Viele Gedanken muß man sich derzeit um das Böse machen. Der amerikanische Friedensnobelpreisträgerpräsident hat es in der Welt ausgemacht. Vorbei die Zeiten, wo man sich dem Judentum anschließen konnte und meinen: das Böse gibt es nicht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_B%C3%B6se
Wichtiges Unterscheidungskriterium des Judentums ist es hier, dass nichts als das personifizierte Böse betrachtet und gelehrt wird, es gibt keinen "Teufel" in der jüdischen normativen Tradition, siehe auch Satan.
Schlimm wird es, wenn man Kant folgt, denn dann ... gibt es Weltkrieg zur Ausrottung der Menschheit:
Das Böse sei dem menschlichen Wesen innewohnend und wesentlich (vgl. Immanenz) postuliert Immanuel Kant 1793 in seiner religionsphilosophischen Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“.
Der eher pragmatische Spinoza sieht das anders:
Benedict de Spinoza kennzeichnete das Böse in seinem Werk „Ethica ordine geometrico demonstrata” (deutsch: „Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt”) als individuelle Kategorie: das was die Selbstbehauptung des Einzelnen hemme, nenne der Betreffende „böse” (entsprechend umgekehrt gilt dies ihm zufolge ebenso für den Begriff „gut”).
Also: böse ist, was die Rendite hemmt, könnte man neudeutsch sagen. Insofern wäre Krieg gut, denn er ist für die Rendite einfach wunderbar. Frieden wäre dann böse.
Was für ein Unsinn wird jetzt jeder sagen: wenn überhaupt, dann ist Frieden gut und Krieg böse.
Ja, das sollte eigentlich so sein.
Deshalb habe ich mit Moral so meine Probleme. Aber in diesem Fall brauchen wir das Böse, denn einzig und allein das Böse erlaubt es uns einen gerechten Krieg zu führen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gerechter_Krieg
Die Lehre vom Gerechten Krieg erlebte seit etwa 1990 parallel zu den westlichen Interventionskriegen im Irak 1991, im Kosovo 1998, in Afghanistan 2001 und im Irak 2003 eine Renaissance und ist in der heutigen Diskussion wieder aktuell. So veröffentlichte die International Commission on Intervention and State Sovereignty 2001 einen Bericht mit dem Titel Responsibility to protect. Darin wird die Einbeziehung der Kriterien vom Gerechten Krieg für eine humanitäre Intervention ausdrücklich gefordert.
Die Darstellung der verschiedenen Formen des "gerechten Krieges" an sich ist ein ganzes Buch wert, aber ich traue dem Leser dieses Blogs zu, von vornherein zu wissen, das er Unsinn ist. Alle Kriegsparteien führen immer "gerechte Kriege". Der Feind ist ... nach Spinoza ... immer böse.
Einfach mal bei der Bundeswehr hereinschauen:
Hintergrund: Afghanistan war bis zum Eingreifen der Staatengemeinschaft Operationsbasis und Trainingslager des internationalen Terrorismus. Die Anschläge des 11. Septembers 2001 wurden dort geplant und vorbereitet. Das militärische und zivile Engagement Deutschlands in Afghanistan dient somit der deutschen Sicherheit.
Zack! So einfach kann man sich das machen. Rußland ist übrigens die Operationsbasis der Russenmafia, die mehr Schaden in Deutschland anrichtet als die Taliban und weltweit auch für mehr Morde verantwortlich ist.
Hoffentlich werden die nicht mal böse ... die Russen können sich besser wehren als die Taliban. Das haben die Vorgänger der Bundeswehr schon mal lernen müssen.
Dabei hat "das Böse" manchmal einen guten Effekt. Im archaischen Denken sind es Dämonen, die den Menschen zum Bösen verführen. Im Gegensatz zu heute eine schlichtweg weise Sichtweise, will mir scheinen.
Gegen Dämonen darf man natürlich gerechte Kriege führen (deshalb dämonisiert Kriegspropaganda immer und zu allen Zeiten den politischen Gegner) ... aber die Kriege finden in der Traumzeit statt. Nicht in Afghanistan. Da holt man den Schamanen, der macht Traumreisen und viel Budenzauber ... und schon ist der böse Nachbar wieder ein normaler Mensch. Geht ganz ohne Tote, Folter, Inhaftierung und ähnlichen Erscheinungsformen moderner Kriege.
Zudem darf ein gerechter Krieg niemals auch nur einen einzigen Unschuldigen töten - das ist die einhellige Meinung von Philosophen über Jahrtausende hinweg. "Kollateralschäden" ... machen jeden Krieg ungerecht.
Darum sollte politisches Handeln immer und überall auf Frieden ausgerichtet sein. Doch Frieden ist eine anstrengende Sache. Sie erfordert viel Mut, Selbstaufopferung und die Bereitschaft, sein Leben für das Ziel zu opfern.
Soldatische Tugenden ... aber ohne Waffe in der Hand. Aber man braucht noch mehr für "echten Frieden":
In der wissenschaftlichen Diskussion unterscheidet man zwischen dem oben genannten engen Friedensbegriff, der die Abwesenheit von Konflikten beinhaltet, und einem weiter gefassten Friedensbegriff. Letzterer umfasst neben dem Fehlen kriegerischer Gewalt, bei Johan Galtung direkte Gewalt genannt, auch das Fehlen kultureller und struktureller Gewalt. Nach dieser Definition bedeutet Frieden also zusätzlich das Fehlen einer „auf Gewalt basierenden Kultur“, sowie das Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen. Frieden wird hier positiv definiert als „die Fähigkeit [...], Konflikte mit Empathie (= der Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung und Mentalität anderer Menschen einzufühlen), mit Gewaltlosigkeit und mit Kreativität zu klären und zu lösen.“ Dies erfordert neben kommunikativer Friedensarbeit das Erkennen der Bedeutung von „Rechtskommunikation“ und eine intensivere Beschäftigung mit den Ursachen streitlegenden Verhaltens, das mit „Machtkommunikation“ Streiteskalationen provoziert und begünstigt. Ein Beispiel für ein „Friedensdorf“ ist Neve Schalom / Wahat as-Salam.
Nach der Definition haben wir gerade Krieg in Deutschland. Wirtschaftskrieg: "immer reicher" gegen "immer ärmer" zum Wohle des DAX.
Um Krieg zu verhindern werden seit einiger Zeit andere Möglichkeiten ausprobiert:
http://www.nonviolent-peaceforce.de/
Nonviolent Peaceforce
das sind hunderte, unbewaffnete, eigens ausgebildete, multinationale MitarbeiterInnen - bereit zum zivilen Einsatz in Konflikt- und Krisengebieten.
Auch sie können getötet werden. Eigentlich machen sie das, was jeder von uns auch in einer Kneipenschlägerei tut: man geht hin, beruhigt die Leute, stellt sich dazwischen und redet wie ein Wasserfall. Das muß man dann können.
Sowas wäre angemessen. Einfach mal hin zu den Taliban, mit denen reden: "Was wollt ihr eigentlich?", "Warum haßt ihr Amerika?"...
Und hin zu den USA.
Für den radikalen Islam sind die USA das Reich des Bösen. Umgekehrt gilt das auch. Da gäbe es viel zu bereden.
Der Weg zum Frieden ist ein weiter Weg ... das sehen wir allein in Deutschland. Aber er ist ein notwendiger Weg, denn der Weg des Kriegs ist mit den Leichen der Unschuldigen gepflastert. Und das kann niemals gut sein. Das ist ... eher böse.
Insofern kann man Obama recht geben: es gibt das Böse in der Welt. Es ist aber klar erkennbar: es trägt eine tödliche Waffe bei sich. Mit oder ohne Uniform. Und es ist geistig verwirrt. Dabei könnte man ihm helfen ... auch mit einfachen Sätzen, die bei der Bundeswehr so gut ankommen:
Im 18. Jahrhundert formulierte der Philosoph Immanuel Kant mit dem kategorischen Imperativ:
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“
Wenn wir es also in Ordnung finden, das Taliban mit ihren beschränkten Mitteln auch in Deutschland Krieg führen sollten (die haben halt keine Flugzeuge, Panzer und Schiffe wie die Russen, die müssen sich mit kleinen Bomben rächen), sollten wir auch weiterhin dasselbe in Afghanistan tun. Die wollen hier ja vielleicht auch nur was aufbauen. Wäre interessant zu sehen, wie der durchschnittliche Sauerländer reagiert, wenn einige Taliban bei ihm im Dorf ein Projekt starten ... zum Selbstschutz bis an die Zähne bewaffnet.
Wenn wir riskieren wollen, bei Gefangenname gefoltert zu werden, sollten wir uns an CIA-Praktiken orientieren.
Oder aber wir werden lieber "gut". Das Beste Mittel, das "Böse" auch im Anderen zu eliminieren.
Leider steckt die Friedensforschung noch in den Kinderschuhen. Es wird wohl noch einige Jahrhunderte dauern, bis sie so perfekt wird wie die Kriegstreiberei. Doch dann gibt es die Hoffnung, das gut geschulte Profis in großer Zahl in Konfliktherden auftreten und alle Beteiligten überzeugen können, ihre
Waffen niederzulegen und nach Hause zu gehen.
Ausgenommen jene, die wirklich durchgeknallt sind. Psychopathische Massenmörder gibt es nicht nur in den USA sondern auch in Uniform. Und sie tragen gerne Uniform, weil sie so ihre Gelüste ungestraft ausleben können. Aber die wenigsten Soldaten sind so gestrickt ... zu Beginn eines Konfliktes. Später sieht das anders aus. Krieg es halt böse und deformiert Menschen. All das weiß man ... und trotzdem schickt man Soldaten nach Afghanistan. Eigentlich unverantwortlich in einer aufgeklärten Zivilgesellschaft.

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