Transferleistungen. Das Unwort der letzten Jahre. Naaa ... zuckt schon jemand zusammen? Das Wort taucht zumeist in irgendwelchen obskuren Zusammenhängen auf und wird gerne gebraucht, um gut und böse auseinanderzuhalten.

Die Guten haben was, was zu den Bösen transferiert werden muß. Natürlich macht man das gerne weil man ist ja so sozial und gut ....und woher das Geräusch knirschender Zähne kommt, weiß ich gerade nicht.

Ein Wort das sicher jeden Tag irgendwo in den Nachrichten auftaucht ... und irgendwie das größte Übel der Welt darzustellen scheint, wenn ich den Stimmungen trauen darf, die in den Stimmen mitschwingen, die über Transferleistungen (die sie natürlich frei knirschend gerne erbringen) fabulieren.

Nun, nähern wir uns mal diesem machtvollen Wort Transferleistungen, ein Wort, das die Freiheit des christlichen Abendlandes zu bedrohen scheint, über eine offizielle Definition.

http://de.wikipedia.org/wiki/Transferleistung

Eine Transferleistung bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft eine Geld- oder Sachleistung, die eine Person erhält, ohne dafür eine direkte Gegenleistung erbringen zu müssen. Der Begriff wird vor allem auf staatlich organisierte Leistungen angewandt. Die ursprüngliche Idee der Transferleistung basiert auf Solidarität, wonach Bedürftige von wirtschaftlich Stärkeren unterstützt werden sollen. Leistungen aus Versicherungen sind keine Transferleistungen, da hier eine direkte Gegenleistung in Form von Einzahlungen erbracht wurde. Transferleistungen des Staates an Unternehmen werden als Subventionen bezeichnet

Wofür ein Begriff steht und wofür er verwendet wird, sind oft zweierlei Sachen. Darum ist es mal gut zu sehen, wo er herkommt, der Begriff.

Hartz IV zum Beispiel wird als Transferleistung bezeichnet....jedenfalls von manchen im öffentlichen Sprachgebrauch.

Das ... ist falsch, denn:

Leistungen aus Versicherungen sind keine Transferleistungen, da hier eine direkte Gegenleistung in Form von Einzahlungen gemacht wurde.

Rente ... dasselbe.

Sozialhilfe ... dafür zahlt man Steuern. Ich jedenfalls. Aber dort findet man eventuell einzelne Fälle von behinderten Kindern, die nie selbst was einzahlen werden, nie selbst was erwirtschaften.

Das sind dann Transferleistungen.

Der Rest sind Versicherungsleistungen. Dafür haben wir BEZAHLT, und dafür bezahlt jeder Bürger jeden Tag.

Wieder einmal ein Lüge, und was für eine.

Aber Subventionen ... da sieht es schon anders aus. Das sind reine Transferleistungen, denn Firmen fallen nicht unter die Sozialgesetzgebung, für deren Rettung wird nirgendwo eingezahlt. Doch darüber redet man kaum, dabei hätte man bei ordentlicher Besteuerung (die es ehedem gab) den Sozialstaat gleich zweimal ´raus. 1400 Milliarden Subventionen durch Steuererleicherungen haben Unternehmen die letzten Jahre bekommen, wir dafür 1600 Milliarden Schulden.

Soviel könnten Arbeitslose gar nicht verbrauchen, selbst wenn wir alle arbeitslos werden würden.

Stattdessen bekommen Banken, die jahrelang mit ihren Milliardengewinnen geprahlt haben, sofort Steuermilliarden, sobald sie auch nur leise hüsteln. Das sind ... Transferleistungen.

Natürlich gibt es auch internationale Transferleistungen:

Internationale Transferleistung
Zwischen Staaten eines Staatenbündnisses wie zum Beispiel der Europäischen Union wird durch Transferleistungen der Versuch unternommen, schwächere Staaten, Regionen und Wirtschaftszweige zu unterstützen, so dass diese in die Lage versetzt werden, am Wettbewerb erfolgreich teilzunehmen. Auch die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die Vereinten Nationen verteilen aus den Beiträgen der Nettozahler Transferleistungen.

Ja, auch da wird richtig was verteilt.

Nun stellt sich natürlich auch die Frage: wo kommt denn das her, das Geld bzw. der Wert.

Nehmen wir mal ein Faß Bier, ein Wertgegenstand, dessen Wert gerade in Deutschland sicher nicht in Frage gestellt wird:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wertsch%C3%B6pfung

Ein Fass Bier kostet im Einzelhandel 100 ?.

Für die Produktion hatte die Brauerei folgende Kosten: Hopfen 10 ?, Energie 20 ?, Fass 5 ?. Das Fass Bier wird für von der Brauerei für 80 ? an einen Großhändler verkauft. Die Brauerei hat also pro Fass einen Mehrwert von 45 ? geschaffen (80 ? Ertrag ? 35 ? Kosten). Von den 45 ? Mehrwert werden 35 ? benutzt, um Löhne und Sozialleistungen abzudecken und 5 ? werden als Steuern abgeführt. Die restlichen 5 ? sind also Gewinn. Der Einfachheit halber werden die Vorleistungen des Landwirtschaftsbetriebes, des Energieerzeugers und des Fassherstellers hier vernachlässigt. Der Großhändler verkauft das Fass welches er für 80 ? gekauft hat nun für 90 ? an den Einzelhändler. Der Mehrwert des Großhändlers beträgt also 10 ?. Der Einzelhändler verkauft das Fass für 100 ? und schafft einen Mehrwert von 10 ?.

Eigentlich einfach, oder? Viele arbeiten, es gibt ein konkretes Produkt ... und es bleibt sogar war übrig für Sozialleistungen. Und das tolle: noch nicht ein Glas wurde getrunken. Das kommt ja noch oben drauf.

Funktioniert doch ganz toll, oder?

Und, merkt man was?

Keine Bank, kein Politiker, kein Arzt, kein Versicherungskonzern ist da mit drin. Das ist nämlich etwas, das mit gutem Recht die Transferleistungswirtschaft nennen kann, die nur dann funktioniert, wenn zuvor was Sinnvolles erarbeitet wurde.

Bauern ... erarbeiten das Sinnvollste: Essen. Gleich danach kommen Schneider, Schuster, Maurer und Heizungsbauer, denn man kann ohne Wärme weniger lang überleben als ohne Essen. Weniger wichtig sind Ärzte. Nicht jeder ist krank, aber jeder muß essen und wohnen.

Also müßten die reichsten Menschen die sein, die echte Werte produzieren: Essen, Kleidung, Wohnraum.

Schaut man sich aber das Handwerk an, so stellt man fest, das sein angeblich "goldener Boden" nur aus Messing besteht, während Banken, die nichts anderes machen, als "von anderer Leute Geld zu leben" richtig absahnen. Ärzte auch....dabei heilen sie nur selten jemanden. Auch Kirchen leben nur "von anderer Leute Geld" ... von Transferleistungen.

Nun ... heutzutage ersetzen Maschinen Bauern, Schneider, Maurer und Heizungsbauer. Ein alter Traum der Menschheit geht in Erfüllung: die Befreiung von der Arbeit, dem alten lästigen Joch. Doch irgendwie merken wir nichts davon. Die Maschinen arbeiten zwar unermüdlich ... doch von ihrer Arbeit kommt irgendwie nichts bei den Menschen an, denn die müssen noch mehr arbeiten.

Acht Stunden am Tag sowieso. Dann müssen sie noch einkaufen. Unter einer Stunde täglich geht das kaum.
Briefe schreiben und zur Post bringen, Post sortieren und lesen, Einkommenssteuererklärung machen, Wohnung sauberhalten, kochen, Wäsche waschen, Nachrichten schauen, Preise vergleichen .... wir arbeiten immer noch zwölf Stunden am Tag, und da wir uns dabei kaum bewegen, müssen wir auch noch Sport machen, um nicht krank zu werden. Meistens macht unsere Lebensweise uns aber krank, weshalb wir auch noch Stundenlang beim Arzt sitzen.

Es scheint, als ob die Transferleistungen hauptsächlich dazu verwendet werden, unsere Lebenszeit zu beanspruchen. Unterm Strich haben wir kaum mehr davon als frühere Generationen, nur Arbeiten wir nicht mehr, wir werden beschäftigt.

Und das scheint jenen, die diese Prozesse organisieren und pflegen, sehr wichtig zu sein:
die Leute zu beschäftigen.

Damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

Und deshalb werden gewisse Leistungen, die keine Transfer- sondern Versicherungsleistungen sind, auch auf einmal so "Böse". Die Leute, die sie erhalten, weil sie gerade mal nicht rund um die Uhr beschäftigt sind,
könnten auf dumme Gedanken kommen. Überhaupt könnten sie einfach mal anfangen selber zu denken ... und merken, das Hartz IV-Empfänger besser dran sind als Politiker. Letztere erhalten Diäten (schon der Begriff ist nur mit Humor zu tragen) ... und Diäten sind: Transferleistungen.