Liebe Leser, Liebe Freunde

Geld zu verschenken kann eine sehr beglückende Erfahrung sein, nicht nur für den Empfänger. Heute erhielt ich per E-Mail endlich die Bestätigung, das man auch mich beschenken möchte. Ich werde Multimillionär.
Da geht kein Weg dran vorbei. Jetzt ... gehöre ich allerdings zu den Menschen, die sich sehr kritisch mit den psychischen Folgen des Reichtums auseinandergesetzt haben - und sie sind deutlich schlimmer als die Folgen von Rauchen, Alkohol und Wilden Weibern zusammengenommen (wir berichteten), außerdem machen sie - anders als die Vorgenannten - nicht glücklich. Darum gebe ich meinen Lesern und Freunden hiermit die Chance, sich selbst ein dickes Stück vom Kuchen abzuschneiden, ich selber ... möchte nichts, danke.
Zuviel Geld verführt dazu, seine Zeit totzuschlagen - und meine Zeit ist mein Freund. Also: greift zu, jeder soviel, wie er tragen kann:

My name is Mr. Jeong Dong Auditing manager JP Morgan Chase. A certain client of my bank by the name of (Engineer David Smith) made a deposit for 12 months valued at £20,000,000.00 Million (Twenty million British Pounds only). My proposition is that I will like you to stand in as the next of kin to the depositor. I found out that he died without making a WILL" We shall employ the services of an attorney to arrange the transfer of rights and privileges of the deceased to you. If you are interested, I will offer you 40% of 20 million pounds which is 8 million pounds at the end of the business, please reply with these details below:

1. A Beneficiary name and mailing address, in order for me to prepare the document for transfer of the funds in your name.
2. Direct Telephone and fax numbers.
3. Age and occupation.
4. International passport or Drivers License.

Upon your response, I shall then provide you with more details. You are therefore advise to keep the business confidential and reply to : jeongdong@sify.com

Best Regards,
Mr. Jeong Dong
Auditing manager Private Line you can call me any time any day
London United Kingdom
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So, fort jetzt von der Welt des schnöden Mammon, hin zu sinnvollen Betätigungen in der realen politischen Alltagswirklichkeit der BRD. Da bekam ich heute per Mail vom "Politischen Kunstkommando" (sehr schöner Begriff, will ich meinen) einen Aufruf zu folgender Aktion zugesandt:

WIR GEBEN IHRER STIMME EIN ZUHAUSE!
Was ist eine Gelbe Tonne?

Die Gelbe Tonne wird bei den Abfallentsorgern verwendet und beinhaltet
so genannte Wertstoffe.

Was bedeutet die Aktion Gelbe Tonne?

Die Aktion Gelbe Tonne sammelt am 27. September zur Bundestagswahl
2009 leere und ungültige Stimmzettel. Diese sollen gesammelt oder
einzeln per Post an das Bundeskanzleramt in Berlin gesendet werden.

Wenn ich aber wählen möchte?

Das ist sogar noch besser und auch nicht schlimm, es sei denn, Du
willst verfassungsfeindliche Organisationen wählen. Aber die sind
sowieso nicht zur Wahl zugelassen, weshalb wohl nur die Piratenpartei
übrig bleibt ;-).

Was brauche ich, um mich an der Aktion zu beteiligen?

1. Eine Gelbe Tonne – also irgendeinen Behälter, welcher per Post
versendet werden kann und ca. 5,--Euro Bargeld, um dieses Behältnis zu
kaufen und zu versenden.
2. Einzelne oder Gruppen, welche andere über die Aktion informieren
und am 27. September den Stress auf sich nehmen, vor ihrem Wahllokal
zu stehen und Wähler auf die Aktion anzusprechen, um eventuelle
Stimmzettelungültigmacher, -verweigerer, -zerreisser oder
-wegschmeisser zu bitten, ihren Stimmzettel als Wertstoff in die Gelbe
Tonne zu entsorgen. Vorsorgliches Recycling sozusagen, damit klar ist,
dass diese so genannten ungültigen Stimmen sehr wohl eine Gültigkeit
und einen Zukunftswert haben und auf eine demokratische
Wiederverwertung warten.

Kann man meinen Stimmzettel meiner Person zuordnen und muss ich
deshalb mit einem Besuch des Bundeswahlkriminalamtes rechnen?

Den Datenschutzspürnasen sei gesagt, dass auf Stimmzetteln keine Namen
stehen. Diejenigen, welche ihren guten Namen erwähnt wissen wollen,
können ja unterschreiben.

Gibt es auch ein tolles Logo, welches ich auf meiner Seite einbinden
kann, um über die Aktion zu informieren?

Na klar, ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

http://thenomen.files.wordpress.com/2009/08/gelbetonne.jpg

Permalink zur Aktion:

http://thenomen.wordpress.com/aktion-gelbe-tonne/

http://thenomen.wordpress.com/aktion-gelbe-tonne/
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THE NO MEN! Social Hacking

Nun, zuerst: die Schleichwerbung für die Piratenpartei darf ich natürlich nicht unkommentiert lassen. Gerade ich nicht. Wo kämen wir da hin. Da die schwedische Piratenpartei gerade einen stramm neoliberalen Kursschwenk gemacht hat (wo ich mir noch anhören durfte, das ginge ja gar nicht, denn Piraten sind gut), ist es vielleicht mal sinnvoll, die TAZ an dieser Stelle mit Kritik zu Wort kommen zu lassen:

Doch wissen die Parteimitglieder nicht, warum sie vieles richtig machen. Dass sie ihre Partei als solche bierernst nehmen, ist schon bedenklich genug; der Schritt zum Kleingärtnerverein wird vollzogen, nur ist der Kleingarten virtuell. Die Piraten sagen, sie seien nicht links und nicht rechts. Dass auch Mussolini sich so präsentierte, wissen sie nicht und wundern sich nun, warum Faschisten ihre Partei interessant finden. Das lässt sich beheben; doch beweist der Vorgang, dass diese einäugigen Piraten das, was man nicht via Mausklick ansteuern kann, nicht kennen und sie sich auch im Internet mit nichts anderem als dem Internet beschäftigen.

Sie hassen Politik im eigentlichen Sinne. Sie wollen machen, nicht analysieren. Sie halten das Internet selbst für seinen Inhalt, verwechseln Medium und Message. Sie kämpfen für Bürgerrechte, interessieren sich aber nicht dafür, was der Bürger ist, ideologisch gesehen. Sie wollen Datenschutz und kritisieren den Staat, loben aber Google, da sie ignorieren, dass Privatwirtschaft und Staat kooperieren. Auch sehen sie nicht, dass Teile dessen, was sie via Medium im Netz betrachten können, Privatbesitz ist.

Sie bekämpfen Urheber, Firmen wie Pirate Bay aber finden sie okay, solange diese "Free Content" anbieten. Wird die Firmenpolitik geändert, sind die Piraten empört. Das beweist zweierlei. Erstens haben diese Piraten den Kapitalismus nicht verstanden, auch da haben sie was mit Mussolini gemein. Zweitens sind sie käuflich - man muss ihnen nur was schenken, schon sind sie ganz blöd. So billig wie diese Partei war selten eine zu haben.

Den Rest gibt es hier:

http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/piratenpartei-die-neuen-guten/

Und dann noch dieses:

http://www.bleib-passiv.de/beitraege/artikel/67-wohin-segelt-die-piratenpartei.html

Wo das hinführen kann, zeigten die schwedischen Piraten – mit rund 40.000 Mitgliedern die größte Piratenpartei überhaupt. Sie waren plötzlich für knallharte neoliberale Reformen zu begeistern, wenn ihre einzige Bedingung, nämlich ein freies Internet, angenommen wird. Frei nach dem Motto, eine Hand wäscht die andere. Aber was nützt der Einsatz der Piraten für ein freies Internet, wenn sie gleichzeitig durch ihre wirtschaftspolitische Ahnungslosigkeit für Massenarmut sorgen und sich viele Menschen dadurch gar keinen Internetzugang mehr leisten können?

Nun, soviel zum Ausgleich der Schleichwerbung.

Die Aktion ist natürlich nicht uninteressant, deshalb möchte ich sie vorstellen für jene, die auf gar keinen Fall wählen wollen. Und jede Nichtwählerstimme kommt ja auch den Kleinparteien wie NPD und Piratenpartei zugute.

Generell ... möchte ich eigentlich nicht zum Nichtwählen aufrufen. Wählen gehen ist diesmal echt besser.
Ist vielleicht das letzte Mal für viele, bevor das Wahlrecht eingeschränkt wird und Transferleistungsempfänger von der aktiven und passiven Wahl ausgeschlossen werden.

Aber ein bewußter Akt des Mißtrauens, als Gelbe Tonne nach Berlin gesendet, sagt natürlich mehr aus, als die Wahl einfach auf dem Golfplatz zu verschlafen.