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Archiv der Einträge: 01 April, 2010
  • Aprilscherze 2010 - Hartz-Zwangsarbeit, Wirtschaftskrise und ... Frauen

    So, der Tag neigt sich dem Ende zu, ich will doch mal schauen, ob ich die Aprilscherze der Medien nicht schon jetzt finde - bevor es jemand anderes tut. Den ersten fand ich schon heute mittag - was habe ich gelacht:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article7014873/Union-will-Hartz-IV-Empfaenger-zu-Zeitarbeit-zwingen.html

    Der Mittelstandsflügel der Union will die Daumenschrauben bei Hartz-IV-Empfängern anziehen. Demnach sollen Langzeitarbeitslose zu Einsätzen in Zeitarbeitsfirmen gezwungen werden – und sich dort weiterbilden.

    Ziel müsse sein, dass die Jobvermittler nach dem Vorbild der Niederlande jedem Arbeitslosen, der einen Antrag auf Leistungen stelle, für den nächsten Tag Arbeit anböten, sagte Schlarmann.

    Klar, 12 Millionen Jobs warten ja auch nur auf unsere sechs Millionen Arbeitslosen, die lieber Kaufladen bei der ARGE spielen als echt für richtiges Geld zu arbeiten.

    Hach nee ... war der gut.

    Da kommt aber gleich noch einer:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article7014588/Europas-Industrie-steht-wieder-unter-Volldampf.html

    Europas Industrie wächst wieder wie seit Jahren nicht mehr. Das hat eine Umfrage unter 3000 Firmen ergeben. Vor allem der Außenhandel zieht stark an. Verantwortlich dafür ist der schwache Euro. Dadurch werden europäische Produkte in anderen Währungsräumen günstiger. Nur Griechenland hilft es kaum.

    In Deutschland, Frankreich und Italien laufen die Geschäfte dagegen immer besser, und auch Spaniens Industrie vermeldet wieder Zuwächse.

    Klar - gestern noch Rekordarbeitslosigkeit ... heute ist Aufschwung überall. Der war auch gut. Und ich dachte, die kommen wieder mit UFOs oder der Meldung, das die FDP Westerwelle als Aufbauhelfer in den Kongo geschickt hat.

    Doch die haben noch mehr von dieser Sorte:

    http://www.welt.de/finanzen/article7019188/An-der-Boerse-ist-die-Finanzkrise-vorbei.html

    Der deutsche Leitindex Dax hat sämtliche Verluste seit der Lehman-Pleite wieder nivelliert. Der Dax hat zwischenzeitlich ein Hoch von 6238 Punkten erreicht und damit seit dem Tief vom März 2009 rund zwei Drittel zugelegt.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article7005651/Deutscher-Maschinenbau-kommt-wieder-in-Fahrt.html

    Deutscher Maschinenbau kommt wieder in Fahrt

    http://www.welt.de/wirtschaft/article6399723/Japanische-Wirtschaft-waechst-wieder-staerker.html

    Japanische Wirtschaft wächst wieder stärker

    Die Welt befiehlt der Welt: die Krise hat vorbei zu sein. Und die Welt? Sie gehorcht. Natürlich, wie sollte es anders sein. Sind alles Experten, die bei der Welt, denen muß man glauben. Nur nicht heute ...

    Hier noch ein besonderes erstes April-Highlight, das Morgen sicher vielen weh tun wird, wenn es wieder heißt: April April!

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article6981993/Die-FDP-rutscht-Richtung-Fuenf-Prozent-Marke.html

    In der neuen Forsa-Umfrage kommen SPD, Grüne und Linke gemeinsam erneut auf eine absolute Mehrheit in der Wählergunst. Die Regierungsparteien dagegen können kaum Boden gutmachen. Während die Union immerhin noch zwei Punkte zulegt, nähert sich die FDP wieder einmal der Fünf-Prozent-Marke.

    Schade ... das morgen der 2. April ist.

    Eine Meldung noch zur Krise, die zeigt, das das ganze Krisengerede der letzten Jahre doch wohl nur ein gigantischer Aprilscherz war:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,686934,00.html

    Amerikas Hedgefonds-Manager machen wieder gigantische Gewinne: Vier Milliarden Dollar verdiente der Spitzenreiter im vergangenen Jahr laut "New York Times". Die 25 Top-Verdiener kassierten im Schnitt eine Milliarde pro Kopf - so viel wie noch nie.

    Die einzigen, die heute keinen Spaß verstehen, sind die Jungs vom Handelsblatt. Das Blatt für Entscheider. Bei denen geht es ums Geld, da hört der Spaß auf.
    Nach dem Höhenflug der Spaßpresse holen die einen wieder auf den Boden des Alltags zurück.

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/konjunkturprognose-iwf-ist-fuer-deutschland-pessimistisch;2554582

    Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass Deutschland sich nur langsam aus der Konjunkturtal herausarbeiten kann. In ihrem neuen Ländergutachten gehen die IWF-Experten für das laufende Jahr von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent aus, für 2011 erwarten sie ein Plus von 1,7 Prozent - im Februar hatte der IWF noch 1,5 und 1,9 Prozent Wachstum für Deutschland geschätzt.

    Mit seiner neuen Prognose ist der IWF pessimistischer als die meisten deutschen Ökonomen, die mehrheitlich 1,5 bis zwei Prozent Wachstum erwarten. Auch die Bundesregierung überarbeitet gerade ihre Konjunkturprognose von derzeit 1,4 Prozent. Angesichts guter Konjunkturdaten der letzten Tagen stehe eine Senkung der Regierungsprognose wohl nicht an, hieß es in Regierungskreisen.

    Schade. Für einen Tag hätte man doch den Deutschen ihren Traum vom wirtschaftlichen Höhenflug lassen können. Aber wer WELT liest, studiert sowieso nicht das Handelsblatt. Da kann man also noch hoffen ...

    Wenigstens das Manager-Magazin erlaubt sich noch einen kleinen Scherz, mit dem ich meinen Aprilscherzausflug dann auch abschließen möchte:

    http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,686822,00.html

    Hildegard Müller und Annette Messemer ziehen als Vertreterinnen des Bundes in den Aufsichtsrat der angeschlagenen WestLB ein.

    FRAUEN im AUFSICHTSRAT einer BANK ... DER ist wirklich besser als UFOs im Biergarten von Neuköln.
    Das wird manchem Manager einen gehörigen Schrecken versetzen ... bis er auf das Datum schaut.

    Und, wie hat man Euch heute in den April geschickt?

  • Hartz IV - Aprilscherz: Team Arbeit Nord praktiziert Cargo-Kult und erzieht Untertanen

    Da heute er erste April ist, kann ich ja mal eine ganz unglaubliche Geschichte erzählen. In einem Land in Europa, das dereinst mal als Demokratie und Kulturnation Weltruhm erntete, wird inzwischen Arbeit so sehr angebetet, das man künstliche Welten schafft, damit die arbeitslosen Bürger so tun können, als hätten sie welche.

    Das ganze Programm kostet insgesamt sechs Milliarden Euro und bringt überhaupt nichts außer: das alle so tun können als würden sie arbeiten.

    APRIL APRIL ... werden jetzt alle sagen und über den Aprilscherz herzlich lachen. Der wahre Scherz ist jedoch: es ist keiner.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,686388,00.html

    Aufblasbarer Plastikkäse, kopiertes Spielgeld, gefärbtes Wasser in Weinflaschen: Das Jobcenter Hamburg finanziert einen kompletten Supermarkt. Hartz-IV-Empfänger sollen dort wieder arbeiten lernen. Die simulierte Einkaufstour kostet Millionen - und hat bislang nur eine magere Erfolgsquote.

    Unglaublich, oder? Unglaublich auch die Dreistigkeit der Leiterin dieses Unterfangens, die den Umgang mit Steuergeldern wohl für einen lustige Sportart hält, auf die sie alles Recht der Welt hat. Die Arbeitslosen selber ... erleben diese Maßnahme am eigenen Leib wie der Steuerzahler es aus der Ferne beobachtet:

    Seit Oktober 2009 spielen deshalb Arbeitslose wie Repschinksi Kaufmannsladen - und einige kommen sich dabei ziemlich albern vor. "Beschäftigungstherapie", "reine ABM", "großer Quatsch", "entwürdigend", das sind Worte, die Teilnehmer über die Maßnahme sagen. "Das kann man auch einem Pavian beibringen", sagt einer während der Raucherpause. Viele wollen ihren Namen nicht in einem Bericht lesen; selbst ihren Freunden und Familien erzählen manche nicht, was sie tun.

    Die Ergebnisse sind den "einstelligen Millionenbetrag" sicher wert:

    Erfolgreich vermittelt wurden nach Angaben des Tüv-Schulungszentrums bisher 14 Arbeitslose, alle an Zeitarbeitsfirmen in der Lageristenbranche, allerdings noch keiner in den Einzelhandel.
    Ist diese Quote nicht ein bisschen mager bei bisher 161 angemeldeten Teilnehmern, zumal einige schon vor der Maßnahme als Lageristen gejobbt haben?

    Und damit die Arbeitlosen auch weiterhin mit Begeisterung Kaufmannsladen spielen, gibt es eine Reihe von Leuten, die durch die Maßnahme einen echten Arbeitsplatz bekommen haben, denn: die Arbeitslosen werden

    Betreut von sechs Sozialpädagogen und fünf Übungsleitern.

    Um so eine Maßnahme ohne geistigen Schaden zu überstehen, muß man schon ganz schön hart gesotten sein, da braucht man auch Sozialpädagogen, die als soziales Schmieröl den Prozess begleiten. Wie in einer Demokratie üblich wird auch an der politischen Erziehung gearbeitet:

    "Eine gute Möglichkeit, Menschen für Arbeit zu begeistern", nennt Projektleiterin Kügler das Programm - und sich selbst einen "harten Hund". Denn sie verteilt Abmahnungen und schmeißt die Leute, die sich überhaupt nicht auf die Maßnahme einlassen wollen, wieder raus: "Wir spielen hier freie Wirtschaft." Wer nicht mitspielt, fliegt.

    Und wer etwa offen seine Meinung zu dieser Selbstbeweihräucherungsaktion der ARGE Hamburg sagt, der muß ebenfalls mit Konsequenzen rechnen:

    Wer nicht mitmacht, muss mit Sanktionen rechnen, also mit weniger Geld vom Amt.

    Das heißt auf Deutsch: gehorchen oder hungern. Gehorchen oder ´Rausschmiß. Gehorchen oder das Zeugnis wird schlecht.

    Erziehung zum Untertanen - und das scheint das einzige Ausbildungsziel zu sein, für das sich Frau Kügler begeistern kann, denn: die um die Vermittlungsquote geht es ja nicht:

    Dass es nicht nur um die Vermittlungsquote gehe, sondern auch darum, Lust und Mut zu vermitteln, einen Job anzunehmen.

    Daran liegt ja auch die Misere dieses Landes: sechs Millionen offene Stellen warten auf 500000 Arbeitslose, die einfach zu mutlos oder zu lustlos sind, mal eine Bewerbung zu schreiben. Ach nein, ... es war andersherum.

    Frau Kügler und die anderen Beamten von den Ämtern scheinen wirklich in ihrer ganz eigenen kleinen heilen Ämterwelt zu leben. Mir tun die Leute leid, die gezwungen werden, diesen Unsinn bei wachem Verstand über sich ergehen lassen zu müssen.

    Sechs Milliarden Euro geben die Küglers dieser Republik im Jahr aus um ihre Phantasien über den deutschen Arbeitsmarkt ausleben zu dürfen:

    In Deutschland schicken Jobcenter-Mitarbeiter ihre Arbeitslosen zu Bewerbungstrainings und Fortbildungen, sie lernen Gabelstaplerfahren und Powerpoint. Selbst Speed-Dating mit potentiellen Arbeitgebern hat es schon gegeben. Niemand weiß so genau, wie gut das alles funktioniert. Sicher ist nur: Es kostet. Allein für die Weiterbildung von Hartz-IV-Empfängern zahlt die Bundesagentur für Arbeit 6,6 Milliarden Euro pro Jahr.

    Wen man nicht so dreist von seiner eigenen Fehlerlosigkeit überzeugt wäre und mit dem päpstlichen Selbstbewußtsein der Unfehlbarkeit gesegnet, würde man leicht merken, das irgendwas nicht stimmt mit diesen Maßnahme. Aber was soll man von einer Behörde halten, die ... noch nicht mal zählen kann (oder will).

    Ich helfe aber gerne mal nach und zeige auf, wie der Arbeitsmarkt konkret aussieht:

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/arbeitsmarktdaten-zahlensalat-schoent-die-statistik;2555269

    Dennoch trat Weise direkt auf die Euphoriebremse. Die Konjunktur scheine zwar bereits anzuspringen, doch „für den Arbeitsmarkt gilt das aus unser Beobachtung noch nicht“, verkündete der BA-Chef. Zudem wies er ungefragt auf eine Schwachstelle der amtlichen Statistik hin, die die Arbeitslosenzahl in letzter Zeit künstlich nach unten verzerrt. Ohne sie hätte die BA im März mindestens 160 000 Arbeitslose mehr gezählt – statt 3,57 Millionen wären dann 3,7 bis 3,8 Millionen statistische gesehen arbeitslos.

    Besagte Schwachstelle hat mit einer Gesetzessänderung zu tun, die noch die Große Koalition beschlossen hat: Im Zuge einer Neuordnung des arbeitsmarktpolitischen Instrumentenkastens legte sie fest, dass Menschen nicht mehr als arbeitslos gelten, wenn die Arbeitsagentur für sie private Vermittler einschaltet.

    Und wer in Maßnahmen ist, fällt sowieso aus der Statistik heraus. Nochmal ein Millionenheer von Menschen, die Kaufmannsladen auf Kosten des Steuerzahlers spielen. Aber das schafft Arbeitsplätze:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article7005900/Experten-streiten-ueber-das-deutsche-Jobwunder.html#vote_6855873

    Im Gesundheits- und Sozialwesen wurden 132.000 neue Jobs geschaffen, im Bildungswesen waren es knapp 50.000 Stellen.

    Da sind sie, die Sozialarbeiter.

    Kennt übrigens jemand den Cargo-Kult?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult

    Der Ausdruck Cargo-Kult (auch Cargokult, Cargo-Cult) bezeichnet eine Vielfalt stark chiliastischer (d. h. dem Glauben an das nahe Ende der gegenwärtigen Welt anhängender) religiös-politischer Bewegungen Melanesiens... Besonders während und nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr dieses Phänomen eine starke Verbreitung in Neuguinea.

    Die bauen dann die Transportflugzeuge der US-Armee aus dem zweiten Weltkrieg aus Holz nach, um die "echten" Cargo-Bringer anzulocken. Klappt nicht aber beschäftig das ganze Dorf. Ist eine tief im magischen Denken verwurzelte Handlungsweise - die Anfertigung des Modells lockt das Original heran.

    So eine Art Entenköder mit Gebeten.

    Und im gleichen magischen Denken sind die diffusen Vorstellungen von Frau Kügler und ihrem Team verwurzelt. Man baut einfach einen Einkaufsladen ... und dann werden die echten Arbeitsplätze von den Ahnen aus dem Himmel gebracht.

    Ob die ARGE auch an das nahe Ende der Welt glaubt, weiß ich nicht. Denkbar wäre es.

    Und jetzt weiß ich auch, warum das Grundgesetz geändert werden muß. Die ganzen schönen Maßnahmen wären ja in Gefahr ... und irgendwo hat doch jeder SPD-Politiker einen Sozialpädagogen in der Verwandschaft, den er unterbringen muß, oder?

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