szmmctag

Archiv der Einträge: 27 April, 2009
  • Krankenhaussterben

    Wer sich nun immer noch in Sicherheit wähnt, weil seine kleine eigene Welt ja noch in Ordnung ist, der wird zur Kenntnis nehmen müssen, das es auch einen sozialen Bereich gibt, der ihn persönlich betrifft:
    das Gesundheitswesen.

    Neben der Arbeitslosenversicherung und der Rente ist das ein drittes Standbein der sozialen Sicherung, das angegriffen werden wird.

    Natürlich nicht die Profite der Pharmaindustrie, das sollte mal klar sein. Die sind heilig und sicher.
    Dafür sorgen schon die Vorstandspöstchen, die Geldschenke an Ärzte und Politiker. Nein, es geht um den Bereich, der für Menschen vorbehalten ist, die richtig krank sind: die Krankenhäuser.

    Eigentlich ... bräuchten wir nahezu nur diese Krankenhäuser, denn wer wirklich krank ist, und nicht nur als Pillenverwerter zum Zwecke der Renditensteigerung herhalten muß, der ... kommt ins Krankenhaus.

    Beinbruch, Herzinfarkt, Lungenödem, Nierensteine, Geburten, Gallenblase, Magengeschwür ... alles, was wirklich ernst ist und weder den Arzt noch die Industrie reich macht, landet genau dort.

    Im Prinzip macht hat der niedergelassene Mediziner doch nur eine Vorsortierungsfunktion, 90 % der Patienten, so hörte ich mal von einem Internisten, hätten nichts, wofür er selber zum Arzt gehen würde.

    Hier bezahlt der Bürger mit seinen Beiträgen erstmal die Folgen seiner medizinischen Unbildung....gegen die man eigentlich in erster Linie vorgehen müßte, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Aber es gibt gute finanzielle Gründe, dies nicht zu tun.

    Denn bevor der Patient im Krankenhaus ankommt, wollen ja noch viele andere an ihm verdienen, sprich "behandeln". "Rumdoktoren", sagte man früher dazu. In Ordnung gebracht wird das Herumdoktoren dann im Krankenhaus.

    Das richtig dicke Geld wird natürlich bei den Pillen verdient, die erstmal von den lokalen hausärztlichen Pillenfürsten in Massen unters Volk gebracht werden. Und wenn man dadurch als Patient seinen Beitrag zur Steigerung des Kapitalertrages von Pharmakonzernen geleistet hat, dann kommt man irgendwann auch ins Krankenhaus, damit man sich auch mal um die eigentliche Krankheit kümmern kann.

    Aber das, so meint die Financiel Times Deutschland, wird in Zukunft immer schwieriger werden, denn die Krise greift auch dort:

    http://www.ftd.de/unternehmen/gesundheitswirtschaft/:Kommunale-Finanznot-Krankenh%E4usern-droht-Pleitewelle/504203.html

    Krankenhaussterben begünstigt natürlich Rentnersterben ... und davon haben wir sowieso zuviel.

    Wer mit seinem frischen Herzinfarkt erstmal fünfzig Kilometer fahren muß, den kann man auch gleich zum Kommunalfriedhof fahren.

    Krankenhaussterben kostet real Menschenleben.

    Hunderte ... jeden Tag.

    Wenn wir es soweit kommen lassen.

  • Wir sind das Volk!

    Das war der Slogan vor zwanzig Jahren.

    "Wir sind das Volk".

    War schön, das man es mal zu Gesicht bekam, das Volk. Außer beim Einkaufen und auf dem Weg zu Arbeit hatte es sich ja ziemlich rar gemacht.

    Eigentlich bräuchte man es gerade wieder, das Volk. Doch es scheint inzwischen vollkommen verschwunden zu sein.

    Es wäre nämlich eine großartige Gelegenheit, mal Volk zu sein. Und: es wäre dringend notwendig.

    Jetzt könnte man sagen, ok, wie legen alle zusammen, verzichten auf teure Anschaffungen, Urlaubsreisen,
    Luxusmüll und räumen erstmal dieses Land richtig auf.

    Es geht ja nicht an, das Arbeitslose mit ihrem Privatvermögen für ihre Arbeitslosigkeit haften müssen, während verbrecherische und unfähige Topmanager noch Bonuszahlungen erhalten, für die andere hundert Jahre arbeiten müssen. Jeder, der an der Produktion von Giftpapieren beteiligt war ... wird ebenfalls mit seinem Privatvermögen haften müssen. Und dann gibt´s Hartz IV anstatt Milliarden vom Staat.

    Da hätten wir schon etwas Geld.

    Gleiches muß für die Verschwendung von Steuergeldern gelten. Wer unverantwortlich mit dem Geld um sich wirft, sollte die gleiche Verantwortung haben wie der Privatmensch, der dasselbe tut...und nicht noch weiter als Beamter ein bequemes Leben auf Kosten derjenigen führen, die er zuvor betrogen hat.

    Natürlich sollte auch kein Geld mehr dafür da sein, die Freiheit der Rauschgiftproduktion am Hindukusch zu verteidigen ... das kostet ja auch nicht wenig.

    Und die Verteidigungsarmee Bundeswehr braucht keine kostspieligen Offensivkapazitäten mehr, es wird Zeit, das wir die "Friedensdividende" einfahren, die uns schon das Ende des kalten Krieges hätte bringen sollen.

    Mit dem Geld könnte man schon mal eine dringend notwendige Renaturierung der Binnenstruktur finanzieren und z.B. die "Tante-Emma-Läden" wieder ins Leben rufen ... würde auch der Umwelt helfen, wenn nicht jeder mehr zum Einkaufen das Auto benutzen muß - und es gäbe neue Arbeitsplätze.

    Und die EU ... die Abgeordneten müssen nicht wirklich das Doppelte von Bundestagsabgeordneten verdienen, bei denen ich auch eine Diätenkürzung von 40 % für erträglich halte. Sebstverständlich müssen auch die Beamtenbezüge runter.....aber nicht in den unteren Besoldungsstufen. Immerhin sind die Jungs infolge ihrer Unfähigkeit, die Krise vorherzusehen, ein wenig mit Schuld an dem Desaster.

    Parteispenden sind selbstverständlich nicht mehr steuerlich absetzbar, und die Parteienfinanzierung muß unbedingt den Weg der Kirchensteuer gehen ... und die gehört abgeschafft.

    Es ist jetzt keine Zeit mehr und kein Geld mehr dafür da, lang gehegte Wohlstandsprivilegien zu hüten.

    Auch wenn es weh tut.....das Geld wird an anderer Stelle dringender gebraucht.

    Natürlich müssen Firmensubventionen in jeder Form gestrichen werden. Kranke Konzerne durch künstliche Infusionen am Leben zu erhalten, damit die Vorstandspöstchen für Politiker ja nicht in Gefahr geraten, können wir uns nicht mehr leisten.

    Es wird Zeit, das das Volk die Notbremse zieht, damit eine neue Wirtschaftsordnung geschafft werden kann, eine Gesellschaftsordnung auf der Basis des Grundgesetzes, die sich den neuen weltwirtschaftlichen Gegebenheiten anpaßt.

    Es ist einfach unmöglich, das VW in Mexiko Autos produziert um auf dem amerikanischen Markt Riesengewinne
    zu produzieren, dann merkt, das das ganze ein Schlag ins Wasser war, weil diese Autos für die Amerikaner
    mexikanische Autos waren und keine deutsche Markenware, und die Verluste aus dem Prozeß des Exports von Arbeitsplätzen wieder in Deutschland von der Steuer absetzen kann.

    Wir werden überlegen müssen, ob jemand, der im Ausland produziert, hier überhaupt noch verkaufen darf...denn sonst: wird´s in absehbarer Zeit finanziell sehr eng in diesem Land.

    Ewig kann auch die deutsche Wirtschaft nicht ausbluten zum Zwecke der Kapitalertragsmaximierung, auch wenn Ackermann jetzt mit geschönten Bilanzen wieder den Supermann macht.

    Gleichzeitig darf man sicher auch mal wieder "mehr Demokratie wagen", denn mehr und mehr Bürger verabschieden sich von dem System durch "innere Kündigung" ... ein Zustand, den viele Firmen schon seit Jahren kennen.

    Es wartet eine Riesenmenge an Arbeit auf uns ... oder Lager für diejenigen, die im Sinne des Kapitals nicht mehr für die 25 % Rendite ausbeutbar sind.

    Es ist die Entscheidung, sozial zu sein und aus den Trümmern der durch den Neoliberalismus zerschlagenen Volkswirtschaft etwas aufzubauen ... oder asozial zugrunde zu gehen.

    Wir sind das Volk ... oder wir werden Biomüll.

  • Jetzt geht es los.

    Ja. Jetzt geht es los. Genau heute.

    Den eigentlichen Schlag erwarte ich schon länger. Wollte auch noch was drüber schreiben...aber die Wirklichkeit ist manchmal schneller als ich.

    Die Hetze gegen Hartz IV-Empfänger habe ich, ehrlich gesagt, als ein Ablenkungsmanöver angesehen.

    Die Gruppe ist zu heterogen, als das sie sich wirklich gut eignen würde für gezielte Maßnahmen.

    Immerhin befinden sich darunter auch Schauspieler, Studienabgänger und ähnliches verwertbares Volk.

    Aber: die Kampagne war gut, um Angst zu schüren, die Leute von der Straße fern zu halten, das Volk zu spalten.

    Aber jetzt kommt die erste verwertbare Zielgruppe ins Visier: die Rentner.

    Erinnert sich noch jemand an Franz Müntefering?

    Das war der, der nur denen was zu Essen geben wollte, die auch arbeiten können, Details hier:

    http://eifelphilosoph.blog.de/2009/04/14/asozialenstigma-ddr-muentes-griff-grundgesetz-5942005/

    Nun, und jetzt die Preisfrage: wer arbeitet nicht, frißt uns die Haare vom Kopf, steht mit einem Bein sowieso schon auf dem Friedhof und ist äußerst schlecht organisiert?

    Die Leute, die jetzt darauf vorbereitet werden, das die Renten ... sicher weg sind.

    http://www.welt.de/politik/article3627395/2010-droht-erstmals-eine-Kuerzung-der-Renten.html

    Das Rentnerproblem ist von seit vielen Jahren ein Problem, das diesem Staat finanziell das Genick brechen wird. Dazu hätte es keiner Krise bedurft. Schon die Beamtenpensionen der Länder, die in nächster Zukunft auf uns zu kommen, wären laut SPIEGEL nicht mehr zu bewältigen gewesen.

    Und jetzt kommt auch noch diese kleine überraschende Krise dazu, die trotz der von der Kanzlerin befohlenen Optimismuswelle, die die Journalisten jetzt verbreiten sollen, einfach nicht aufhört, von sich reden zu machen.

    Gut ... die Rentner werden in diesen Zeiten noch weniger Sympathie im Volk haben als Langzeitarbeitslose, denn mitlerweile dürfte es soweit sein, das jeder wirklich nur noch an sich selbst denkt und schaut, das er über die Runden kommt.

    Selbstverständlich gibt es auch schon entsprechende Kommentare.

    http://www.welt.de/politik/article3495423/Wenn-Rentner-Jobs-verlieren-ist-das-kein-Skandal.html

    Schön zu erfahren, das es in diesem Land nicht nur "prekäre Berufe" gibt (wer sich nicht erinnert: z.B.
    Altenpfleger gehörten dazu) sondern auch "prekäre Jobs": "Zeitarbeit, befristete Stellen und eben auch Minijobs" ... das Prekariat wächst Definitionsmässig im Spiegel der Medien nahezu täglich an, nebenbei bemerkt.

    Und wer jetzt meint ... Nase voll, ich wähle die Linken! ... bekommt von der gleichen Medienoffensive erst mal einen Dämpfer aufgesetzt, denn jetzt - wird abgerechnet. Übrigens: die Titel zu lesen reicht völlig, ich empfehle nicht unbedingt, diesen Links nachzugehen:

    http://www.welt.de/politik/article3618541/Die-DDR-war-auf-jeden-Fall-eine-inhumane-Diktatur.html

    http://www.welt.de/politik/article3581842/Wie-Ostalgiker-die-DDR-nachtraeglich-schoenluegen.html

    http://www.welt.de/politik/article3626570/Leugnung-von-Stasi-Unrecht-soll-bestraft-werden.html

    http://www.welt.de/politik/article3472934/Die-DDR-Alles-andere-als-eine-soziale-Idylle.html

    Nebenbei fällt folgender Satz: Kaum jemand wird bestreiten, dass auch die alte Bundesrepublik schlechte Seiten hatte.

    "Hatte"?

    Welche schlechten Seiten sind denn seit dem Mauerfall abgeschafft worden?

    Gut, die Bundeswehr ist keine Friedensarmee mehr, sie mischt inzwischen weltweit mit. Deutschland hat jetzt endlich eine Riesenhauptstadt wie alle anderen auch. Und der Sozialstaat ist per Gesetz inoffiziell abgeschafft worden, ohne das das jemand groß gemerkt hat. Aber ... waren das schleche Seiten?

    Und ... zu welcher "guten Seite" führt denn die Reise jetzt hin? Manchmal habe ich den Eindruck, es ist von Nachteil, nicht von der Kanzlerin persönlich instruiert zu werden, welche Nachrichten "gut" und welche "schlecht" sind.

    Manche Kommentatoren scheinen jedoch mehr zu wissen als ich:

    http://www.handelsblatt.com/politik/handelsblatt-kommentar/sozialstaat-erneuter-zwang-zur-sanierung;2254066

    Zwar lobt der Artikel ... wenn man ihn denn lesen möchte ... den Sozialstaat mal wieder über den grünen Klee ... aber der Titel des Artikels verheißt übles.

    Montag Morgen in der Republik ... der Putsch geht in eine neue Phase. Das Essen wird knapp.
    Für die, die nicht mehr arbeiten können.

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.