach nachgewiesen haben, das die Gebote von den Israelis aus zwei unterschiedlichen nomadischen Kulturkreisen übernommen worden sind und mal abgesehen davon, das wohl niemand den alten Mythos in dieser Form wörtlich nimmt, möchte ich mich heute, am Karfreitag, dann auch mal jenen Geboten widmen. Auch ich würde sie neu schreiben wollen ... aber eher im Sinne der Theologen, nicht im Sinne des Autors der Welt.
Ich würde ... und das sei korrekt, haben mir Theologen versichert ... nur das Wort "soll" durch das Wort "brauchst nicht" ersetzen, was angeblich die korrekte Übersetzung in die deutsche Sprache gewesen wäre. So werden die Gesetze zu ... weisen Empfehlungen, sich das Leben angenehmer zu gestalten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Für uns moderne Menschen hört sich das seltsam an. Dabei halte ich das für die wichtigsten Gebote - gerade für uns. Denn wir haben unsere modernen Götter, die wir anbeten, denen wir Opfer bringen - auch Menschenopfer. Der "Fortschritt", der "Markt" mit seiner "unsichtbaren Hand", die "Arbeit", die "Zukunft", die "Partei", das "System", die "Religion" und so weiter. Unsere modernen Götter sind kalt, unmenschlich, skrupellos und fordern unsere völlige Unterwerfung - Tag für Tag.
Eins müssen wir nun noch machen: verstehen, was "Gott" für die Menschen damals bedeutete: er war das unsichtbare Element, das die Lebendigkeit der Welt verkörperte, schlicht: Gott gleich Leben. Menschen, Bienen, Blumen, Wolken, Wind ... das alles war ein Ausdruck Gottes. Das sollte als das Höchste gelten, nicht "Baal", "Odin", "Zeus", "Mars" und wie sie alle hießen ... denn nur ein Gott von dem man ein konkretes Bild hat kann von Priestern mißbraucht werden. Das sollte von vornherein ausgeschlossen werden.
Hat nicht ganz geklappt.
Die Gebote sollen nichts anderes tun, als den Respekt vor dem Leben selbst als höchsten Wert eines Grundgesetzes bzw. eines Bündnisses zwischen dem Volke Israel und dem unsichtbaren, unerkennbaren Quell des Lebens für alle Zeiten sicherzustellen und die Erde wieder alle Dunkelmächte für alle Zeiten bewohnbar zu halten. Hätte man die Weisungen befolgt, hätten wir keine Atombombenwerfer, Seuchenerfinder und Umweltvernichter. "Biowaffenforscher" ... um ein Beispiel zu nennen ... erfinden Krankheiten, die
es ohne sie nicht gegeben hätte. Krankheiten, die eventuell die ganze Menschheit ausrotten könnten.
Wie sollte man das einem Hirten der damaligen Zeit klar machen, das so etwas ganz in Ordnung ist, geradezu notwenig für das Fortbestehen der Menschheit? Für ihn ... wäre das Teufelszeug. Und wir wären alle besser dran, wenn es so geblieben wäre, doch unser Götter, unsere Religionen erlauben uns diese Freiheit der Entscheidung nicht.
Es waren zur damaligen Zeit sehr weise Gebote, die Menschen vor Religion und ihren Ansprüchen geschützt haben ... und die heute noch dazu geeignet wären, den Menschen und seine Umwelt vor den Auswirkungen des Renditewahns zu schützen.
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation
Man hätte sich viel ersparen können, wenn man sich den anderen Göttern nicht unterworfen hätte ... auch ohne Strafandrohung, die möglicherweise durch priesterliche Hand hinzugefügt wurde. Die haben viel umgeschrieben und hinzugefügt, diese Priester, weshalb der Geist des alten Testamentes sich vom neuen so sehr unterscheidet ... wenn man oberflächlich bleibt.
Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.
Das war zur damaligen Zeit absolut progressiv: Sklaven bekamen einen freien Tag geschenkt. Nun ... das dreht sich seit einiger Zeit wieder um. Zukünftige Generationen werden jenem Tag, der vor der Hektik der Welt geschützt wurde, noch nachweinen. Dafür kann man dann Sonntags auch bis 21 Uhr einkaufen.
Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.Du sollst nicht morden.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.“
Die schwächsten Menschen einer Gesellschaft sind die Alten. Kinder wachsen heran, werden stark und können sich rächen - oder ihre Freiheit erkämpfen. Alte Menschen werden mit jedem Tag schwächer. Und wenn ich mir die Zustände in Altenheimen anschaue, denn denke ich: die waren weiser vor dreitausend Jahren. Da sieht man, was passiert, wenn man die Gebote nicht achtet und ihren Sinn vergessen hat. Da wird dann "Gammelfleisch" ein recht häßlicher Begriff ... und beschreibt auch unsere Sicht auf das Alter.
Und bei den nächsten fünf Geboten ... führen wir ganz geziehlt "du brauchst nicht" anstelle von "du sollst" ein. Angeblich eine bessere Übersetzung, allerdings nicht so gut zur Machtausübung geeignet.
Töten, stehlen, lügen, betrügen, ehebrechen ... war doch die ganze Zeit damals Alltag, ist es für Banker heute noch (auch das töten, ja. Hinter der Riesenrendite, d.h. dem sinnlosen Anhäufen von Tauschmitteln auf der einen Seite steht irgendwo auf der anderen Seite ein Mangel, der tödlich enden kann ... und oft auch tödlich endet). Nicht ihr Verbot war neu ... sondern die Erlaubnis, das man nicht wirklich dem Leben dient, wenn man da mitmacht. Man darf es auch einfach sein lassen. Doch selbst wenn man den Kunstgriff mit "du brauchst nicht" nicht akzeptiert, weil man der Meinung ist, die Zehn Gebote wären per Fax in Deutsch aus dem Himmel gekommen ... so sind diese Gebote doch lebensnotwendig für das funktionieren einer menschlichen Gemeinschaft.
Das letzte jedoch ist wieder sehr weise ... Neid auf das, was andere haben, führt immer zu unfrieden. In erster Linie in einem selbst.
Wir könnten diese Gebote in ihrem Sinn nach (nicht unbedingt in ihrer kirchlichen Interpretation) immer noch gebrauchen.
Wenn man dann aber ... Meldungen wie diese hier lesen muß:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,687015,00.html
Die Zahl der eidesstattlichen Erklärungen mit Anschuldigungen gegen Mixa habe sich damit auf sechs erhöht, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Inzwischen haben vier Frauen und zwei Männer erklärt, Mixa habe in den siebziger und achtziger Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bei Augsburg Kinder geprügelt.
....dann kann man nur sagen: in dieser Kirche muß der Teufel zuhause sein.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,683075,00.html
Er ist der meistbeschäftigte Exorzist Europas, bekämpft seit fast 25 Jahren den Antichrist, wo immer er ihn findet. Nun verortet Don Gabriele Amorth den Teufel genau da, wo seine Heiligkeit der Papst zu Hause ist: im Vatikan.
Sicher hat er recht mit seinem Verdacht, immerhin ist er ja der Chefteufelsaustreiber, das ist sein Job, davon hat er Ahnung. Aber auch er verstößt damit gegen das erste Gebot: du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Die gibt es zwar, aber die sind Mist. Schund. Menschenfresser. Verschwende keinen Gedanken an sie, habe keine Angst vor ihnen aber vor allem: diene ihnen nicht. Der Mensch hat ein Recht auf Freiheit - und dafür bürgt in der Bibel jemand, der vorgibt, der Höchste zu sein und die anderen Götter und Dämonen notfalls alle in die kleine Münztasche seiner Jeans stecken zu können - was er auch tut, wenn die Zeit reif ist. Und bis dahin haben wir die Freiheit ... uns nicht mehr um sie kümmern zu müssen. Sollte man dem Don mal sagen...
"Wenn die Rede vom 'Rauch des Satans' ist, der in die heiligen Räume eingezogen ist, dann ist das wahr - auch, was die jüngsten Berichte über Gewalt und Pädophilie anbelangt", klagte Don Gabriele. Es gebe Kardinäle, die nicht an Jesus glaubten, und Bischöfe, die Verbindungen zum Teufel hätten.
Nun, wer Kinder schlägt ... die Quelle des zukünftigen Lebens auf Erden ... hat mit den zehn Geboten nichts mehr im Sinn, wer sie mißbraucht, ebenfalls nicht. Er kann auch nicht behaupten, er hätte trotz lebenslangem Studium auch nur irgendetwas von der Botschaft Christi verstanden.
Und ich persönlich habe den Eindruck ... das alle Bischöfe irgendwie mit dem Teufel im Bunde sind. Wie die schon aussehen ....
Aber ich halte mich an die zehn Gebote. Ich halte sie für eine gute Richtschnur zu einem glücklichen Leben ganz jenseits der Moral. Da braucht man auch nichts zu ändern. Wer dir formuliert hat, konnte wohl auf ein gleiches Erfahrungspotential zurückgreifen wie die Väter des Grundgesetzes.
Wenn alle Menschen das leben würden ... dann wären wir dem Paradies sehr nahe.
Aber wir unterscheiden ja lieber zwischen gut und böse, weil wir von diesem Apfel gegessen haben. Und so torkeln wir durch die Jahrtausende ... und hätten immer noch einen deutlichen Gewinn an Lebensqualtität, wenn wir diesen Geboten folgen würden. Aber lieber folgen wir ... anderen Göttern, die uns das Paradies auf Erden versprechen - mit Mikrowelle, Handy und Tiefkühlkost, Sportschau und DSDS.
Irgendwie war die Erfindung des Teufels schon genial, da hatte man dann jemanden, auf den man alles menschliche Versagen abschieben konnte. So gesehen - auch eine Erleichterung. Erspart uns die Konfrontation mit unserer eigenen Dummheit, auch wenn die dazu führt, das wir ständig von Leuten umlagert werden, die nur eins wollen und auch kriegen: unser Haus, unsere Sklaven, unsere Frauen, unsere Rinder und unsere Esel.
Ruhig und sicher können nur noch die leben, die das alles nicht mehr haben. Aber ... das werden ja auch immer mehr. Dank Hartz IV.
