Liebe Sozialfaschisten.
Heute morgen möchte ich einmal ein gut gemeintes Wort an euch richten.
Wie? Fühlt sich keiner angesprochen?
Der Begriff "Sozialfaschismus" ist in der bundesdeutschen Politterminologie nicht eindeutig definiert noch in regelmäßigem Gebrach?
Gut, ok. Den Begriff - gestehe ich - habe ich selbst entworfen. Und ein seinem regelmäßigen Gebrauch arbeite ich noch.
Schreiten wir zu Definition.
"Faschismus" ist, denke ich, im Politikunterricht schon mal behandelt worden? Geht da - im Groben und Ganzen - um die Zusammenrottung gewaltbereiter Individuen zum Zwecke des politischen Machterwerbs auf Kosten politischer Gegner und ... vor allem ... gesellschaftlicher Minderheiten, die als Sündenböcke
durch die Straßen gejagt und gerne auch mal erschlagen werden.
"Sozialfaschismus" wäre somit der Terminus, der eine Geisteshaltung bezeichnet, die sich nicht gegen eine
ethnische oder politische Minderheit richtet, sondern gegen eine "soziale Minderheit"....einfach gegen finanziell schwache Menschen (Ganz ausdrücklich wende ich mich gegen den Terminus "sozial Schwache". Soziale Qualitäten erlangt man nicht durch wirtschaftlichen Erfolg, der viel zu häufig nur auf Ausbeutung und Betrug anderer beruht - wie die Bankenkrise wieder einmal gezeigt hat. Die häufige Verwendung des
Terminus "sozial Schwach" ist selbst ein Kampfbegriff des Sozialfaschismus, um den wirtschaftlich/politischen Gegner zentral in seiner Menschenwürde zu diffamieren. Leider gelingt das noch viel zu oft).
Ja, sicher, nimmt man alle Arbeitslosen, Kinder, Studenten, Rentner, chronisch Kranke zusammen, ist es vielleicht gar keine Minderheit.
ABER IN EUREM DENKEN SCHON!
Das euer Denken nicht der Realität entspricht, darin beruht meine große Hoffnung - nur so nebenbei bemerkt.
Bevor ich fortfahre - Phillip Mießfelder ... du darfst gehen. Du warst nicht gemeint ... bist du noch viel zu klein dafür. Wenn du mal groß und erwachsen bist, reden wir weiter.
So jetzt zu euch Sozialfaschisten.
Ich kenne euren Zorn, eure Wut und die daraus resultierende Verachtung sowie den Wunsch nach Bestrafung für jene, die eurem Weg nicht gefolgt sind ... oder nicht folgen konnten, weil ihr Schicksal einen anderen Weg für sie vorgesehen hat.
Ich will auch nicht über die anderen diskutieren, sondern über euch.
Habt ihr euch schon mal überlegt, woher eure Wut, euer Zorn kommt? Ihr seid doch reich, habt alles was ihr wollt (oder zumindestens viel mehr, als man zum glücklichsein braucht) warum könnt ihr also mit ärmeren Menschen nicht in Ruhe und Frieden zusammenleben? Krank werden könntet ihr auch, alt werdet ihr auf jeden Fall (auch wenn ihr jetzt noch nicht daran glaubt). Warum nicht einfach mal durch die Innenstadt ziehen und zwanzigtausend Euro an Bedürftige verschenken? Soll glücklich machen, meint die Glücksforschung. Und würde den dringend benötigten Binnenkonsum ankurbeln.
Schon mal überlegt, das in euch eine tief sitzende Unzufriedenheit tobt, die sich auf die Schwächeren
entladen will? Das es möglicherweise ein tief sitzendes menschliches Grundgefühl ist, das euch dirrigiert?
Wie wäre es mit ... Neid?
Neid auf die Menschen, die sich nicht verkauft haben? Oder Neid auf Menschen, die die Möglichkeit hätten, in ihrem Leben viel freiere Entscheidungen zu treffen, als ihr es könntet?
Neid auf Menschen, die das kostbarste Gut eines sterblichen Wesens in größerem Maße besitzen, als ihr es habt ... Zeit? Und Freiheit?
Wie viele von euch müssen Zahnarzt, Geschäftsführer, Allgemeinmediziner, Politiker werden ... weil Papa
es so wollte? Wie viele von euch können nicht die hübsche Kassierin von Aldi heiraten, sondern müssen die Adelsschnepfe anhimmeln, die Mama ausgesucht hat? Wer von euch hat die Freiheit, zum Opernball in bequemen, zerrissen Jeans und ausgelatschten Turnschuhen erscheinen zu dürfen? Wer von euch hat die Freiheit, seinem engen (und wohlhabenden) sozialen Netz einfach mal "Nein" sagen zu dürfen? Ich will nicht zur Jagd, ich will nicht ins Internat, ich will nicht zum Opernball, ich will nicht zum Geburtstag von Tante Trudi? Ich mag keine steifen und kalten Geschäftsessen, keine Arbeitstagungen, keine Segeltörns mit emotionalen Krüppeln und Psychopathen? Ich will nicht ins Ritz, ich will zur Frittenbude in Wanne-Eickel?
Ja - vor so einem Hintergrund wird es verständlich, das man jene Menschen, die frei und ungebunden ihre Lebenszeit genießen könnten, nur noch hassen kann. Weil man sich sonst der Gewalt stellen müsste, die man sich selbst angetan hat und antut. Und natürlich muß man ihnen das Leben so schwer machen wie es nur irgendwie geht, damit auch die so eingeengt leben wie man selbst. Nur dann kann man es noch verantworten, das man sein eigenes Leben dem Mammon geopfert hat....und insgeheim weiß, das man damit nie glücklich werden kann.
Ihr wißt, wie das endet.
Schaut in Geschichtsbüchern nach.
Es endet immer blutig.
Für euch....und andere.
Noch für dieses Jahr haben Soziologen die ersten schweren Unruhen in deutschen Großstädten vorhergesagt.
Brauchen wir das wirklich?
Es werden die Kinder jener Frauen sein, die ihr heute in Armut haltet, die für euch im Alter sorgen müssen.
Könnt ihr euch vorstellen, was die für euch empfinden werden - nachdem, was ihr ihrer Mutter angetan habt?
Keine Angst vor ... Rache ... wenn ihr mal schwach und völlig hilflos seid?
Noch haben wir eine Chance. Wir alle. Ihr auch.
Aber nicht mehr lange.
So ... jetzt denkt mal drüber nach. Demnächst gehts dann zum Psychopathentest. Nee - muß sein.
Bis dahin habt ihr Zeit.