Wir haben ja wieder mal keine Wirtschaftskrise. Jedenfalls erfährt man zentrale Daten nur nebenbei, weil es wohl ziemlich stören würde, wenn man das wahre Ausmaß der Krise veröffentlichen würde. Immerhin hat man ja noch den Glauben an die unsichtbare Hand des Marktes, die das alles wieder ganz fein Regeln wird.
Vielleicht muß man ihr noch ein paar Arbeitslose bei lebendigem Leibe irgendwie opfern, aber dann wird sie irgendwann schon ganz toll unsere Wirtschaft wieder heil machen.

Währenddessen nehmen die Bankenpleiten stärker zu als die Managerboni, das will schon was heißen.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/ackermann-co-welcher-top-banker-2009-wie-viel-geld-bekam;2540600;7#bgStart

In den USA rollt die Pleitewelle bei den Regionalbanken schneller als im Krisenjahr 2009. Die Großbanken dagegen konnten fast alle wieder Milliardengewinne vorzeigen. Das wirkt sich auf auf die Gehälter der Top-Banker aus. Eine Übersicht über die Verdienste 2009 – von Lloyd Blankfein bis Josef Ackermann.

Substantiell für uns wichtig sind die Daten über die Regionalbanken die Auswirkungen dieser Pleiten auf die amerikanische Wirtschaft, denn immerhin geht es hier um die Grundversorgung der Normalbürger. Die Boni interessieren mich nicht, im Gegenteil, sie bereiten mir Magengeschwüre, wenn ich daran denke, das diese Banken mitverantwortlich sind für die Griechenlandkrise.

Für die ... darf der deutsche Steuerzahler ja jetzt auch zahlen, ebenso wie für die Boni von 2,9 Millionen Euro, die sich der Nonnenbacher aus dem Rettungspaket gönnt.

Seine Bank, die HSH-Bank, fährt auf jeden Fall wieder Milliardenverluste ein.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/kriseninstitut-hsh-nordbank-faehrt-erneut-milliardenverlust-ein;2542393

Die Schiffsfinanzierung drückt die angeschlagene HSH Nordbank erneut tief ins Minus. Nach Informationen des Handelsblatts wird das Institut für das vergangene Jahr einen Verlust von einer Milliarde Euro ausweisen. Mit schwarzen Zahlen rechnet die Führung der Landesbank nicht vor 2011 – und selbst das scheint alles andere als sicher.

Das kann sich kein Bäcker leisten, kein Bauer, kein Klempner und kein Elektriker: rote Zahlen schreiben und dicke Bonuszahlungen auf das Luxusgehalt drauflegen. Die können sich bei roten Zahlen noch nicht mal Butter leisten, geschweige denn ein großes Gehalt. Ist Ebbe in der Kasse, hat der König sein Recht verloren - einfache Bauernweisheit.

Keine Kuh, keine Milch, so einfach ist das ... allerdings nicht in der Welt der Großbanken. Dort herrschen andere, scheinbar kompliziertere Gesetze, die für ganz normal-menschlichen Überlegungen
viel zu hoch sind. Erstmal ganz viel Milch ... und ob man eine Kuh hat, das wird man dann später sehen.

Gilt nicht nur für Nonnenbacher sondern für den ganzen Verein:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/trotz-milliardenverlust-hsh-nordbank-schuettet-boni-aus;2536414

Jeder deutsche Mitarbeiter unterhalb der Ebene der Bereichsleiter soll ein halbes Monatsgehalt als Überstundenvergütung bekommen. Ein weiteres halbes Gehalt sollen Mitarbeiter bekommen, die „vor allem an Restrukturierungsthemen gearbeitet haben“, wie Personalchef Stefan Brügmann am Donnerstag in Hamburg sagte. Es handele sich „um eine größere Anzahl von Mitarbeitern“, sagte er.

Mit der Milch führt man dann auch erstmal Wirtschaftskrieg gegen die Bauern bzw. gegen das ganze Volk, dessen Geld man für die Erzielung von Traumrenditen dringend braucht. Da gibt man dann schnell die Losung aus "Leistung muß sich wieder lohnen", demonstriert aber selber nebenbei, das man mit Minuswachstum und Pleitebanken auch ganz schön reich werden kann ... reicher, als ein Bauer es je werden könnte - auch nicht, wenn seine Äcker Bauland werden.

Aber nicht nur die Banken hängen am staatlichen Tropf. Die gesamte Wirtschaft - deren Aufgabe es eigentlich ist, Geld in die Kassen zu spülen - giert nach staatlichen Leistungen:

http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,681973,00.html

Deutschland droht die Rückkehr eines alten Leidens: Die ungehemmte Ausbreitung staatlicher Finanzhilfen für die Wirtschaft. Die Subventionitis ließ die Transferzahlungen im vergangenen Jahr bereits enorm ansteigen. Und mit der Krise als Argumentationsverstärker werden immer neue Forderungen laut.

Konkrete Zahlen zu den Subventionen sucht man vergebens ... oder sagen wir: fast vergebens. Vieles wird an allen Ecken und Enden versteckt und auf diverse Haushalte und Budgets verteilt, so daß die Horrorsumme erst gar nicht an die Öffentlichkeit kommt - denn das, was das Manager-Magazin schon als unhaltbar beklagt, ist nur die Spitze des Eisberges:

Die staatlichen Subventionen insgesamt stiegen damit 2009 auf 29,5 Milliarden Euro. Der - laut Bundesregierung zum Großteil krisenbedingte - Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug also etwa sechs Milliarden Euro oder 26 Prozent.

Laut "STERN" gibt es da allerdings ganz andere Dimensionen, an die man sich schon längst gewöhnt hat:

http://www.stern.de/wirtschaft/geld/hintergrund-staatliche-subventionen-in-deutschland-513761.html

150 Milliarden Euro jährliche Subventionen
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft nennt eine jährliche Subventionssumme in Deutschland von insgesamt 150 Milliarden Euro. Das Bundesfinanzministerium hat für 2002 knapp 58 Milliarden errechnet: für Bund, Länder, Gemeinden sowie Fördermitteln der EU und des ERP (European Recovery Program). Den Höchststand laut Ministerium erreichten die Zuwendungen im Jahr 1997 mit 60,3 Milliarden Euro.

Vergleichbare Summen hatte schon mal das IWF vorgelegt (wir berichteten).

150 Milliarden Euro Subventionen ... von denen indirekt 5000 Lobbyisten in Berlin bezahlt werden, die dafür Sorge tragen, das ja niemand an diesen Subventionen kratzt.

Hartz IV, der so oft öffentlich angeprangerte Kostentreiber kostet inklusive der dümmlichen Pseudofortbildungen, die zur Statistikbereicherung und Pseudobeschäftigung sowie zur Bereicherung von Parteifreunden gefahren werden nur einen Bruchteil dieser Summe:

http://www.bafoeg-aktuell.de/News/2009/08/13/hartz-iv-wird-2010-teurer-fuer-den-staat/

Laut IfW ist schon 2009 ein teueres Jahr für den Bund, doch 2010 wird das Volumen der Leistungen bei Hartz IV nochmals drastisch ansteigen, wenn sich die derzeitigen Entwicklungen bestätigen sollten. 2009 belaufen sich die Kosten für Hartz IV 37,7 Milliarden, doch im kommenden Jahr klettern diese Ausgaben fast um weitere sieben Milliarden Euro an.

Streichen wir die Subventionen für Betriebe, dann können wir Hartz IV verdreifachen (aber bitte nicht die "Eingliederungsmaßnahmen", da sehe ich die Jungs lieber in der Eckkneipe diskutieren, das ist würdevoller als Kinderbilder malen) und haben noch einiges übrig.

Heiner Geisler hatte doch recht: dieses Land ist noch sehr reich. Es wird nur falsch verteilt. 80 Milliarden Euro neue Schulden ... hätten wir nicht wirklich gebraucht. Nicht wegen Hartz IV, aber vielleicht wegend der 100 Milliarden für die HRE, die weder in der Rechnung des Manager-Magazins noch in der des Stern auftauchen ... also noch irgendwo ganz anders verbucht sind und draufgerechnet werden müßten.

Aber das Hartz-IV-Abhängige umsonst arbeiten gehen wird unser Land retten. Das ist Wirtschaftspolitik für Karnevalisten. Bringt nicht einen Euro aber viel Hellau.

Letztlich ... aber da wird es schon sehr kompliziert ... verschuldet sich der Staat, damit der Ackermann seine Rendite einfahren kann. Irgendwie bescheuert, oder? Aber dafür, das das läuft, sorgt dann schon der Lobbyist. Leise und heimlich. Ebenso wie in der Gesundheitspolitik, wo der gleiche Tango wie seit Jahrzehnten läuft:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,682369,00.html

Die Arzneimittelhersteller sehen sich ungerecht behandelt: Sie lehnen Röslers Idee eines neuen Preissystems ab - und schieben die Schuld für steigende Kosten im Gesundheitssystem Ärzten und Krankenhäusern zu.

Die verbraten dort ein Vielfaches der Kosten der Arbeitslosigkeit, produzieren Zehntausende von Toten durch Ärztepfusch, Klinikinfektionen und unerwünschte Nebenwirkungen und schaffen es, das Sozialbudget von Jahr zu Jahr noch weiter auszuplündern, was die Presse dann gerne wieder den Arbeitslosen anlastet, weil die ja keine großformatigen Anzeigen schalten.

Das System insgesamt ist so verrottet, das jedem wirtschaftlich denkenden Menschen die Haare zu Berge stehen müßten. Würde ein Hartz-IV-Abhängiger so wirtschaften, würde er schon nach drei Wochen verhungert sein. Aber als Manager und Politiker kann man sich andere Wirtschaftsgesetze erlauben...jedenfalls, solange man sich gegenseitig noch Geld leihen kann.