So, nachdem beim letzten Krisengipfel die Ratlosigkeit als ultimatives Mittel der Wahl zur Bewältigung der Krise erkannt wurde, schlagen die Leistungsträger jetzt ratlos zurück.
Z.B. der Arbeitsplatzvernichtungsindustriesprecher Dieter Hundt, der ja diese Warnungen vor sozialen Unruhen für richtig Böse hält:
Hundt verwies darauf, dass die Unternehmen derzeit alles dafür täten, das Beschäftigungsniveau in ihren Betrieben zu halten
Stimmt. Die Unternehmen beschäftigen in der Tat immer mehr Menschen. Nur mit dem Bezahlen tun sie sich da schwer. Der Bund der Deutschen Ladendiebe hat mal ähnlich argumentiert: sie täten alles, um Produktion und Absatz zu fördern.
Was die Unternehmen alles so in den letzten Jahren taten, kann man detalliert hier nachlesen, ebenso, was momentan geschieht:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/12700cFrame-SetAlmanach.html
Über fünf Millionen Arbeitsplätze in sechs Jahren vernichtet, mein lieber Mann, das nennt man Leistung, das schaffen wirklich nur Leistungsträger. Scheinbar scheint "alles", was Arbeitgeber zur Bewältigung der Krise leisten können, viel zu wenig zu sein.
Aber Hundt wollte wahrscheinlich nur sagen: "Bossnapping nicht mit mir, ich bin ganz lieb!"
Sunnyboy Guttenberg, der ja eigentlich lieber in Amerika über Opel spricht (ich weiß nicht genau, mit wem. Hoffentlich nicht mit den Taxifahrern ... die haben da eigene Erfahrungen mit der Marke, vielleicht spricht er ja mit den Stewardessen, den Würstchenverkäufern und einigen Passanten, die nicht schnell genug auf die Bäume kamen), muß natürlich kurz vor der Abreise auch noch mal ins Jagdhorn blasen:
"Ich halte es für verantwortungslos, nachgerade für dumm, in einer solchen Situation eher noch einen Beitrag zur Verunsicherung zu leisten", .
Ja, der Guttenberg mal wieder. Ich hoffe, das er sich mit seiner Meinung durchsetzen kann, denn diese ganzen Meldungen über massive Stellenstreichungen, massiven Arbeitsplatzabbau, Neuverschuldung im Raketentempo, staatliche Vorbereitungen gegen drohende Aufstände, neue Riesenlöcher in Bankenbilanzen und ähnliches mehr haben mich in der Tat etwas verunsichert.
Ich wäre dankbar, wenn Verunsicherungen dieser Art in Zukunft verboten werden würden.
Aber wahrscheinlich meinte er eher, diese Nachrichten sollten nicht mehr gebracht werden, stattdessen doch lieber aufbauende kerngesunde Beiträge über Jagdhornblasen in der schwäbischen Alb.
Natürlich darf in dem Zusammenhang von Zensur und Nachrichtensperre auch der Schäuble nicht fehlen, denn er kennt sich ja gut aus in der Materie der inneren Sicherheit.
"Es wird auch jetzt niemand in materielle Existenzbedrohung kommen", sagte Schäuble im Sender N24. Die Politik habe die Krise zwar nicht verhindern können, "aber wenn die Politik das tut, was sie kann, dann muss es nicht zu Unruhen kommen".
Nun ... "niemand" scheint eine neue Bezeichnung für das Prekariat zu sein, wie in Indien die "Unberührbaren", die sind eigentlich auch Niemand. Und das die Politik tut, was sie kann, ist doch gerade das, was die Leute so beunruhigt. Mensch, Schäuble, du mußt nicht nur abhören sondern ab und zu auch zuhören was die Leute sagen! Aber wer weiß ... was er wirklich damit meint, was Politik noch alles so kann.
Bomben auf Jugoslawien konnte sie auch schon mal....
Natürlich muß jetzt auch mal die Sozialabbaupartei Deutschlands SPD zitiert werden, hier vertreten durch Hindukuschverteidiger Struck:
"Es ist nicht gut, wenn wir davon reden, dass hier Unruhen ausbrechen könnten wie in Frankreich oder anderswo", sagte er der "Rheinischen Post". "Das untergräbt die Bemühungen der Bundesregierung, die ja gerade alles tut, um die tiefe Krise für die Menschen abzumildern."
Also, was tut den die Regierung, um die tiefe Krise, die alle zwei Tage überwunden ist, für die Menschen abzumildern? Ach ja ... sie übt sich in vorbildlicher Ratlosigkeit und empfiehlt den Menschen, ihnen gleichzutun. Einfach mal ratlos staunend mit offenem Mund vor den täglichen Wirtschaftsnachrichten stehen, dann wird alles wieder gut. Macht die Regierung auch so. Und wenn die Nachrichten erstmal nur noch über Guttenbergs Jagdhorn schreiben, dann ist auch die Verunsicherung wieder fort. Daran arbeiten die Regierung derzeit mit Nachdruck.
Natürlich dürfen die Dosenpfandhelden nicht fehlen:
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn zeigte Verständnis für die Warnungen von Schwan und Sommer vor sozialen Spannungen. "Es gibt ein tiefes Gefühl großer Ungerechtigkeit im Land. Daran ist diese Regierung nicht unschuldig."
Die Grünen und die Gefühle ... ja, das ist ein eigenes Thema. Die fühlen ja gern, die Grünen. Erst Agenda 2010 durchpauken ... und dann Gefühle kriegen. Ist wohl so eine Art emotionale Sado-Maso-Gruppe, erst hauen und dann "huch was tut das weh". Die sollten momentan wirklich besser hinter dem Froschschutzzaun bleiben.
Nur einer, der die "Unruhen an sich nicht sieht" (ja, wie denn auch? Wo sind die denn gerade aktuell?
Setzen, sechs! Kompletter Realitätsverlust) ist der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, bzw. ihr
Oberhansel.
Der jedoch macht wenigstens mal einen Lösungsvorschlag, der über Jagdhornblasen hinausgeht:
"Die Regelsätze bei Hartz IV anzuheben wäre das wirkungsvollste Konjunkturprogramm, das wir uns überhaupt vorstellen können",
Na, der guckt wahrscheinlich die falschen Nachrichtensender, scheint aber mal in den Wirtschaftsteil der Zeitung geschaut und verstanden zu haben, das der Einbruch der Exportindustrie zwingend eine gewaltige
Stärkung des Binnenmarktes vonnöten hat, den man ja so lange hat brachliegen lassen, weil die Wirtschaft meinte, kein Volk zu brauchen.
Klar, die die gar nichts haben, werden am meisten ausgeben. Und da die sowieso keine Kredite kriegen, brauchen die Banken in Zukunft auch nicht mit abwrackprämieninduzierten Kreditausfällen zu rechnen.
Aber: da ja schon die Gewerkschaft vor dem Lumpenproletariat warnt, wird sich dieser Ansatz wohl nicht durchsetzen.
Zitate aus Spon:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,620851,00.html