Kann sich noch jemand an die siebziger und achtziger Jahre erinnern? Meldungen über Süd- bzw. Mittelamerika? Die hatten da die sogenannten "Todesschwadrone", motorisierte Kolonnen, die durch die Lande streiften und überfallartig Dörfer ausrotteten. Sie waren damals im "US-amerikanischen Vorgarten" Teil der US-Außenpolitik, wurden vom CIA indirekt oder auch gerne direkt finanziert um unamerikanisches Verhalten abzustrafen...was immer tödlich endete. Männer, Frauen, Kinder .... völlig egal.

Wie es scheint, haben wir in Afghanistan nun ein ähnliches Phänomen zu beobachten:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,683446,00.html

Gegen drei Uhr früh am Morgen des 12. Februar stürmten afghanische und US-amerikanische Nato-Soldaten in dem Ort Khataba in der ostafghanischen Provinz Paktia ein Wohnhaus auf der Suche nach einem Verdächtigen. Doch die Operation lief schief: Mehrere Zivilisten wurden von den Soldaten getötet, darunter ein hochrangiger afghanischer Polizist. Keiner von ihnen war Zielperson der Razzia.

Unter den Toten waren zwei schwangere Frauen:

Die Londoner "Times", die nach eigenen Angaben mit mehr als einem Dutzend Überlebender, Beamter und Polizisten gesprochen hat, behauptet jedoch, dass das aus afghanischen und Nato-Soldaten zusammengesetzte Razzia-Team die beiden Frauen tötete. Ihrer Rekonstruktion zufolge starben die beiden Schwangeren, Bibi Shirin, 22 Jahre alt, und Bibi Saleha, 37 Jahre alt, im Kugelhagel, in dem auch der Polizist getötet wurde. Sie hatten, so die "Times", im Flur hinter ihm gesessen.

Nun, vielleicht haben Tarotkarten und Kristallkugeln sowie der Flug der Vögel den Nato-Oberen verraten, das diese ungeborenen Kinder mal ganz große Talibananführer werden - oder man hatte mal wieder veraltete Karten, wie damals, als versehentlich die chinesische Botschaft in Serbien ausradiert wurde.

Eins kann man auf jeden Fall sagen: in Afghanistan sind Todesschwadrone unterwegs, jenes altbekannte Mittel US-amerikanischer Außenpolitik und beliebtes Hobby mittel- und südamerikanischer Militärdiktaturen.
Nur - im Unterschied zu früher stellen die US-Amerikaner die Mannschaft dieser Todesschwadrone größtenteils selbst.

Ich meine, das die einfach so Bomben in der Gegend herumschmeißen, daran hat man sich ja schon gewöhnt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679495,00.html

27 Zivilisten tot, darunter Frauen und ein Kind - eine Horrorbotschaft, wie sie Isaf-Kommandeur McChrystal unbedingt vermeiden will. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte es unmittelbar vor dem Nato-Luftschlag Angriffe der Taliban gegeben. Die Regierung Karzai reagierte dennoch mit großer Wut.

Aber jetzt auch noch persönlich vor Ort morden ... das ist schon ein starkes Stück. Und Mord ist es, denn die gezielte Tötung von Unschuldigen, gerade von schwangeren Frauen, von denen wohl offensichtlich keine Gefahr ausgeht, ist durch nichts zu entschuldigen.

Und wir ... machen da mit:

http://news.de.msn.com/politik/politik.aspx?cp-documentid=152083475

HAMBURG, 10. Februar (AFP) - Die NATO-Truppen in Afghanistan benutzen einem Bericht des "Stern" zufolge angeblich "geheime Todeslisten" im Kampf gegen die Taliban, um deren Kommandeure auf hoher und mittlerer Ebene aufzuspüren, gefangen zu nehmen oder zu töten. Wie das Hamburger Magazin am Mittwoch berichtete, ist an diesen Operationen neben amerikanischen Spezialeinheiten auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr beteiligt.

Dem Bericht zufolge werden Personen auf diesen Listen in den Kategorien "c" und "c/k" geführt - "c" stehe für "capture" (festnehmen), "k" für "kill" (töten). Dokumente und Aussagen von Beteiligten belegen dem Magazin zufolge die Existenz dieser Listen und ihre Verwendung in Afghanistan.

Solche Todeslisten waren auch bei den Todeschwadronen bekannt. Linke, Intellektuelle, Schriftsteller, Gewerkschaftsführer ... das alles wurde südlich der USA gezielt ausgerottet, demokratisch gewählte Präsidenten inklusive. Sicher, ein dunkles Kapitel der US-Aussenpolitik, das sich ja niemals wieder widerholen sollte.

Aber was geschieht jetzt in Afghanistan. Seit wann werden Menschen ohne Gerichtsverhandlung erschossen? Sowas nennt man gemeinhin "Mord", auch wenn irgendwer aus irgendwelchen Gründen beschlossen hat, das es ein "gerechter" Mord ist. Streitkräfte demokratisch legitimierter Regierungen sollten sich an solchen Verbrechen nicht beteiligen. Aber Steitkräfte demokratisch legitimierter Regierungen hätten sich sowieso niemals an einem Angriffskrieg gegen ein fremdes Land beteiligt...und erst recht nicht bei dieser miserablen Beweislage gegen "Taliban".

Schon jetzt kann man sagen, das deutsche Soldaten mehr Taliban erschossen haben als Taliban deutsche Bürger getötet ... und es ist ein Wunder, das sich aus diesem Dunstkreis noch keine Rächer gefunden haben, die den Krieg nach Deutschland tragen. Oder ist es kein Wunder ... weil es die große Terrorgefahr gar nicht gibt?

Ich denke, wenn es sie geben würde ... dann hätten wir es schon längst gemerkt. Da gibt es aber nichts. Doch wenn wir noch weiter bestialisch in einem fremden Land herummorden ... dann wird das noch übel enden.

Nicht unbedingt, weil die "Taliban" sich rächen, sondern weil wir selbst durch die Art der Kriegsführung unsere Kultur zu Grabe tragen.

Was ist denn, wenn diese Profikiller den Auftrag bekommen, den Eifeltaliban zu erledigen, weil der eben auch irgendwie talibanig ist? Erinnern sie sich dann an die Gepflogenheiten zivilisierter Länder, bzw. an die Vielzahl bestehender Gesetze und Verordnungen oder ziehen die einfach los und versuchen mich in meinem Schützengraben zu belästigen?

Wer entscheidet eigentlich nach welchen Kriterien, was ein Taliban ist oder nicht, nach welchen Grundsätzen und Richtlinien wird beschlossen, ihn zu töten? Darf man ihn auch erschiessen, wenn er gar keine Waffe in der Hand hat?

Und für wen machen wir das?

Für eine Regierung, die die Pressefreiheit einschränkt:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,681108,00.html

Kandahar - Für Journalisten wird ihre sowieso schon gefährliche Arbeit in Afghanistan noch schwieriger: Die Regierung grenzt die Berichterstattung über Anschläge der Taliban stark ein. So dürfen Reporter künftig nur noch im Nachhinein und nur mit Erlaubnis des afghanischen Geheimdienstes NDS über Angriffe berichten. Live-Berichte sollen ganz verboten werden, erklärte ein Geheimdienstsprecher am Montag.

Und um Mörder in gehobene Positionen zu bringen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,682156,00.html

Er soll im kürzlich von den Taliban zurückeroberten Mardscha für Respekt vor dem Rechtsstaat sorgen; in Deutschland saß er wegen versuchten Totschlags an einem seiner Söhne im Gefängnis: Abdul Zahir, vom Gouverneur frisch eingesetzter Statthalter der afghanischen Stadt, ist als Symbol für den Aufbruch des Landes in eine Zeit ohne Gewalt und Fundamentalismus offenbar denkbar ungeeignet.

Ein Nato-Sprecher erklärte am Samstag dennoch, es gebe keine Bestrebungen, Zahir wieder absetzen zu lassen. Die Nato unterstütze den Gouverneur der Provinz Helmand, der Zahir ausgewählt habe, erklärte Admiral Gregory Smith. Die afghanischen Behörden müssten über seine Zukunft entscheiden. "Nach dem, was wir wissen, macht Zahir gute Arbeit."

"Gute Arbeit" ... ist sehr relativ. Sieht die vielleicht so aus?

Auch ein Vertreter der USA in Kabul, der namentlich nicht genannt werden wollte, erklärte, dass Zahir in Deutschland verurteilt wurde. Nach Archivartikeln des "Darmstädter Echos" wurde Zahir im November 1998 verurteilt, weil er seinen Sohn mit einem Küchenmesser angegriffen und lebensgefährlich verletzt hatte. Der damals 47-Jährige soll es nicht verwunden haben, dass drei seiner Kinder in Deutschland aus der elterlichen Wohnung ausgezogen waren und sich eine eigene Wohnung gesucht hatten. Nach der Tat sei er geflohen, aber bei Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze festgenommen worden.

Also, ich will ja nichts sagen ... aber ich kriege so ein unangenehmes Gefühl, das die ganze Sache dort unten gehörig aus dem Ruder läuft. Demokratische Staaten sollten halt keine Angriffskriege führen. Müssen sie ja auch nicht. Zwingt sie ja keiner zu. Sollten wir deshalb ganz schnell lassen ... bevor noch mehr passiert.