Momentan beschäftige ich mich etwas mit Verhaltensökonomen, eine eigentlich schon recht alte Richtung der Wirtschaftswissenschaften ... aber dank Obama gerade mal wieder neu aufgebrüht.
Um die politischen Konsequenzen zu beleuchten, ist es noch ein wenig zu früh, aber anthropologisch gibt es schon etwas, das Hoffnung macht, denn scheinbar ... ist der Mensch an sich doch gar kein Egoist, obwohl führende Wirtschaftswissenschaftler und Politiker ihn gerne so hätten:
http://www.zeit.de/campus/2009/01/interview-gravitas?page=6
Klar, der Mensch als des Menschen Wolf ... in der politischen Philosophie immer die Grundlage für den starken, autokratischen Staat, der den bösen Menschen durch enge Grenzen und strenge Gesetze im Zaum halten muß. Da muß schnell der König her oder der "starke Mann", seitdem Könige etwas außer Mode gekommen sind, um einzugreifen und für Recht und Ordnung zu sorgen.
Eine logische Konsequenz dieses Menschenbildes. Ist der Mensch aber an sich kein Egoist (wogegen auch vor den Studien viel sprach, aber lassen wir das mal beiseite), können wir uns auch einen anderen Staat denken, der mehr dem Bürger vertraut als seiner eigenen Stärke.
Spannend ist nun, das der Mensch wohl auch ziemlich glücklich ist, wenn er Egoisten bestrafen kann.
In der ersten Studie war das Element "Strafe" noch nicht vorgesehen, dafür aber hier:
http://www.fluter.de/de/solidaritaet/heft/6500/
Wie Züricher Forscher durch Messung der Hirnströme herausgefunden haben, macht das Bestrafen von Egoisten
ähnlich glücklich wie Sex.
Nun, möchte man meinen, worauf warten wir dann noch?
Was mir spontan dazu einfiel war ... das das vielleicht ein Grund für das häufig irrationale Verhalten mancher Mitbürger gegen "Arbeitslose" ist - die ja, anders als andere gesellschaftliche Gruppierungen, sehr heterogen ist. Möglicherweise gibt es da irgendwo auch fürchterliches Volk, allerdings - die sind sehr selten. Aber es gibt auch ... Akademiker, die frisch von der Uni kommen, Schauspieler zwischen Arrangements, berufsunfähige, die nach 1961 geboren sind (denen hat man nämlich diese Rente komplett gestrichen und sie der Arge zugewiesen) und vielerlei anderes Volk, das man nicht als faul, egoistisch
oder sonstwie sozial schwach deklarieren könnte.
Aber ... wenn man sie sich als arbeitsscheue Egoisten denkt ... da kommt dann schon mal ein Kurzschluß heraus. Erst recht dann, wenn man selber einen starken Hand zum Egoismus hat.
Man kann in anderen immer am Besten das erkennen, was man selbst in sich hat, sage eine alte Weisheit.
Und sozial schwach ... ist in erster Linie der Egoist.
Und will er seinen Egoismus mit irgendeiner Form von Gewalt durchsetzen ... nennt man ihn zurecht einen Sozialfaschisten.
Zudem leiden Egoisten an einer enormen Schwäche - sie sind allein langfristig überlebensuntüchtig. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, das nur in Gemeinschaft überleben kann, ist ihnen das auch halbwegs bewußt - beißt sich aber total mit egoistischen Ansprüchen des neoliberalen Gedankengutes. Und die daraus resultierende Spannung muß sich irgendwann mal entladen ... wenn auch nur verbal. Der Egoist ist ... der eigentlich sozial schwache.
Insofern macht diese Studie viel Hoffnung auf Veränderung ... denn der Mensch an sich scheint den
egoistischen Pöbel, der gerade mal wieder in der aktuellen Krise sein häßliches Gesicht zeigt, nicht zu mögen.
Zurecht, denn der Egoist ... kann nur als Sozialschmarotzer existieren und ist als Typus die eigentliche Ursache für die momentane Krise.
