szmmctag

Archiv der Einträge: 18 Februar, 2010
  • Westerwelle will Löhne kürzen! Rettet Hartz IV!

    Es ist peinlich für dieses Land. Ein Deppendiskussion sondergleichen. Gäbe es einen Preis für Blödheit, so würden wir keine Konkurrenz fürchten müssen.

    Und wer ist das Schuld?

    Die Note "Sonstige Mitarbeit". Da bin ich mir ganz sicher. Darüber kann jede Dumpfbacke seinen und ihren Notenspiegel durch flotte Sprüche und Augenaufschlag deutlich nach oben korrigieren, was aber letztlich dazu führt, das alle höchsten noch bei DSDS eine reelle Chance auf Erfolg haben - und ansonsten bei der ARGE die Sitze wärmen. Na ja, wenigstens etwas, da hat dann der Behinderte später einen warmen Sitzplatz. Da bekommt das Leben gleich wieder einen Sinn. Wartesaalsitzplatzheizer. Ein Beruf mit Zukunft.

    Hartz IV spaltet das Land.

    "Bloß nicht die Regelsätze erhöhen, dann droht der Untergang!" ... so fürchten sich alle, die noch Grund zum fürchten haben. Die anderen wissen, das Hartz IV ihre Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft sein wird, auch wenn manche von ihnen jetzt noch hochgefeierte Leistungsträger mit sechzig-Stunden-Woche sind.

    Auf der anderen Seite Menschen, die sich fragen: hat das Verfassungsgericht nicht irgendwie ... was anderes gemeint? Es gab da doch auch eine Klage, der ... stattgegeben wurde, oder?

    Nur das Manager-Magazin bleibt da nüchtern.

    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,678574,00.html

    Guido Westerwelle mahnte auch beim politischen Aschermittwoch das Lohnabstandsgebot an - völlig zu Recht. Die Lohnentwicklung der vergangenen Jahre ist ernüchternd. Allerdings haben die Hartz-Gesetze daran auch ihren Anteil. Wissenschaftler warnen: Eine Senkung der Hilfssätze könnte so weiteren Druck auf alle Einkommen ausüben.

    Schön zu sehen, das in diesem Land noch nicht alle Intelligenz ausgewandert ist. Noch nicht. In zehn Jahren wird die Kompetenz zum Verfassen und Verstehen solcher Artikel völlig verloren sein, dann geht es in den Medien nur noch um Shopping, Musik, Reise, Liebe und Unterhaltung durch Auto, Film und Handy.

    Schöne Welt dann ... die leider nur keiner mehr bezahlen will. Wo das endet ... wissen all diejenigen, die an den Ameranger Gesprächen teilnehmen.

    Dabei geht es den deutschen Arbeitslosen schon schlecht. Nicht nur denen, aber die anderen haben ja noch Arbeit, die sollen mal schön ruhig sein. Für 1,50 Euro in der Stunde Haare schneiden dürfen ist ein Privileg, das nicht jedem zusteht. Und deshalb ... muß Hartz IV auch nochmal gesenkt werden. (Nochmal? Ja, es gab da eine Mehrwertsteuererhöhung ... die in dieser Einkommensklasse einer Kürzung gleichkommt ...)

    Nun dreht sich die Debatte um ein Prinzip, an dem lustigerweise niemand rüttelt: das Lohnabstandsgebot. Das steht zwar nirgends geschrieben, aber alle Parteien sind sich einig, dass Löhne höher liegen müssen als Hilfszahlungen des Staates. Deshalb, so Westerwelle, müssten die Hartz-Sätze alsbald nach unten angepasst werden.

    Und um das zu erreichen, schwappt die Westerwelle durch das Land und will die Friseusen gegen die Ein-Euro-Jobber aufhetzen. Es geht immerhin um einen Abstand von 50 Cent die Stunde. Dafür würde sich Westerwelle noch nicht mal bücken.

    Das Aufhetzen klappt nur nicht ganz so gut, weil ... die alle noch eine funktionierende Erinnerung haben:

    Das damals neue Drohszenario für Arbeitslose, die keine neue Stelle finden, blieb nicht ohne Wirkung: Die kürzere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I, die verschärften Zumutbarkeitskriterien bei Stellenangeboten und der Zwang, Ersparnissse fürs Alter aufzulösen, bevor die Hartz-IV-Gelder für Langzeitarbeitslose gezahlt werden, hat bei vielen Arbeitnehmern die Bereitschaft erhöht, für weniger Geld zu arbeiten.

    Ja, Hartz IV hat in erster Linie den Arbeitenden viel Geld gekostet. Und darum ... wird die weitere Kürzung von Hartz IV noch mehr kosten, weil dann 1,50 Euro die Stunde schon ganz schön viel sind - im Vergleich zu Hartz V.

    So was nennt man eine Abwärtsspirale. In der befinden wir uns aber schon länger.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article6449815/Deutsche-Arbeitslose-bei-den-Verlierern-in-der-EU.html

    Eine Studie der OECD kommt zu einem brisanten Ergebnis. Danach stehen deutsche Langzeitarbeitslose im europäischen Vergleich finanziell eher schlecht da. In der Studie landet Deutschland auf Platz 14 aller 29 OECD-Länder. Trotz der geringen Sozialleistungen sei der Anreiz zur Arbeitsaufnahme gering.

    Ob man in diesem Land arbeitet oder nicht, ist eigentlich egal: man hat halt schon seit zwanzig Jahren nichts mehr davon. Aber ist stolzer Zahlmeister der EU, kann Konzerne und Hotels subventionieren ohne Ende.

    Nur Leben ... kann man hier nicht mehr. Deshalb flüchten die, die noch können. Und wer bleiben muß ... guckt in die Röhre:

    Die Ausweitung der Niedriglöhne betrifft letztlich alle. Denn in der jüngsten Boomphase mussten auch die oberen drei Einkommensviertel real Einbußen hinnehmen - auch die mittleren Einkommen. So überrascht es kaum, dass die Realeinkommen auch 2009 wieder gefallen sind, und zwar um 0,8 Prozent. Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in Düsseldorf war es das sechste Verlustjahr in Folge.

    Boom und Nichtboom ... das ist keine Frage. Auf jeden Fall gibt es für Arbeit immer weniger Geld - und für Arbeitslosigkeit erst recht.

    Aber ... man hat ja noch jemand entdeckt, bei dem man sparen kann:

    Arbeitslose mit Kindern stehen immer noch besser da als im EU-Durchschnitt. Das wird man jetzt schnellstens ändern und das paßt auch in die Zeit: jetzt, wo das Verfassungsgericht wegen der schlechten Behandlung der Kinder eine Neuberechnung verlangt hat, könnte man den blöden Blagen doch einfach mal gar nichts mehr zahlen! Sollen die doch sehen, wo die bleiben! In der Elfenbeinküste kann man so ein Gesochse doch für 20 Euro kaufen....und die arbeiten dann erstmal lebenslänglich umsonst. Schade nur, das die nicht so lange leben, sonst wäre das ein Supergeschäft.

    Wie wäre es eigentlich mal mit einer fünfzigprozentigen Diätenkürzung? Und einem Grundsteuersatz von 90 % auf Kapitalerträge? Gerne auch verbunden mit einer neuen Währung. Sollen die Asozialen ihre Teuroberge behalten, wir führen den TALER wieder ein. Asozial ... ist schon gar kein Ausdruck mehr für das, was hier von manchen kranken Politiker- und Schreiberlinghirnen ausgeschissen wird.

    Widerwärtiger, wahnhafter Fanatismus ... das beschreibt die neudeutsche Medienmeinungswelt recht gut.
    Leider muß man bis in die USA fahren, um noch eine so freie Meinung hören zu können.

    Na ja - machen ja auch viele. Und bleiben gleich da.

    Die die hierbleiben müssen ... sollten sich mal gut überlegen, ob sie mit Westerwelle krähen ... oder lieber auf den eigenen Lohnzettel schauen. Denn auch da will Westerwelle kleine Zahlen sehen: beim Netto.
    Es sei denn, man hat ein Hotel.

  • Bundeswehr und Polizei an die Macht! Die Elite sichert sich ab.

    Eine Umfrage der internationalen Drogenhändlervereinigung hat ergeben, das Drogenhändler ein hohes Vertrauen bei der Bevölkerung genießen, gleiches gilt nach einer Umfrage des Bundes deutscher Bankräuber für Bankräuber, besonders im Krisenjahr 2009 ist ihr Ansehen enorm gestiegen, auch wenn die Erträge mangels leerer Bankenkassen eher mau waren. Ebenso genießt die Bundeswehr nach einer Umfrage der Bundeswehr ein enorm hohes Vertrauen innerhalb der Bevölkerung.

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6439447/Warum-die-Deutschen-Armee-und-Polizei-vertrauen.html

    Polizei, Bundesverfassungsgericht und Bundeswehr ? diesen Institutionen vertrauen die Deutschen laut einer Umfrage am meisten. Weit vor den Kirchen und der Politik. Für die Menschen sind Taten eben wichtiger als Worte. Gerade die politisch Verantwortlichen sollten dies als Aufforderung verstehen.

    Befragt wurden fünf Soldaten nach einer Sauftour durch Bielefeld. Oder so. Auf jeden Fall findet sich ein Mietstift, der aus dieser Umfrage gleich den Ruf nach einer Militärdiktatur macht:

    Die Bundesbürger haben nichts gegen Rede und Gegenrede. Sie haben etwas gegen Institutionen, deren Vertreter den Eindruck erwecken, als verbrächten sie ihre Arbeitszeit hauptsächlich damit, tausend Sonderwünschen von hundert Leuten gerecht zu werden, die ohne ersichtlichen Grund mitreden wollen und sich dabei ständig ins Wort fallen. Polizisten, Verfassungsrichter und Soldaten gelten als diejenigen, die das Chaos dann wieder in Ordnung bringen sollen.

    Man glaubt es ja nicht, welche Verheerungen ein Sinologiestudium so anrichten kann, aber ... was will man von einem Autor erwarten, dessen Talente eigentlich auf einem ganz anderen Gebiet liegen:

    http://www.123people.de/ext/frm?ti=personensuche%20telefonbuch&search_term=torsten%20krauel&search_country=DE&st=suche%20nach%20personen&target_url=http%3A%2F%2Flrd.yahooapis.com%2F_ylc%3DX3oDMTVnM2U1bWVvBF9TAzIwMjMxNTI3MDIEYXBwaWQDc1k3Wlo2clYzNEhSZm5ZdGVmcmkzRUx4VG5makpERG5QOWVKV1NGSkJHcTJ1V1dFa0xVdm5IYnNBeUNyVkd5Y2REVElUX2tlBGNsaWVudANib3NzBHNlcnZpY2UDQk9TUwRzbGsDdGl0bGUEc3JjcHZpZANJYXFuNG1LSWNycDlJQ1JPdVNfeHoyc3pXODV4YWt0MXpjTUFDU1F3%2FSIG%3D11m05q7ed%2F**http%253A%2F%2Fwww.stumpfeldt.de%2Fhcn.nf%2F0458B15092009.pdf&section=document&wrt_id=254

    Der letzte Artikel von Torsten Krauel, den ich zu Gesicht bekam, hatte die Überschrift "Schleswig-Holstein, du dräuende Schönheit". Er scheint also nach Hamburg zurückgekehrt zu sein. Eine Art Psychogramm der politischen Gestimmtheiten dieses Bundeslandes ist dieser Artikel, und wer einmal sehen will, wie dicht journalistisches Schreiben bei einem Könner geraten kann, der braucht nur den ersten Absatz zu studieren.

    Dräuende Schönheit schlägt einem bei diesem Welt-Artikel eigentlich nicht entgegen, aber da bei den Ameranger Gesprächen ist ja auch sein Chef anwesend, der Vorstandsvorsitzende des Springer-Verlages,
    Mathias Döpfner. Da muß man dann etwas ... Anderes erwarten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mathias_D%C3%B6pfner

    Ein wunderbarer Mensch, der Herr Döpfner. Schaue ich mir seine Werke an, dann weiß ich: dort ist ein Mensch, der tief in der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit verankert ist, er kann seinem
    Torsten sagen, wo die Realität dräut:

    Mathias O. C. Döpfner, Thomas Garms: Neue Deutsche Welle. Kunst oder Mode? Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1984, ISBN 3-548-36505-1 (Ullstein-Buch, 36505; Populäre Kultur)
    Mathias O. C. Döpfner, Thomas Garms: Erotik in der Musik. Frankfurt/Main; Berlin: Ullstein, 1986, 208 Seiten, ISBN 3-548-36517-5 (Ullstein-Buch, 36517; Populäre Kultur)
    Mathias O. C. Döpfner: Musikkritik in Deutschland nach 1945. Inhaltliche und formale Tendenzen; eine kritische Analyse.

    Werke, ohne die die deutsche Kultur arm geblieben wäre.

    Ach ja ... und er hat gut geheiratet:

    Mathias Döpfner und seine Ehefrau Ulrike, geborene Weiß - Tochter des ehemaligen Vorstandes der Deutsche Bank Ulrich Weiß - leben am Heiliger See in Potsdam und haben drei Söhne.... und ist in den USA sehr beliebt.

    2008 Global Leadership Award des Amerikanischen Instituts für zeitgenössische deutsche Studien New York
    2007 Leo-Baeck-Medaille des Leo-Baeck-Institute New York

    Außerdem verkehrt er in einem sehr illustren Kreis:

    Er ist wiederholter Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz.

    Für den STERN ist er ein Beispiel, wie in Deutschland Macht verteilt wird:

    http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/karriere/4-bildungssystem-das-maerchen-von-der-chancengleichheit-510485.html

    Zum Beispiel für Mathias Döpfner, Musikwissenschaftler, Sohn eines Architekturprofessors, aufgewachsen in Frankfurt und Boston und verheiratet mit der Tochter eines ehemaligen Vorstandes der Deutschen Bank. Er gilt als unübertroffen im Repräsentieren. Er stieg auf von einem Flop zum nächsten: Zuerst machte der Verlag Gruner + Jahr (stern, "Brigitte") ihn zum Chefredakteur der "Wochenpost", die er nach seinen Vorstellungen umgestaltete. Sie verlor Auflage, musste verkauft und kurz darauf eingestellt werden. Dann wurde er Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost", die er umgestaltete. Sie verlor Auflage und wurde verkauft. Sein nächster Job war Chefredakteur der "Welt", die er umgestaltete. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er sie später mit der "Berliner Morgenpost" zwangsfusioniert. Schon eines dieser Ergebnisse würde normalerweise jede Karriere ruinieren. Döpfner wurde 2002 Vorstandsvorsitzender des Verlages Axel Springer ("Bild", "Welt"). Er gilt in der Branche als Protegé der mächtigen Verlegerwitwe Friede Springer, die vor allem vom Auftreten Döpfners hingerissen sein soll.

    Der Mann gab sich alle Mühe, zu versagen. Aber das ist das harte Schicksal der Oberschicht: es geht einfach nicht nach unten. Und das gleiche gilt für den Rest der Republik in anderer Richtung.

    Es war einmal eine Gesellschaft, die glaubte: Wer tüchtig ist, kann es nach ganz oben schaffen. Sogar Arbeiterkinder. Neue Studien enthüllen den Selbstbetrug der Deutschen: Noch immer ist die Elite eine geschlossene Gesellschaft. Eines der wichtigsten politischen Ziele der Nachkriegsgeschichte wurde verfehlt.

    Das hat, nebenbei bemerkt, auch sehr unangenehme Konsequenzen, über die heutzutage aber nicht mehr gerne gesprochen wird.

    Wenn das stimmt, wird zumindest die Wirtschaft in Deutschland nicht von den Besten geführt, sondern vom Nachwuchs der obersten Kaste. "Genau so ist es", sagt Hartmann. "Die so genannte Leistungselite ist ein Mythos, eine Illusion."

    Aber teuer ist diese Illusion schon ... und in Zeiten knapper Kassen muß man sich drauf vorbereiten, das wieder Leistung gefragt wird - und nicht Abstammung. Dann so langsam ist der Wohlstand, den Papa aufgebaut hat, aufgebraucht, die wirtschaftliche Dynamik erlahmt durch die lahme Erbengeneration.

    Da hilft nur eins: Polizei und Bundeswehr müssen ins Boot.

    Torsten, sagt da der Mathias, schreib doch mal einen Kommentar dazu.

    Und der ... schon lange nichts mehr zu Papier gebracht ... ist erstmal völlig überfordert. Und kriegt dann sogar noch diesen Satz hin:

    Von Mitmenschen in hohen Ämtern ist jahrelang der unsinnige Satz verbreitet worden, Gebäude der Demokratie hätten möglichst viele gläserne Wände zu haben, um transparent zu sein. Durchsichtig im Sinne von nachvollziehbar aber sollen nicht die Gebäude sein, sondern die Argumente derer, die in diesen Gebäuden debattieren. Der beste Plenarsaal ist fensterlos, hält aber harte Sanktionen für Schwafler, Ableser und Zwischenrufer bereit.

    "Lieber Torsten: das Gebäude der Demokratie, so dräut es mir, scheint sinnbildlich gemeint zu sein. Es wurde nie ein Glaspalast verlangt. Mit freundlichen Grüßen: Dein Eifelphilosoph".

    Das hätte ich mal so als sein Chefredakteuer geschrieben, um mir Spott und Hohn zu ersparen. Doch darum ... geht es ja gar nicht.

    Es geht darum, Volk, Polizei und Bundeswehr in Stellung gegen das Parlament zu bringen. Irgendwie. Der blöde Leser wird es schon nicht merken. "Harte Sanktionen" ... da wird dann wohl scharf geschossen. Selten so deutlich einen Aufruf zur Gewalt gegen Parlamentarier gelesen. Mir dräut: die scheinen langsam Panik zu kriegen, die Schöngeister dieses Landes.

    Und so merken wir nebenbei, wie die Bilderberger über die Ameranger Gespräche und die WELT versuchen, die Macht in Deutschland zugunsten einer korrupten und unfähigen Elite zu erhalten, die letztlich deutsche Soldaten zu US-Söldnern degradiert und in Afghanistan verheizt, während die unterbezahlten Polizisten mit Schichtdienst und vierzig-Stunden-Woche ihre Köpfe für die anwachsende Ungerechtigkeit der letzten Jahrzehnte hinhalten.

    Ganz schön kompliziert, oder?

    Aber wäre das nicht so - der Spuk wäre schon längst vorbei, das Paradies wäre Alltag. Und Torsten und Mathias könnten sich wieder der Erotik in der Musik widmen, während Macher mit Herz und Verstand das Land aus dem Abgrund zurückholen, in dem es unaufhaltsam versinkt.

    Aber ... dann hätte ich ja gar keinen Grund mehr zu schreiben...und mich zu amüsieren über die Auswüchse der Generation Doof.

  • Armutsindustrie, Nachrichtenterror und öffentliche Verschwörungen

    Heute Morgen wollte ich mal die Stimmungslage zum aktuellen Armutsbericht durchgehen. Ich dachte mir: mal schauen, was die Pressewelt darüber heute so hergibt.

    Das Ergebnis war ... ich kanns gar nicht in Worte fassen. Rasant steigende Armut in Deutschland gestern ... Friedhofsruhe heute. Es scheint, die Journallie hofft dieses Jahr geschlossen auf eine Einladung zum Bundespresseball. Nur Bürger Olli fand ein Wort dazu:

    Wir werden schneller dritte Welt als China nach oben kommt.

    Ja, es scheint so. Und keinen interessierts.

    Na, was soll auch noch die Nachricht, das die Zukunft unserer Kinder völlig schwarz aussieht und sie alle für Hartz IX (das sind Lebensmittelgutscheine plus eingeschränkte Krankenversicherung plus Unterkunft in alten Bundeswehrkasernen, dafür gibt es aber in China hergestellte Einheitskleidung in der modischen Farbe blau; Muster kann man in alten chinesischen Geschichtsbüchern schon mal jetzt anschauen) umsonst die Schulden der letzten Regierungen abarbeiten dürfen.

    Es gibt ja Wichtigeres im Land.

    Die Westerwelle ebt nicht ab, irgendwelche Rodler haben gerodelt, Axa friert seinen Immobilienfonds weiter ein, Dresden war nazifrei, Lidl tötet mit Käse ist aber für Mindestlohn für die Überlebenden,
    und die Zahl der selbstanzeigenden Steuersünder wächst kontinuierlich weiter. Schöner Trick übrigens, das mit der CD. Die braucht man gar nicht kaufen. Man muß nur so tun als ob, dann kommen die feigen Ratten schon aus ihren Löchern. Sehr preiswert.

    Nur ... die Leser des Managermagazin halten einen Artikel weiter am Leben, den auch ich innenpolitisch für einen der Wichtigsten der letzten zwölf Monate halte. Wenigstens dort scheint noch ein bischen Interesse an der außermedialen Realität zu sein, dort ist man resistent gegen den alltäglichen Nachrichtenterror.

    Aus dem Artikel habe ich gestern schon zitiert:

    http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,667897,00.html

    Die ersten Worte weisen auf den vierten "Ameranger Disput" 2009 hin. Der Ameranger Disput ist eine Veranstaltung der Ernst-Freiberger-Stiftung. Wer ist nun Ernst Freiberger?

    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/art271,2201763

    Heute ist Ernst Freiberger 56 Jahre alt, in zweiter Ehe verheiratet und Vater von vier Kindern. Ein gemachter Mann. Kaum jemand sonst hat in den letzten Jahrzehnten in Berlin so erfolgreich Geschäfte gemacht wie er. „Und dabei habe ich nie irgendwo eine Lehre gemacht.“

    Während des Studiums betrieb er einen Minigolfplatz und arbeitete als Vertreter der Allianz Versicherung. „Heute sitze ich im Aufsichtsrat der Allianz.“

    Der junge Freiberger, der von den mit Eis zu Wohlstand gekommenen Eltern zum Abitur einen Porsche geschenkt bekommen hatte, arbeitete hart. Jeden Morgen um halb sechs machte er sich auf den Weg vom Nollendorfplatz, „wo ich möbliert wohnte“, in die Fabrik nach Moabit. Mit einem Ford Escort.

    Man fragt sich: wo ist eigentlich der Porsche geblieben? Nichts gegen Ford Escort, aber ...

    Für die Jugend hat Freiberger einen aufmunternden Satz als vorläufige Quintessenz seines Unternehmerlebens parat: „Gründerzeit ist immer.“

    Er hat viel Geld gemacht, ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewußt und kümmert sich um den Nächsten mit einer Stiftung. Die wiederum hat Denkmäler, Altenheime und ... den Austausch gewisser Kreise der Gesellschaft zum Ziel. Und das geschieht im Amgeranger Disput. Kein Wunder, denn der Ernst hat da ein gewisses Talent: Freiberger, nach Einschätzung seines Sohnes „ein guter Kontakter“, wurde immer erfolgreicher.

    Ein guter Kontakter aus reichem Elternhaus konnte schon immer die Leute zusammenbringen. Warum sollte das Ernst nicht können.

    Der Ameranger Disput allerdings ... fand nur viermal statt. Auffällig ... und seltsam.

    Das erste Mal 2001:

    http://freiberger-stiftung.de/de/engagement/disput_arbeitslosigkeit.php

    Lösungsvorschläge des Ameranger Disputs auf der Basis einer umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchung des IWG BONN nehmen bereits 2001 Kernelemente der Hartz-Reformen vorweg: Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, Verbesserung der Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln, Aufwertung personenbezogener Dienstleistungen, die Erschließung eines Niedriglohnsektors oder die überfällige Reform der sozialen Sicherungssysteme.

    Das wurde dann ja durchgezogen. Und dann ... war auf einmal Ruhe. Bis 2007. Dann ging es um ... Religion:

    Gewöhnlich wird gesagt, Religion an sich sei gut, sie sei ein „Segen“. Religion aber in der Ausübung durch die Gläubigen sei politisch missbraucht, korrumpiert und ökonomischen wie psychosozialen Interessen unterworfen, und so werde sie zum „Fluch“. Doch ist angesichts der bekannten Geschichte der Religionen diese simple Aufspaltung haltbar? Haben Religionen Potentiale, die destruktiv sind und Gewaltbereitschaft fördern?

    Arbeitslosigkeit und Religion hängen nun mal eng zusammen. Religion ist Opium fürs Volk ... obwohl sich ihr Potential damit nicht erschöpft, kann sie diese Funktion locker erfüllen. Aber hat die Welt keine anderen Probleme im Jahre 2007? Und warum war fünf Jahre lang Ruhe mit dem Disput? Brauchte man nicht mehr miteinander Reden, nachdem der Agenda 2010-Putsch so erfolgreich war? Warum auf einmal ... Religion?

    Nun ... Religion kann Mächtigen sehr gefährlich werden. Gerade, wenn sich Ungerechtigkeit breit macht und die Gesellschaft zerbricht. Da muß man sich mal wieder treffen.

    2009 sogar gleich zweimal. Die Zeit scheint zu drängen. Ansonsten viel beschäftigte Menschen haben nichts anderes zu tun als unter der Schirmherrschaft von Roman Herzog über scheinbar absolut nebensächliche Themen zu reden.

    Erstmal ... Familie und Liebe:

    3. Ameranger Disput 2009: Familie und Liebe
    Familie ist für den überwiegenden Teil der Menschen das Wichtigste in ihrem Leben. Der Wunsch nach Familie, Liebe und Geborgenheit steht im Mittelpunkt der meisten Lebensplanungen. Familie ist zeitgemäß. Aber die Rahmenbedingungen, die dieser Institution im 21. Jahrhundert zugemutet werden, sind es nicht mehr. Der demographische und soziale Wandel der Gesellschaft verändert das familiäre Zusammenleben dramatisch. Wie entwickelt sich die Familie in Deutschland und im internationalen Vergleich?

    Nun, der Rückzug ins Private ist für viele Menschen momentan die letzte Flucht vor einer grausamen Wirklichkeit. Und dort ... sollen sie ja jetzt auch ihr Glück finden, wie der vierte Disput - ebenfalls im Krisenjahr 2009 - zeigt:

    4. Ameranger Disput 2009: Weniger Wohlstand – und doch zufrieden?
    In den westlichen Industrieländern hängen die individuelle Zufriedenheit der Menschen und ihr jeweiliger gesellschaftlicher Status entscheidend von der Mehrung ihres materiellen Wohlstands ab. Voraussetzung ist ein immerwährendes Wirtschaftswachstum. Doch wie entwickelt sich individuelle Zufriedenheit, wenn das Wachstum dauerhaft stagniert oder in der Folge globaler Krisen sogar drastisch einbricht?

    Ich möchte hier niemanden etwas unterstellen, aber mal drauf hinweisen, das diese Vortragsreihe eine sehr merkwürdige "innere Linie" hat.

    Der Putsch, der Umbau der Gesellschaft ... und Maßnahmen zur Ruhigstellung derselben.

    Zufall? Kann ich von hier aus nicht beurteilen. Vor allem mag ich Menschen, die alte Bausubstanz vor dem Verfall retten. Und Tiefkühlpizza mag ich ebenfalls, insofern bereichert der Herr Freiberger meinen Alltag enorm. Außerdem hat er ja ein Bundesverdienstkreuz und gut am Bau des Innenministeriums verdient.

    Roman Herzog nun, der Schirmherr jener illustren Gesellschaft aus Versicherungen, Chemieindustrie, Medien und Politik ist den Älteren unter uns ja bekannt durch eine neue Wortschöpfung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Herzog

    Aufruhr erzeugte Herzogs folgende Interviewäußerung gegenüber der "Bild": „Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern“. Oswald Metzger und Meinhard Miegel nahmen darauf in "Bild" und "Die Welt" Bezug und unterstützten Herzog.

    Oswald Metzger ... hier ebenfalls Wikipedia ... ist ja auch bekannt:

    Für Wirbel sorgte Metzger mit seiner in diesem Zusammenhang erfolgten Äußerung, dass viele Sozialhilfeempfänger ihren Lebenssinn darin sähen, „Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen.“

    Und Meinhard Miegel? Der Vorkämpfer für Rentner-Hartz IV.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Meinhard_Miegel

    Er plädiert für die Umwandlung der lohnbezogenen gesetzlichen Rente in eine allgemeine, steuerfinanzierte Grundsicherung im Alter, die durch private Vorsorge zu ergänzen ist. [2]

    Und er ist noch mehr:

    Seit 2007 ist Miegel Vorstand des Denkwerks Zukunft – Stiftung kulturelle Erneuerung und seit 2008 wissenschaftlicher Leiter des Ameranger Disputs der Ernst-Freiberger-Stiftung

    Also ... Ameranger Disput, momentan ganz eilig - und mit ganz düsteren Lösungen für ganz düstere Zukünfte.
    Aber schon 2005 haben sie sich durchgesetzt.

    Dann schauen wir uns doch - nochmal - unsere Zukunft genauer an:

    Nullwachstum - das bedeutet düstere Aussichten für Deutschlands Zukunft. Ein Heer von Geringverdienern in Dienstleistungsjobs, die zusätzlich staatliche Stütze brauchen. Massenhaft Alte, die von ihren Renten nicht leben können. Immer weniger Mittelstand mit ordentlichem Einkommen, der all diese Sozialleistungen finanzieren muss. Und die gut ausgebildeten Jungen verlassen in Scharen das Land, um andernorts ihr Glück zu machen.

    Wir werden ein Volk von Leuten, die sich gegenseitig auf Hartz IV-Niveau Hamburger servieren ... Rollstuhlfahrer eingeschlossen.

    Tolle Zukunft.

    Aber es wundert mich nicht, das die Medien die rasant wachsende Armut in Deutschland nicht weiter verfolgen. Der Bürger soll mit seiner Familie vor dem Fernseher sitzen und einen Superstar suchen, während andere ... seine Zukunft organisieren. Und von Religion soll er mal besser die Finger lassen, nachher stößt er noch auf die Theologie der Befreiung, das könnte ihn ja ganz durcheinander bringen.

    Ach ja ... und nicht vergessen: Verschwörungen gibt es nicht. Im Lande der Dichter und Denker kann man die inzwischen ganz offen veranstalten, denn der Bürger hat sich daran gewöhnt auf ihr Vorhandensein zu reagieren wie auf die Nachricht, das die Erde eine Kugel sei:

    "Glaub´ ich nicht dran" ... und schon hat er wieder Zeit für Fußball, DSDS, Rodeln und Medallien - die natürlich andere kriegen.

    So wird vor unser aller Augen die Zukunft unserer Kinder (und unsere Rente) verbrannt....und wir machen alle mit. Toll, nicht wahr?

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