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Archiv der Einträge: Februar, 2009
  • Finanzierbarkeit

    "Das ist nicht finanzierbar" ... ein Schlagwort der Moderne. Wird einem gern und oft um die Ohren gehauen, mit oft recht abstrusen Zahlenkolonnen.

    Gemeint ... ist etwas anderes.

    Das möchte aber keiner so deutlich sagen.

    Gemeint ist: "Da mache ich doch meinen Schnitt nicht mehr, da bleibt doch kein ordentlicher Profit für mich hängen".

    Finanzierbar ist alles was wir wollen.

    "Finanzierbarkeit" als oberster Wert, als oberste Priorität eines philosophischen oder politischen Systems
    ist ein brandgefährlicher Wert. Aber das interessiert reflektionsfaule Schreihälse nur selten.

    "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" - das sind Werte, für die es sich einst zu leben, zu kämpfen und zu sterben lohnte.

    "Finanzierbarkeit" ... der Gott der Krämerseele.

    Nehmen wir aber "Finanzierbarkeit" und setzen ihn in unser philosophisches System, so entwickeln sich in Ableitung aus diesem Wert denkwürdige Konsequenzen.

    Rentner ... nicht finanzierbar.

    Arbeitslose ... nicht finanzierbar.

    Kranke ... kaum finanzierbar, es sei denn, sie arbeiten nachher doppelt.

    Hungerhilfe ... nicht finanzierbar.

    Umweltpflege ... nicht finanzierbar.

    Abfallentsorgung ... nicht finanzierbar.

    Gerechtigkeit ... nicht finanzierbar.

    Demokratie ... nicht finanzierbar. In der Tat ... Monarchie geht billiger. Frage mich nur, wann dies auch in den Köpfen der Krämerseelen ankommt. Und ob sie mit den Konsequenzen gern leben wollen. Wahrscheinlich .... Konzerne mögen auch Diktaturen besonders gern, dort kann man den besten Profit machen.

    Noch sind wir nicht soweit, das "Finanzierbarkeit" unser System dominiert, noch hat "Menschlichkeit" einen gewissen richtungsweisenden Stellenwert.

    Aber wir werden wohl darum kämpfen müssen, das es so bleibt.

    Und einfach fordern: "Dafür muß Geld da sein".

    Z.B. für ein Grundeinkommen.

  • Die Bedürfnislosigkeit des Glücks

    Gestern habe ich einen interessanten Menschen kennengelernt.

    Einen glücklichen Menschen.

    Bis zu seinem 29. Lebensjahr hat er unter massiven Angststörungen gelitten. In dem Moment, wo er beschloß, das er mit sich selbst nicht mehr leben kann ... hielt er inne.

    "Moment", fragte er sich. "Ich und selbst ... scheinen ja zwei Dinge zu sein".

    Für ihn ein Moment der Erleuchtung....der, nach eigenen, glaubwürdig geschilderten Angaben ... zu sehr intensiven Glücksgefühlen führte.

    Diese endeten letztlich darin, das er auf einer Parkbank landete.

    Zwei Jahre lang.

    Ohne Alkohol.

    Glücklich wie Bolle (wie man bei uns so schön sagt).

    "Aha", dachte ich mir.

    Da haben wir schon mal ein lebbares (und erlebbares) Beispiel von "Glück" und einen Hinweis darauf, wieviel Geld man eigentlich dafür braucht.

    Gar keins. Eine Parkbank reicht.

    Konfuzius hatte das schon vor Jahrtausenden erkannt.

    Warum wird das eigentlich nicht in der Schule gelehrt? Könnte doch die Selbstmordrate senken.

    Wie bitte?

    Nein - er lebt nicht mehr auf einer Parkbank.

    Er gibt Seminare und schreibt Bücher.

  • Der "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott!" - Unsinn

    Seit einiger Zeit versucht eine Kampagne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen.

    Weltweit.

    "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott!" so schrillt es von Autobussen, Werbeplakaten und T-Shirts.

    Privat finanziert.

    Von wem?

    Ich denke, das werden wir umfassend nie erfahren.

    Warum? Die Frage wäre eher ein Unteruchungsobjekt für Verschwörungsanalytiker. Denkbare Gründe gäbe es genug ... allein, zu verhindern, das das Volk in den anstehenden Notzeiten wie gehabt Zuflucht in der Transzendenz des Seins sucht und in Zukunft weniger manipulierbar und weniger konsumfreudig wird, stattdessen lieber den ganzen Tag das pure Leben genießt.

    Mir geht es allerdings eher um den wissenschaftlichen Unsinn, der da verbreitet wird.

    Die Nichtexistenz von "Etwas" ist unmöglich zu beweisen, noch ist es möglich, sich der Nichtexistenz von etwas durch Wahrscheinlichkeitsberechnung zu nähern.

    Ich habe nichts gegen Atheisten. Es gibt Tage, da bin ich selber einer.

    Aber ich habe etwas dagegen, mit wissenschaftlich gesehen grobem Unfug den Menschen den Zugang zu einer möglichen Steigerung der Lebensqualität zu verbauen, indem man unhaltbare Thesen großflächig in die Menge schmeißt.

    Sicher ... es heißt, man will den Menschen die Angst vor der Hölle nehmen.

    Wo bitte schön wird denn im Alltag der aufgeklärten westlichen Bevölkerung heute noch die Hölle als reale Bedrohung für das Seelenheil verstanden? Wer glaubt denn noch an so etwas?

    Zumal sie theologisch überhaupt nicht haltbar ist...

    Für die wenigen, die damit ein Problem haben ... bräuchte man nicht so eine Kampagne, nebenbei bemerkt.

    Das Geld könnte man sinnvoller anwenden.

    Z.B. durch die Kampagne: "Es gibt ein Leben vor dem Tod".

    Oder: "Geld macht nicht glücklich."

  • Menschenabfall - Abfallmenschen

    "Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze" ... wie oft muß ich mir diesen hahnebüchenen Blödsinn eigentlich noch anhören?

    Was ist denn das: "Die Wirtschaft"? Entweder wir alle ... oder es ist eine leere Worthülse.

    Wir alle schaffen durch unser wirtschaften, durch unseren Konsum tagtäglich Arbeitsplätze und tragen nach besten Kräften zu ihrer Erhaltung bei. "Die Wirtschaft" ist nicht nur der produzierende Teil ... und ohne die andere Seite ist das ständige Anhäufen von Autohalden weder profitabel noch sonderlich sinnvoll.

    Doch schauen wir uns mal die produzierende Seite von "Wirtschaft" genauer an.

    Wenn ein Mensch geboren wird, bleiben die Kosten (die bis zu seiner wirtschaftlichen Eigenständigkeit locker die Kosten für ein Einfamilienhaus erreichen) an den Eltern hängen, werden also größtenteils privatisiert.

    Geht er in die Schule, verursacht er Produzenten keine Kosten...die tragen wieder andere.

    Das gilt auch - außer für die Stipendiaten der Wirtschaft - im Studium. Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit.

    So richtig lecker wird dieser dann für die Wirtschaft mit 28. Studium fertig, Ausbildung abgeschlossen. Bereit, Großes zu leisten. Natürlich darf man ihm nicht den ganzen Wert seiner Arbeit auszahlen ... der durch seine Arbeitskraft (oder Geisteskraft) erwirtschaftete Mehrwert bildet immerhin den Profit des Unternehmens. Eltern und Staat haben in geformt, ernährt, ausgebildet ... die Leistung erntet das Unternehmen. ("as übrigens einer der konservativen Grundgedanken für den Sozialstaat war ... Unternehmen altern nicht - Menschen schon).

    Dann ... mit 45 ... wird der Arbeitnehmer schon mal kränker. Müder. Älter halt. Hätte er für sich selbst gearbeitet, könnte er jetzt die Früchte seiner Arbeit genießen. Für die Wirtschaft wird er langsam ungenießbar.

    Es wird Zeit, sich seiner zu entledigen. Andere (28! Das leckere Alter) warten vor der Tür.

    Er wird zu Menschenabfall ... und dank Hart IV bald zu einem Abfallmenschen, d.h. einem Menschen, der von dem Leben muß, was für ihn abfällt. Z.B. bei der Tafel und der Caritas. Gebrauchtkleider und Gebrauchtlebensmittel, die nicht verkauft werden konnten.

    Die Kosten für ihn trägt auf jeden Fall nicht mehr die Wirtschaft (die, Dank Subventionen und Steuererleichterungen sowieso danach strebt, sich aus dem Gemeinwesen als Einzahler zu verabschieden und endlich nur noch Nutznießer - Schmarotzer - eines Systems zu werden).

    Deshalb sollte man den Satz "Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze" - wo immer er gebraucht wird, schnell hinterfragen. Vielleicht ganz einfach, in dem man fragt: "Für wen denn noch?"

  • Briefe an die Leser: Lachnummer Opel

    Liebe Opelianer!

    Ich leide mit euch! Ich kann eure Ängste und Sorgen gut verstehen. Eigentumswohnung auf Pump gekauft, Urlaub gebucht, Opel geleast ... das Leben war schön. Und jetzt: alles in Gefahr!

    Schön, das alle euch zur Hilfe kommen wollen.

    Bedauerlich nur, das ihr eure Patente verkauft habt.

    Ihr seid gar keine Autofirma mehr ... ihr seid ein externer Produktionsstandord für GM. Schon seid den dreißiger Jahren gibt es euch eigentlich nicht mehr.

    Und ohne Patente ... keine Opel.

    Natürlich versucht jetzt jeder Politiker vor dem Superwahljahr mit euch zu Punkten. Obwohl jeder weiß, das ihr im Eimer seid.

    Was wollt ihr denn bauen?

    Staubsauger?

    Haben wir schon.

    Kühlschränke?

    Haben wir schon.

    Toaster?

    Haben wir schon.

    Irgendwas?

    Brauchen wir nicht. Autos übrigens erst recht nicht, da gibt es schon längst eine Überkapazität.

    So wird aus einer Tragödie ... eine Lachnummer.

    Auf eure Kosten.

    Aber: der Staat ist für euch da. In ein- bis anderthalb Jahren wird euch die zuständige ARGE darüber informieren, wie dankbar der Staat und die Gesellschaft euch dafür ist, das ihr die letzten sechzig Jahre eure Lebenszeit und Arbeitskraft dem Aufbau und Wohlstand des Landes geopfert habt.

    Ihr werdet reichlich entlohnt.

    PS: Vorgestern erwähnte ein "Experte", ihr würdet schon seit Jahren Miese einfahren mit euren Opels?
    Auch ganz ohne Wirtschaftskrise? Ist da was dran? Ich persönlich würde mir nie wieder einen kaufen.
    Ich habe Erfahrungen mit der Marke. Neuwagen ... Marke Omega, ging nach 6000 km auf einmal mitten auf der Straße aus. War nicht lustig....es gab viel Verkehr. Die Werkstatt meinte: das ist normal. Das haben die alle.

    Also, mal als Kunde gesprochen: ich werde Opel nicht vermissen.

  • Briefe an die Leser: Gierhalsärzte! Kennt jemand von euch Hypokrates?

    Nie gehört?

    Den Eid schwört jeder von euch. Schon seid Jahrtausenden.

    "Rein und fromm werde ich mein Leben bewahren" heist es da, unter anderem.

    Und jetzt?

    2007 hat die Regierung euch 10% mehr Lohn versprochen (ist doch wirklich nicht wenig, oder? Ihr
    gehört doch sowieso nicht zu den Ärmsten im Lande, ihr niedergelassenen mit der Lizenz zum Gelddrucken).

    Jetzt habt ich 2008 besonders gut verdient ... und hättet gern die 10% auf das Einkommen von 2008
    bezogen.

    Da kein Geld mehr da ist ... wollte die Regierung das lieber - wie vereinbart - auf 2007 beziehen.

    Welch ein Geschrei brach da los.

    Und nun - die Maßnahme:

    Patienten werden nur noch gegen Vorkasse behandelt.

    Ist da wirklich jeder Anstand, jede Scham verlorengegangen?

    "In die Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hingegen" ... das habt ich geschworen.

    Nicht zum Nutzen eurer Brieftasche!

    Vielleicht wäre es sogar besser, ihr bliebet zu Hause.

    Ich höre immer mehr, das Ärztepfusch (also: iatrogene Todesfälle) und die korrekte Einnahme von Medikamenten inzwischen die Todesursache Nr. 1 in Deutschland ist.

    Gab es da nicht mal diesen bundesweiten Ärztestreik, nachdem die Sterblickeit nicht angestiegen ...
    sondern zurückgegangen ist?

    Wollen wir das Thema lieber nicht vertiefen.

    Und auch sonst lieber nicht zuviel Aufmerksamkeit erregen, sonst schaut noch jemand nach ... und Deutschland bekommt endlich Geld für ein Meldewesen, das iatrogene Todesfälle sorgfältig registriert.

    So wie die USA.

    Dort sterben Jahr für Jahr knapp 90000 an Ärtzepfusch...nur in den Kliniken.

    Aber anstatt ein ordentliches Meldewesen zu registrieren, wird lieber nach mehr Geld für Privatkonsum geschrieen, der Eid angetastet um den Patienten zu strafen - vor allem der arme Patient als Geisel genommen.

    Irgendwie typisch, mitlerweile.

  • Wirtschaftsbürgerkrieg

    Warum eigentlich nicht die Dinge einmal bei einem treffenden Namen nennen.

    In diesem Land (und vielen anderen auch) läuft seit Jahrzehnten ein kompromissloser Wirtschaftsbürgerkrieg.

    Angeführt von gewissenlosen Kapitalmaximierern gegen alles und jeden, der ihnen im Wege stehen...vor allem gegen ganz normale Arbeitnehmer,....die sogenannten "Kosten auf zwei Beinen".

    Aber auch erfolgreiche Kleinunternehmer, Tante-Emma-Läden oder innovative Mittelständler werden gerne mal eliminiert.

    Unter Zuhilfenahme modernster Technik (und den Kampfrufen "Globalisierung" sowie Rationalisierung) werden
    systematisch Existenzgrundlagen von Millionen von Kleinbürgern vernichtet.

    Die Eliminierung der Sozialgesetzgebung (die eigentlich dazu dienen sollte, den sozialen Abstieg in Notzeiten zu verhindern ... so hat in den siebziger Jahren schon mal ein Zuhälter in Not die Raten für seinen Porsche bezahlt bekommen - so war´s Gesetz) führt dazu, das Arbeitnehmer, die dreißig Jahre lang geschuftet und gespart hatten, auf einmal kalt enteignet werden (alldieweil vorm verharzt werden das Aufbrauchen der eigenen Rücklagen steht). Besser wäre es gewesen, sie hätten alles sofort versoffen ... dann hätten sie von ihrer Sparsamkeit wenigstens ein paar schöne Tage gehabt.

    Oder - anstatt brav Steuern und Beiträge zu zahlen - ein bischen was in die Schweiz gebracht.

    Aber: wer konnte mit diesem Verrat schon rechnen.

    Und wer konnte damit rechnen, das das von Kanzler Schmidt so schön benannte "Modell Deutschland" Jahre später insgeheim mit einem brutalen Krieg überzogen wird - einem Wirtschaftskrieg.

    Lange vorbereitet, mit vielen Lobbyisten, die Einfluß auf alle gesellschaftlichen Schichten und erst recht auf viele Abgeordnete nahmen, und dann - natürlich als "Sachzwang" verkauft - eiskalt durchgeführt.

    Bruder gegen Bruder. Der Reiche gegen den Armen. Die Mächtigen gegen die Hilflosen.

    Wer ist da wohl eher ein vaterlandsloser Geselle?

    Und wofür?

    Für ein paar Zahlen mehr auf dem Konto.

    Die nun wieder gelöscht werden.

    Es wird Zeit, das auch solche Kriege gebrandmarkt werden - als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Die Wirtschaft sollte für den Menschen dasein, nicht der Mensch für die Wirtschaft.

    Profit an sich ist kein Selbstzweck. Wenn er menschliche Existenzen zerstört, muß er weg - er hat seinen Sinn verloren.

    _________________________

    Und außerdem: ihr habt letzten Monat den Tante-Emma-Laden im Nachbardorf ausgelöscht. Habe ich gestern erfahren. Er machte Gewinn, genug für einen Arbeitsplatz ... aber nicht genug Profit für euch. Darum wollte ich euch einfach mal meine Meinung sagen.
    500 Einwohner aus den umliegenden Dörfern müssen jetzt mindestens 25 km zum Einkaufen fahren.
    Und die Kinder können nicht mehr zu Fuß selbständig ihre Bonbons und Comichefte kaufen. Die alten Leute ohne Auto sind völlig aufgeschmissen. Die leeren Schaufenster verschandeln das Straßenbild.
    Und die ARGE hat bald einen neuen Kunden. Die Putzfrau verdient auch nichts mehr. Und die Hausbesitzer, die die Räume vermietet haben - geraten zunehmend in Schwierigkeiten. Steuern und Abgaben bleiben nämlich.
    Das alles weil Kapital sich nicht schnell genug vermehrte.

    Und wer kommt für den Schaden auf?

  • Hypo Real Estate ... das Mittel der Wahl zum Staatsbankrott

    Da haben wir es wieder.

    Beschissen, verraten, verkauft. Warum gewöhnt man sich nicht endlich dran?

    Schaut man die Meldungen der Bundesregierung und vor allem der "Experten" in den letzten Monaten an,
    wimmelt es von Fehleinschätzungen, naiven Beschwichtigungen und einfältigem Zweckoptimismus.

    Und nun ... taucht auf einmal wieder ein schreckliches Gespenst aus der Überraschungstüte der Finanzwelt auf.

    1.000.000.000.000 Euro (wer keine Lust mehr hat, Nullen zu zählen: EINE BILLION, gut 50% des gesamten Bruttoinlandsproduktes der BRD eines Jahres) könnte die (unverzichtbare)Rettung der Hypo Real Estate dem Staat kosten (Wer´s nicht glaubt soll googeln).

    Und das ist nur ein Teilnehmer einer maroden von neoliberaler Gier zugrunde gerichteten Marktwirtschaft.

    Und das soll wirklich keiner gewußt haben? Niemand? Nie irgendetwas gemerkt? Auch schon mal vergessen, die Hose anzuziehen, als man ins Parlament oder zur Aufsichtsratssitzung gegangen ist? Ja? (OK, dann glaub ich es).

    Wie schön, das erste Stimmen ein internationales Finanzverbrechertribunal fordern.

    In einem Rechtsstaat, der Kassiererinnen legal für 1.30 Euro kündigt, müßte doch auch die gezielte oder billigend in Kauf genommene Vernichtung einer Volkswirtschaft strafbar sein, oder?

  • Briefe an die Leser: Arbeitslosenhasser! Aufgemerkt! Ihr habt Recht!

    Liebe Arbeitslosenhasser!

    Lange habe ich mir eure Reden angehört, euren Argumenten gelauscht, von euren inszenierten Talkshows vernommen, euer Feindbild studiert.

    Und nun muß ich feststellen: ihr habt ja recht.

    Es fehlen Anreize.

    Arbeitsanreize.

    Ja ja, ich habe dazu gelernt.

    Darum will ich auch nicht mehr klagen, jammern und verurteilen, sondern einiges zu Lösung anbieten.

    Arbeitsanreize anbieten, deren Reiz sich wirklich keiner entziehen kann.

    Und - wunderbarerweise - habe ich festgestellt, das IHR SELBST es in der Hand habt, solche Anreize zu schaffen, ihr könnt es auf nie dagewesene Art und Weise schaffen, Leistungsorientierung in die Köpfe all jener zu bringen, die sich bislang diesem hehren Ideal so stumpf verschlossen haben.

    Wie sieht denn das Leben eures Standardlangzeitarbeitslosen aus?

    Sitzt den ganzen Tag vor dem Fernseher, hat Übergewicht, trinkt billigen Alkohol und verblödet bei lebendigem Leibe.

    Und jetzt: Zack! machen wir ihn fertig!

    Wir laden ihn einfach mal am Wochenende mit zehn seiner Kollegen zu einem Schnupperkurs in unserem Golfclub ein. (Gebt ihm die anrechnungsfreien hundert Euro, damit er die Anfahrt auch bezahlen kann.
    Ist doch ein Klacks). Und dann - wenn genug geübt ist - einfach mal ein paar Löcher mit den Jungs spielen.
    Na, die werden sich wundern, was ihnen entgeht.

    Zum Abschluß noch eine Flasche Eiswein für 150 Euro (oder, wenn ihr mutig seid, auch richtig edle Tropfen).

    Was meint ihr, wie die abgehen nach dieser Erfahrung! Die kaufen sich sofort alle Stellenanzeigen, die sie nur kriegen können und schreien nach Überstunden!

    Zum nächsten Opernball einfach mal ihre Frauen einladen. 100 Euro Spaßgeld verteilt, Garderobe leihen - was meint ihr, wie diese Frauen ihre Männer nach diesem Event anspornen werden! (Und es wird deutlich billiger als wieder mal eine Berühmtheit für ihre Begleitung zu bezahlen).

    Und dann die Kinder einfach mal am Wochenende zum Segeltörn in der Nordsee mitnehmen. So wie die dann
    an ihrem Alten herumnörgeln werden - soviel Druck kriegt keine ARGE hin!

    Und falls sich Papa immer noch resistent zeigt ... einfach mal am Wochenende den Porsche leihen. Da bricht dann auch der letzte Widerstand!

    Also ... wenn nur 1.000.000 von euch da mitmachen - reicht ein Wochenende und das Problem ist gelöst.

    Da es 8.000.000 von euch gibt, wäre nur jeder achte dran!

    Oder jeder macht mit und wir ziehen das zwei Monate durch ... nur um ganz sicher zu gehen.

    Kostet euch doch so gut wie nichts! Prozentual gesehen, bei dem was ihr einstreicht!

    Und dann schaut mal, was das bringt!

    Ihr könntet sogar kostenlos PR bekommen, alle Medien werden über euch berichten. Und die momentan ansteigende Wut auf euch wäre auch die Luft aus den Segeln genommen.

    "Die tun was, die Reichen" würde es heißen! Und: man kurbelt den Konsum an. Da haben doch alle was von.

    Nun: was sagt ihr?

    Ihr könnt auch gern eigene Vorschläge machen: mal ne Vorstandssitzung besuchen lassen, ne Runde im Privatjet für die ganze Familie spendieren, eine Shoppingtour mit der eigenen Gattin in London (ist wegen dem Pfund gerade ganz billig)....der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt!

    Und man tut was für die Verständigung zwischen den extremen sozialen Schichten. Das schweißt das Volk zusammen.

  • Briefe an die Leser: Merkel! Schaffe Arbeitsplätze! Brauche Geld!

    Liebe Frau Merkel, lieber Herr Obama.

    Wie ich der Presse entnehme, haben Sie gerade ein kleines Problem mit der Wirtschaft.

    Ich auch.

    Wie heutzutage so üblich habe ich - vollkommen überraschend - ein winzig kleines Loch in meinem Haushalt festgestellt.

    Keine große Summe, lediglich 20.000.000.000 Euro.

    Ich weiß auch nicht, wie das kommen konnte. Muß irgendwie mit der Börse zu tun haben. Oder der Wirtschaftskrise. Oder mit dem Loch in meinem Geldbeutel.

    Wer weiß das schon.

    Auf jeden Fall: ich brauche das Geld.

    Denn: ich schaffe Arbeitsplätze.

    Ich dachte, ich engariere 10.000.000 Alg 2 Bezieher 20 Monate dafür,
    das sie den Konsum ankurbeln. Für die Dauer der Anstellung erhalten sie monatlich 100 anrechnungsfreie Euro.

    Ich garantiere ein gesamtwirtschaftliches Investitionsvolumen von 20.000.000.000 Euro.

    Von dem Geld landet nichts in Lichtenstein, Luxemburg oder den Bahamas.

    Und ich garantiere ... eine Reduzierung der Kinderarmut in Deutschland.

    Meine Kontonummer gibt´s auf Nachfrage.

    (Ja ja, ok. Ich wandel es in eine Stiftung um und besetze die Vorstandsposten mit von Ihnen empfohlenen Parteimitgliedern. Aber: das kostet extra. Läuft der Deal dann?)

    Falls sie mir eine Befreiung meiner Angestellten von der Studiengebühr garantieren können, verpflichte ich mich, meine Angestellten zu ausgesuchten Vorlesungen an bundesdeutsche Hochschulen zu schicken - sofern die ARGE die Reisekosten übernimmt.

    Somit hätten wir auch was gegen den Bildungsnotstand getan. Wer keine Uni in der Nähe hat, darf zur Volkshochschule oder zum Besäufnis der Kreishandwerkerschaft. Um mal wieder unter Leute zu kommen.

  • Schlechte Arbeitsbedingungen - ein vergessener Skandal?

    "Wieso schreibst du eigentlich nicht mal was über schlechte Arbeitsbedingungen?" - wurde ich heute gefragt.

    "Weil ich dann gar nicht mehr wüßte, wo ich anfangen sollte. Würde wahrscheinlich tippend verhungern"
    war meine Antwort.

    Wir leben in Zeiten, wo die mit der Butter frech werden (siehe Header). Hier noch "Ansprüche" zu stellen, würde ja schon an Blasphemie grenzen.

    Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter - eine Folge: die Mehrzahl der Arbeitnehmer laufen mit
    der "inneren Kündigung" herum und träumen von dem tollen Leben nach dem Lottogewinn ... oder von der glücklichen Zeit im Ruhestand.

    Kein Wunder, das ein geheimer Haß auf jene besteht, die nicht in der Tretmühle stecken - auch wenn sie sich deshalb keinen neuen Flachbildschirm und nicht jeden Tag Wurst leisten können.

    Ich könnte aber recht schnell einen Idealzustand formulieren:

    wenn der Arbeitsplatz so befriedigend bis beglückend gestaltet ist, das man den Job auch machen würde, wenn er nicht bezahlt werden würde ... dann sind die Arbeitsbedingungen ok. (Das ginge mit sehr vielen Jobs - auch wenn es sich utopisch anhört. Möglicherweise sogar mit allen.)

    Jeder kann sich ausmalen, wie fern diese Utopie ist...und was man sich alles einhandeln würde, wenn man solche Utopien (die in den siebziger Jahren nicht ganz unüblich waren) heutzutage formulieren würde.

    Es ist wie auf einer römischen Galeere: man motiviert die Rudersklaven mit dem Hinweis auf jene, die man gerade verharzt über Bord geworfen hat und an einem langen Tau hinter dem Schiff herzieht. Damit die aktiven Sklaven ja nicht wieder auf falsche Gedanken kommen...immerhin könnte man sie schnell austauschen.

    Eine Motivationsmethode, die den Krankenstand in Deutschland auf einen historischen Tiefstand gesenkt hat.

    "Arbeiter, wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still" ist so etwas von völlig von gestern, das es wohl kaum noch einer aussprechen mag.

    Weil die Wahrheit ist: das international tobende Buchkapital braucht eigentlich kaum noch Arbeiter und Konsumenten.

    Und bald werden Roboter auch noch den Rest erledigen.

    Gut das das Kapital jetzt verbrannt ist.

    War scheinbar eh´ nur eine Illusion.

  • Macht Gymnasium asozial?

    Es ist eine Zeit her, da hörte ich von einer Studie unter New-Yorker Gymnastiasten.

    Je höher der Leistungsdruck wurde, umso auffälliger stieg der Mangel an sozialen Qualifikationen an.

    Dabei machen - so eine andere Studie - Sozialkompetenz/emotionale Intelligenz inzwischen schon 60 % des Fähigkeitenpools eines Top-Managers aus, die er notwendigerweise braucht, um seinen Job effektiv machen zu können.

    Das wird manche Profikarrieristen an den Universitäten jetzt erschüttern, das sie mit ihrer technischen Brillianz irgendwann im mittleren Management hängenbleiben werden.

    Genauso wie mich die Studie über die Sozialkompetenz deutscher Studenten erschüttert hat ... und da konnte ich mich wieder an die New-Yorker Studie erinnern.

    Jo ... das ist jetzt eine gewisse Zeit her. Die ersten Opfer weniger bildungs- und mehr leistungsorientierter Schulpolitik dürften jetzt an den Universitäten herumlungern.

    Und brauchen Nachhilfe in ganz selbstverständlichen Werten eines demokratischen Gemeinwesens.

    Da wird man doch wohl mal fragen dürfen: Macht Gymnasium asozial?

  • Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

    Derzeiten schweifen viele böse Geister durch die Welten, verbreiten Angst und Schrecken.

    Armut, Entrechtung, Entwürdigung, Entmündigung und dergleichen mehr.

    In diesen Situationen mag es hilfreich sein, sich mit Überlebensstrategien von Menschen auseinanderzusetzen, die in einer viel schlimmeren und aussichtsloseren Situation waren, aus deren Warte heraus sich auch der ärmste Armen der BRD noch sehr reich fühlen kann.

    Ich meine die Opfer der Konzentrationslager.

    Vor allem einen: Viktor Frankl.

    Er war einer der Insassen. Hoffnungslos, verzweifelt, ängstlich.

    Und hatte ... ein Erlebnis.

    Überstand und überlebte das KZ und entwickelte aus seinen Erfahrungen eine Therapieform - die Logotherapie.

    Kernpunkt ist ... dem Leben Sinn zu geben.

    Besser gesagt: dem eigenen Leben selbst einen Sinn zu geben.

    "Sinn des Lebens" wird seit sechzig Jahren aus allen Medienecken gepredigt: die beständige Anhäufung
    sinnentleerter Produkte, das möglichst perfekte Styling des eigenen Körpers und Lebensumfeldes ... doch das wäre nicht in Frankls Sinn. Dieser aufgesetzte Sinn ist weder nachhaltig noch stabilisiert er die Persönlichkeit - und glücklich macht er kaum.

    Eine Überlebensstrategie, die einem Glückserlebnisse selbst in einem Konzentrationslager beschehren kann,
    sollte auch geeignet sein, Hartz-Repressalien besser zu bewältigen.

    Darum lohnt es sich für den einen oder anderen vielleicht, sich mal selbst mit Viktor Frankl auseinanderzusetzen.

    Zu reflektieren, ob denn das Leben auch in Armut einen Sinn ergeben kann.

    Denn "Sinn", wie Viktor Frankl ihn versteht, kann glücklich machen.

    Und wenn man glücklich ist ... wieviel Geld braucht man dann noch?

  • Arbeitslosigkeit: die Täterpropaganda

    Es schleicht sich heimlich still und leise in unser Bewußtsein, sanft und hinterrücks gesteuert durch
    raffiniert angelegte Kampagnen.

    Wer seine Arbeit verliert ... ist ein Täter. Ein Verbrecher fast schon.

    Willentlich und in böser Absicht stürzt er sich in die Armut, um anderen auf der Tasche zu liegen und diese so richtig übel zu unterdrücken. Nur so aus Spaß betrinkt er sich jeden Tag maßlos, raucht sich die Lunge platt (von wegen: Fit for Job) und genießt den ganzen Tag kulturell hochwertige Unterhaltung aus dem Hause Bertelsmann. Voller Verachtung für wahre Werte meidet er Tennisturniere, entzieht sich dem Golfsport, ruiniert den Fernreisetourismus und glänzt durch Abwesenheit beim Opernball. Durch gezielten Konsumstreik bringt er zudem auch noch tausende von Arbeitsplätzen in Handel und Verkauf in Gefahr.

    So scheint es jedenfalls.

    Dabei wäre es doch legitimer, Arbeitslose anders zu sehen.

    Selbst wenn sie wirklich so monströs wären, wie das Bertelsmannimperium einem klarmachen will ...
    so bräuchten sie doch eher Ärzte, die die psychischen Folgen der Arbeitslosigkeit auffangen, Motivationstrainer, die ihnen Lebenssinn und Techniken der Streßbewältigen beibringen, Sozialarbeiter, die
    ihnen helfen, die gezielte gesellschaftliche Ausgrenzung zu überwinden. Spendenaufrufe wäre vonnöten, um die größte Not zu lindern - und produktive Strategien, das Millionenheer von Arbeitslosen wieder
    konstruktiv am kostspieligen modernen menschlichen Leben teilhaben zu lassen.

    Es wäre wichtig, sie als Opfer zu begreifen.

    Als Opfer von Gewalttaten.

  • Das notwendige Ende lebendiger Religiösität

    "Du sollst keine Götter neben mir haben" - meinte der alttestamentarische Gott.

    Sein Nachfolger, der "Fortschritt" fordert dies ebenso. Jede Art von transzendenten "Sinn" im Leben ist im Dienste des Konsums (der eigentlich nur die Abfallverwertung des Fortschrittes ist) zu eliminieren und bekämpfen.

    Es wäre zu weit gedacht, wenn man auch die Tatsache, das die US-Kavallerie in den Indianerkriegen schnellstmöglichst die Medizinmänner eliminierte, als Dienst an dieser Entwicklung sehen würde - aber denkbar wäre es.

    Auch wenn es einen akademischen Streit gibt um die Herrkunft des Wortes "Religio", so kann man es nutzbringenderweise übersetzen mit "Anbindung".

    Anbindung an etwas, das über diese Welt hinausreicht.

    Diese Anbindung hat, wenn sie aus tiefster innerster Überzeugung heraus geschieht, sehr wohltuende Folgen für das Individuum ... es wird weniger ängstlich, innerlich ausgeglichener und weniger manipulierbar.

    Kostenloses "Opium fürs Volk".

    Darum ist "lebendige Religiösität" ein natürlicher Feind all jener, die Menschen durch Angst und Zwang zu manipulieren suchen.

    Nun - wir haben doch Religion in unserem Lande, wird man sagen. Zwei riesengroße reiche Kirchen, eine sogar mit dem "Stellvertreter Gottes auf Erden"...... mehr geht doch wohl nicht.

    Neben vielen schönen landschaftlichen, kulturellen und historischen Schätzen beherbergt die kleine Eifel
    auch einen kleinen, mir persönlich sehr wertvollen Schatz: Die Zenklausen.

    Dort findet man zwei ältere Damen, die fast ganz in Eigenarbeit einen paradiesischen Platz geschaffen haben. Sie waren einst als christliche Missionare in Asien unterwegs, um den Menschen Religion zu bringen .... bis sie festgestellt haben, das dort "Religion" noch sehr lebendig ist - und sie nichts zu bieten hatten, was dem gerecht wurde.

    Was sie aber festgestellt hatten war, wie armseelig, leblos, leer und unreligiös unsere eigene Kultur geworden war. Also setzten sie sich das Ziel (unter Zuhilfenahme der Techniken, die sie mitlerweile
    erlernt hatten) den Menschen hier etwas zu geben, das ihnen helfen kann, mit Notzeiten im Leben besser umgehen zu können.

    Ganz in Eigenarbeit - mit einem ständig wachsenden Freundeskreis - schufen sie einen Ort der Besinnung, der Ruhe, der Abgeschiedenheit, wo man vor allem eins lernen kann:
    Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge des Lebens, die sehr beglückend sein kann.

    Und wer gelernt hat, wie glücklich Licht und Wind, Erde und Baum machen kann, der mag erahnen,
    das auch in Hartz IV Zeiten ein Weg zum Glück möglich ist.

  • Roboter bekämpfen Pflegenotstand ... und mehr.

    So etwas liest man in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit immer gern. (Links setze ich momentan nicht,
    bei Interesse bitte selber suchen).

    Man freut sich auch als Mensch, der altert, so etwas zu hören. Tolle Vorstellung, im Alter auf einem Fließband zu liegen, von Robotern gewickelt, gefütter, abgeduscht und abgetrocknet zu werden um letztlich wieder von einem mechanischen Greifarm ins Lagerbett gelegt zu werden, wo man weiterhin stundenlang auf einen (dann sicher noch flacheren Flachbildschirm) starren zu dürfen, der einem pausenlos zeigt, wie viele
    tolle Waren sich immer weniger Leute kaufen können.

    So viel menschliche Wärme, Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit wünscht man sich fürs Alter. Im Kreise seiner geliebten Mitmaschinen auf das Ende zu warten (oder auf den Beginn des größten Abenteuers, je nach Definition der eigenen Weltsicht).

    Die Entwicklung des Pflegenotstandes durfte ich durch Berichte aus erste Hand mitverfolgen.

    Ein Studienkollege und Jugendfreund von mir war aus idealistischer Motivation heraus in die Altenpflege
    gegangen.

    Zehn Pfleger waren auf seiner Station, es war viel Zeit für Gespräche, viel Zeit für Hilfe, sehr viel Zeit um wertvollem gelebtem Leben zu lauschen.

    Dann kam der Zwang zur wirtschaftlichen Effektivität, das Geld wurde knapp, der Neoliberalismus brauchte das Kapital, um eine künstliche Kaste von Neureichen zu schaffen...unverzichtbares Element dieser Ideenwelt.

    Irgendwann waren nur noch zwei Pfleger auf der Station, der "Pflegeschlüssel" war verändert worden.

    Jetzt war nur noch "Grundpflege" möglich ... und der Pflegenotstand war geboren.

    Auch die Bundeswehr möchte ihre Roboter jetzt bewaffnen. Wer weiß, welche Notstände die mal bekämpfen sollen.

    Der CEO der Nestle-Gruppe ließ einmal in dem Film "We feed the World" beiläufig einen bewundernden Satz über japanische Firmen los, sinngemäß: "Toll, die Japaner. Nur Maschinen, keine Menschen".

    Da kann es einem eiskalt über den Rücken laufen.

    Wir Menschen sind nur noch "Kosten auf zwei Beinen". Das Kapital kommt bald ohne uns aus. Es vermehrt sich schon jetzt selbstständig.

    Manchmal kann man sich schon vorkommen, als befände man sich auf dem Weg in einen schlechten, futuristischen Horrorfilm.

  • Aktion: Schweigeminute für Hartz-Tote

    Diese Aktion gibt es nicht.

    Sollte es aber.

    Konkrete Zahlen gibt es nicht. Wer sollte auch schon ein politisches Interesse daran haben, viel Geld in teuere Subgruppenanalysen zu stecken.

    Einzelfälle sind bekannt. Ein Hungertoter in Speyer (später erfährt man ... ganz leise ... das ihm die Bezüge zu Unrecht gekürzt wurden). Junge Welt zitiert den Abschiedsbrief eines Sozialaktivisten, der für sich als Behinderter kein menschenwürdiges Leben mehr in diesem Land findet. Tacheles-Sozialhilfe spricht von 1000 Toten seit Einführung der Gesetzgebung ... und einer wesentlich höheren Dunkelziffer.

    Wo soll man auch anfangen zu zählen?

    Nur die Leistungsbezieher?

    Oder auch all jene, die lieber sich und ihre Familie auslöschen, um ja nicht in die Nähe der so wohlwollend gespendeten Leistung zu kommen?

    Oder auch jene, die lieber erst gar nicht den Schulbesuch beenden, sondern aus der Perspektivlosigkeit heraus sich lieber komplett aus einer immer menschenfeindlicheren Gesellschaft herausziehen?

    Das wäre eine Aktion, die jeder Blogger mittragen kann.

    Jeden Montag morgen ein Eintrag: Heute, 8.00 bis 8.01 - Schweigeminute für Hartz-Tote.

    Es ist fast egal, wie viele es sind ... jeder einzelne ist zuviel.

  • Briefe an die Leser: Ulf Poschard - Klasse! Schluß mit Sozialmißbrauch!

    Lieber Ulf,

    manchmal ist man sich ja wirklich für nichts zu blöde. Gerade zur Karnevalszeit. Die Debatte zum Sozialmißbrauch in einem Kommentar der "Welt" mit dem Hinweis "jammern, wenn auch der neuen Flachbildschirm nicht vom Sozialamt bezahlt wird" zu starten, zeugt ja gleich von unglaublicher Kompetenz.... Deinerseits. Es gibt schon seit vielen Jahren keine Sachleistungen mehr ... und die Sozialämter sind weitestgehend abgeschafft. Da gibt es jetzt was neues, weißt du. Das nennt sich Hartz IV.
    Ja genau, von diesem Peter Hartz. Ja - der mit den Bordellbesuchen. Nein - mit Bordellen hat das nichts zu tun ... obwohl man sich unter diesem Gesetz schon ganz schön prostituiren muß, wie man hört.
    Manche werden auch direkt in die Prostitution vermittelt ... doch das ist eine andere Geschichte.

    Solltest Du dich mal drum kümmern. Aber wenn du schon mal nach einigen Jahren Abstinenz anfängst, die Welt um dich herum wieder wahrzunehmen (sag mal: trinkst du etwa?), möchte ich Dir noch ein paar kleine Fälle von realem Sozialmißbrauch mit auf die Reise geben, die einen größeren Schaden verursachen, als alle Sozialhilfeempfänger in der Geschichte der BRD zusammen.

    Steuerhinterziehung ... der klassische Fall von Sozialmißbrauch. Wie Schwarzfahren ... mitwollen, aber den Eintritt nicht zahlen. Fordere doch einfach mal Geldstrafen in zehnfacher Höhe der hinterzogenen Betrages, ab einer Million: konsequenter Entzug der Bürgerrechte inklusive Abschiebung. Schwarzfahrer müssen auch sofort aussteigen.

    Subventionsbetrug ... ein weiterer klassischer Fall von Sozialmißbrauch. Hilfebedürftigkeit vortäuschen,
    aber einfach nur den neuen Porsche damit bezahlen wollen. Fordere sofortige Enteignung mit Zugriff auf das Privatvermögen.

    Steuerverschwendung ... für aktuelle Fälle dieses jahrzehntealten Übels wende ich bitte an den
    "Bund der Steuerzahler". Fordere persönliche Haftbarkeit für den Beamten inklusive Zugriff auf das Privatvermögen. Wer aus Dummheit, Desinteresse, Langeweile oder schlichtem Hochmut Milliarden in den Sand setzt, sollte sich dazu setzen dürfen.

    Abrechnungsbetrug ... vor allem bei Ärzten ein beliebter Sport. Frage nur mal die Krankenkassen.

    Versicherungsbetrug ... kein Sport für ärmere gesellschaftliche Schichten. Die können sich keine Versicherung mehr leisten, die sie betrügen könnten.

    Anlagebetrug ... der Grund für die aktuelle Krise. Billionen verschleudert, Millionen von Menschen um ihre Existenzgrundlage gebracht (Ende offen), ein offensichtlicher Mißbrauch der Möglichkeiten, die einem die Solidargemeinschaft eingeräumt hat. Empfehle die Forderung: Einzug des kompletten Privatvermögens, lebenslängliches Vermögens- und Einkommensverbot, Entzug der Geschäftsfähigkeit (aber erst nach dem Ende des erfoderlichen Gefängnisaufenthalts).

    Natürlich mußt du Dich auch um den Sozialmißbrauch bei Sozialämtern kümmern. Klar. Ist ungefähr so, als würde ich bei einem Auto Schmutz auf den Sitzen anprangern, aber den ausgebauten Motor, die fehlenden Reifen und zerbrochenen Fensterscheiben ignorieren.

    Also Ulf, an die ARBEIT: auf zum Kreuzzug gegen Sozialmißbrauch.

    Wenn du damit erfolgreich bist, haben wir zwar viel weniger Millionäre, aber dafür genug Geld fürs bedingungslose Grundeinkommen.

  • Der Mießfelder der SPD

    Was tut man nicht alles, um endlich mal wieder in den Medien aufzutauchen.

    Gerade als SPD-Politiker.

    Die Partei, die gerade den größten Absturz einer Partei in der Geschichte der BRD absolviert
    (Schröder! Das gehört ja auch noch auf Deine Liste!) macht einem Politprofi ja auch nicht gerade Hoffnung
    auf Weiterbeschäftigung.

    Da muß man schon mal vorsichtig schauen, ob man nicht auch den Metzger machen kann (Oswald Metzger, erst bedeutungslos, dann Grüner, dann CDU, jetzt wieder dauerhaft bedeutungslos. Er machte es vor mit dem Spruch, das der Lebenssinn von Sozialhilfeempfängern darin bestehe, Kohlehydrate in sich hineinzustopfen und vor dem Fernseher zu sitzen. Nun - Oswald - damit mußt du jetzt auch Deine Zeit vertreiben, oder?).

    Der Berlin-Neuköllner Brügermeiser Buschkowsky weist uns heute in der WELT freundlich darauf hin,
    das bei Eltern mit geringer sozialer Kompetenz das Geld "oft für alles möglich, nur nicht für die Kinder ausgegeben wird". Neueste Handys, Teuerste MP-3-Player - aber kein Schulbrot in der Tasche.

    Stimmt, das kann ich nur bestätigen. Solche Eltern mit geringer sozialer Kompetenz gibt es zu Hauf:
    Haus gekauft, das man sich nur leisten kann, wenn beide Elternteile arbeiten gehen - und Gewissen beruhigt, indem man Junior mit dem besten Elektrospielzeug ausstatten kann, das man für Geld kriegen kann.
    Oder beide wollen Karriere machen, um das Ego zu befriedigen: er als kleiner unbedeutender Provinzbürgermeister, sie als Redakteurin einer Modezeitschrift.

    Bei Hartz-IV-Empfängern müßte man für solche Anschaffungen allerdings auf Heizen, Wasser und Stromverbrauch verzichten. Vielleicht machen manche das sogar ... damit bei ihrem Kind in der Schule die Armut nicht so auffällt. Und Ansehen bei Mitschülern erhält man nicht durchs Butterbrot.

    Geringe Sozialkompetenz hat mit Einkommen nichts zu tun ... wie Buschkowsky gerade wieder mal bewiesen hat.

  • Finanzkrise ... das Ende der Parteien

    Am siebten Februar klang im Feulliton der FAZ etwas merkwürdiges an. Man werde sehen, so der Tenor, was ein Parteien übrig bleiben würde, wenn der Sturm der Finanzkrise vorüber sei. Es wurde erwähnt,
    das die etablierten Parteien ... anders als die Privatinitiative ATTAC ... von der Krise völlig überrumpelt wurden.

    Huch.

    Sollte man sich da erschrecken? Wenn das Land keine Parteien mehr hat?

    Parteien sind doch eigentlich nichts für eine Demokratie? Wer stimmt denn schon wirklich 100% mit der Meinung einer Partei überein?

    Präzise gesagt ist eine parteigestützte Demokratie - trotz Wahlen - immer eine Oligarchie ... also die Herrschaft weniger mächtiger Personen/Gruppierungen.

    Und Parteien sind leicht manipulierbar. Ein Job für die Tochter hier, ein Auto für den Sohn, eine Lehrstelle für den Enkel, eine schöne Reise für die gnädige Frau, ein paar kleine Geldspenden an den Sportverein des Schwagers ... schon sitzt der Spitzenpolitiker in der Zwickmühle....und wird weicher und weicher und weicher. So völlig ohne korrupt zu sein oder selber jemals irgendetwas genommen zu haben.
    (er kriegts seinen Vorstandsposten ja auch erst nach dem Ende seiner jeweiligen politischen Tätigkeit).
    Die Methoden der Einflußnahme durch Lobbyisten sind oft sehr subtil ... und völlig demokratiefeindlich.

    Vielleicht ist jetzt eine gute Zeit, auch in dieser Hinsicht mal was neues zu fordern. Vielleicht einfach mal bei der alte Weimarer Räterepublik nachschauen.

    Also ... Parteien ...

    Mir würden sie nicht fehlen.

    Ich weiß sowieso nie, wo ich mein Kreuz machen soll.

  • Für Hartz-IV-Opfer: Eine kleine soziale Utopie

    Vor einigen Jahren, als es noch Sozialhilfe gab, stieß ich in Aachen auf ein kleines Projekt.
    "All-in-one-soziale-Innovation". Meine beständig knappe Zeit war damals kaum noch vorhanden, doch trotzdem investierte ich den Rest in einige Aktivitäten dieser Gruppe.

    Der Hintergedanke hatte mich fasziniert: ein Dorf in der Stadt zu gründen, wo Menschen mit einem Minimum an finanziellem Aufwand (Kalkulationsbasis: Sozialhilfe) ein Maximum an Lebensqualität generieren können.

    Das Schlagwort "Mystik und Politik" nach einem Buch der Theologin Dorothee Sölle faszinierte mich besonders - wie will man das zusammenbringen (das wußte dort auch niemand - ich mußte es letztendlich selbst machen. Aber auch hieraus entstanden wertvolle Erkenntnisse zu einem praktikablen Stellenwert der Religion in einer Gesellschaft ... wenn sie denn lebendig ist und nicht nur zu Verwaltung und Disziplinierung der Massen dient. Ein bischen Opium sollte schon drin sein, sonst rauschts nicht genug)

    Schnell hatten wir 120 Interessenten zusammen. Rentner, die vereinsamt waren; Langzeitarbeitslose (darunter auch den damaligen König der Arbeitslosen Alfred Dregger - nicht zu verwechseln mit dem CDU-Politiker) die sich aus der sozialen Isolation heraustrauten, Alleinerziehende, die sich eine spürbare Erleichterung ihrer Lebenssituation erhofften, Studenten, die das soziale Experiment faszinierte, Architekten, die hofften, ihre Träume mit uns verwirklichen zu können, Beamte, die sich mehr echtes Leben in ihrem Alltag erhofften und viele spannende Menschen mehr. Ein unglaubliches Potential an know how: Klempner, Elektriker, Maurer, Maler, Näher, Musiker ... so viele wertvolle Berufsgruppen.

    Die Presse kam - und bald war ein Investor gefunden, der meinte, für so ein Projekt würde er auf Renditemaximierung gern verichten. Das erste Mietshaus war vorhanden.

    Dann lief einiges schief.

    Ich war - reinweg aus Zeitgründen - nur bei einer Gründungsversammlung dabei. Ansonsten hatte ich den Prozess telefonisch verfolgt, täglich mit dem Vorstand telefoniert, mal aus München, mal aus Hamburg, mal aus Berlin und täglich auf der Autobahn bis ... der auf einmal nicht mehr erreichbar war.

    Dann erreichten mich E-Mails mit Hilferufen von Menschen, die mich nur vom Hörensagen her kannten.

    Ich nahm mir Urlaub ... aber es war zu spät.

    Die Sache scheiterte an einem mir völlig unbekannten Tatsache: der Vorsitzende war hochgradig schizophren
    ... und nur unter Tabletten handlungsfähig. Im Hochgefühl der Entwicklung hatte er vergessen, die Tabletten einzunehmen und fortan immer wildere Aktionen in die Öffentlichkeit gerufen, die letztlich auch Probleme mit der Polizei ergaben. Das schreckte viele ab. Dafür vergaß er, zur Unterzeichnung des Mietvertrages für das Haus zu erscheinen - was den Investor verjagte.

    Bei der ersten Notsitzung, an der ich teilnehmen konnte, traten die alleinerziehenden Mütter geschlossen aus....wegen fortgesetzter sexueller Belästigung durch den Vorstand und einigen seiner engeren persönlichen Mitstreiter.

    Ich versuchte zu retten, was zu retten war ... aber es war zu spät. Aus vielen Gründen.

    Später habe ich mir vieles anhören müssen: so etwas ginge nicht, kommunistische Jugendträume, Sozialphantasien etc.

    Ich bleibe frech. Behaupte, es geht. Wenn man will, nüchtern bleibt, das Ziel diszipliniert im Auge behält
    und das ganze angeht wie ein Geschäftsmann sein Unternehmen.

    Nicht mit solchen Schlagworten wie "freie Liebe", "gemeinsames Eigentum" etc. Der Kommunist ist doch auch nur ein Kapitalist, der das Geld der anderen nur auf anderen Wegen in die Finger kriegen will. Haben wir doch gesehen.

    Aber als nüchterne Bedarfsgemeinschaft, die erkannt haben, das für 120 Leute 25 Waschmaschinen ausreichen
    (anstatt 60), das fünfzehn Autos (anstatt 45) den Fahrbedarf vollständig decken können, das 60 mal Miete zahlen genug Zinskapital für Eigentumsbildung aufbringen kann (in Berlin habe ich von einer Architektin erfahren, die so etwas für Hartz IV - Empfänger plant), das gemeinschaftliches Kochen Spaß macht und viel einspart (zur Not als Mensa aufgezogen, die sich das Essen bezahlen läßt), das eine große Telefonanlage billiger sein kann als 60 kleine und das eine Dorfgemeinschaft eine exportfähige Binnenwirtschaft errichten kann, die alle unabhängig macht von Fremdleistungen.
    60 mal Stromgrundgebühr zahlen oder Sonnenkollektoren mieten? Immer Wasser zahlen oder lieber eigenen Brunnen bohren?

    Außerdem hatte ich bei der EU schon Fördertöpfe ausgemacht ... aber für mich allein waren die zu groß.

    Es ist kein einfacher Weg. Gleicht eher der Reise des Odysseus. Voller Gefahren, voller Herausforderungen
    ... voller Wunder. Gefährlich - aber machbar. Eine Reise für Helden. Oder für jene, die sonst keine Chance mehr sehen. Macht auf jeden Fall mehr Spaß als Fernsehen gucken.

    Allerdings kenne ich die Hartz-Gesetzgebung nicht so gut ... fürchte aber, das unter dem Siegel
    "Bedarfsgemeinschaft" ein solches von uns angedachtes Konstrukt nicht mehr realisierbar wäre.

    Außerdem würde es sicher jeden Sachbearbeiter komplett überfordern. Und man müßte sich darauf verlassen können, das die ARGEn das Projekt unterstüzten, sonst bestände die Gefahr, das die Maurer zu ungünstigen
    Zeitpunkten in 1-Euro-Jobs gepackt werden und ihre Arbeit liegenbleibt.

    Anfangs dachten wir nämlich an die Renovierung alter Fabriken, die es in Aachen zu Hauf gab. Später fand ich ganze Schlösser (sogar im Rheinland), die man für ein Euro im Jahr 99 Jahre lang pachten konnte (Bedingung: Instandsetzung nach Denkmalauflagen. Hätte man hinkriegen können. Was für eine Lebensqualität wäre da möglich gewesen ... inklusvie ökologischer Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. Ein Paradies für Kinder.)

    Nun, es wäre schön gewesen, wenn man so ein Projekt damals durchgezogen hätte. Dann könnten wir jetzt alle selbstversorgt dem Zusammenbruch der Realwirtschaft gelassen ins Auge schauen - und vielen helfen, die jetzt unverschuldet in Not geraten. Viel know how weitergeben. Sollte aber nicht so kommen.

    Aber als kleine Utopie wollte ich das doch mal ins Netz stellen.

    Und - was soll´s - man wird ja wohl noch mal träumen dürfen.

    Man gönnt sich ja sonst nichts.

  • Briefe an die Leser: Hartz-Opfer! Es reicht! Ich mach euch jetzt reich!!

    Liebe Hartz-Opfer.

    So, jetzt ist vorbei. Mir ist der Kragen geplatzt. Das kann man sich ja nicht mehr mit ansehen.
    Schluß jetzt mit staatlich alimentiertem Elend. Es wird zurückgeschlagen.
    Aus gegebenem Anlaß heraus möchte ich ein wenig know-how zur Verfügung stellen, wie man ganz schnell ziemlich reich werden kann mit ganz wenig Arbeit.

    (Nein nein, nicht Bankraub, Frauenhandel, Drogengeschäfte, Waffenhandel, Aktientricksereien oder so. Bringt gut Rendite ... aber wir wollen doch legal bleiben, oder? Wir wollen doch nicht werden wie "die". Ihr wart immer ehrlich und korrekt, habt gearbeitet, gespart, eure Kinder versorgt, eure Steuern bezahlt ... bis ihr eines Tages merktet:
    in diesem Land ist gar kein Platz mehr für euch. Die Putschisten halten euch für besonders überflüssig).

    Also: erstmal leiht ihr euch 30000 Euro. Das sollte ja mal kein Problem sein

    (Nein, ich will da kein Gemecker hören. Ein bischen was muß man schon noch selbst leisten).

    Dann: feine Kutte an (zur Not kaufen), ab in den Flieger (1.Klasse, bloß nicht mit dem Pöbel reisen,
    schadet dem Selbstbewußtsein) und hin zu den chinesischen, phillipinischen oder mittelamerikanischen
    Sonderwirtschaftszonen. Ab ins Luxushotel (man braucht schon eine gute Geschäftsadresse. Und außerdem - ist´s dann auch noch ein schöner Urlaub) und nächsten Tag dann in die nächste Fabrik.
    Dort direkt bestellen: bitte 500000 Sweat-Shirts für 3 Cent (jo, mehr bekommen die Näherinnen nicht.
    Ob die davon leben können? Keine Ahnung, ich glaube, es reicht für dreimal Reissuppe am Tag. Mehr ist nicht drin. Aber was geht das uns an?). Macht, glaube ich, 15000 Euro. Einiges von der Restkohle geht noch drauf für Fracht und Versand, Bestechungsgelder (na, nun mal nicht kleinlich werden. Was NIKE kann, das könnt ihr doch wohl auch). Zur Not - je nach Frachtlage, muß man die Menge verkleinern.
    Bitte vorher vor Ort erkundigen. Zur Not einheimischen Studenten pachten.

    Dann, während die Ware per Schiff (total günstig: europäische Containerfrachter auf Rückleerfahrt. Bloß keinen eigenen aktiven Auftrag setzen. Wir haben Zeit) nach Europa unterwegs ist, ab in den Flieger.

    Jetzt kommt das leichteste. Hin zu den Einkäufern von Takko, Kik und wie sie alle heißen. Dort die Ware für 5 Euro das Stück verscherbeln (oder 1, wenn die Konkurrenz zu groß ist). Die verkaufen dann die absolut hochwertigen Markenartikel (ja, es handelt sich genau um solche Ware - habe ich noch nicht erwähnt? Gut, dann erwähne ich es jetzt. Das ist Spitzenware - den anderen Ramsch hätten wir billiger bekommen) für 14.99Euro - total billig bei der Qualität. Im Fachhandel zahlt man locker mehr als das doppelte dafür. Macht also für euch minimal 500000 Euro, maximal 2,5 Millionen. Je nach Verhandlungsgeschick.

    30000 Euro zurückzahlen, 30000 Euro in den Geldbeutel, den Rest gut verstecken. (Zur Bank würde ich ihn momentan lieber nicht geben. Vorher in Gold umwandeln wäre gut).

    Dann wieder los.

    Kinderkleidung ist ein Renner, Spielzeug auch. Oder Autoradios, Computer. Was immer euch gefällt.

    Ende des Jahres habt ihr locker mehrere Millionen zusammen - ganz legal.

    Wie jetzt "Das ist doch unethisch, das ist Ausbeutung"? Was soll den das Gemecker?

    Ja hört mal ... was denkt ihr denn, woher die schönen billigen Dinge bei Aldi, Lidl und Plus herkommen?
    Vom Himmel gefallen? Da kommen einfach geschickte Einkäufer vorbei, die Riesenmengen absetzen wollen, Leute, die eine gute Logistik aufgebaut haben. Eine Kinderjeans für fünf Euro kann einfach auch nur von Kindern genäht werden! Anders geht das gar nicht!

    Ich hatte vergessen zu erwähnen, das die Näherinnen Kinder sind. Och, wißt ihr - mit dreizehn ist man in vielen Ländern dieser Erde kein Kind mehr. Hier ja auch nicht, da haben die Konzerne jahrzehntelang fleißig dran gearbeitet. Aber in diesen Ländern ist das ganz legal ... und häufig sind Kinder die einzigen, die dort die Familie ernähren können.

    Och bitte, jetzt keine Klagen.

    Das nennt man "Kapitalismus", der funktioniert nur durch Ausbeutung. Erstkapital läßt sich nur durch Ausbeutung anhäufen, später gibt es auch andere Wege ... aber erstmal muß man da durch. Sonst bleibt nichts übrig, was sich später von selbst vermehrt. Oder Kriminalität - England ist im 19.Jhd durch Opiumgelder reich geworden ... fragt mal die Familie Rothschild, wie Uropa die Kohle in die Familie gebracht hat. Schaut euch die Mafia an - als legaler Konzern anerkannt würde sie es im internationalen Ranking auf Platz 13 der großen Konzerne bringen.

    Ja stimmt - unter dem Gesichtspunkt, wäre viel Geld, das im Umlauf ist, "schmutziges Geld". Nee, das von der ARGE nicht, das ist gewaschen. Wie, moment jetzt - ihr wollt lieber die kleine saubere Kohle als den
    großen (vielleicht ein klein bischen angeranzten) Topf?

    Ich versteh´ die Welt nicht mehr.

  • Briefe an die Leser: Studenten! Faules Pack! Dummköpfe!Und eine Gefahr für die Demokratie!

    Ein düsteres Bild zeichnet die Studie der Arbeitsgruppe Hochschulforschung an der Universität Konstanz.
    Angepaßt, gleichgültig, konzeptlos, beliebig, unpolitisch, unsolidarisch - so sind die Studenten von heute - so daß Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, für die knapp 9000 Studenten befragt worden sind.

    Besonders bedenklich ist die Tatsache, das die Distanz zu Demokratie wächst. Einer Autokratie, also einer Herrschaft durch eine feste politische Elite, "würden die Studierenden keinen Widerspruch oder Widerstand entgegensetzen", meinen die Autoren, und zwar, weil die Studenten "selbst Träger solcher Entwicklungen geworden sind".

    Die Autoren der Studie fordern von der Politik, die politische Bildung an Hochschulen zu stärken.

    Quelle: der Westen, 20.2.2009

    Da haben wir es wieder mal. Machen sich auf Kosten von Vater Staat und Pappa ein schönes Leben und beißen dann die Hand, die sie füttert.

    Was ist nur aus den deutschen Studenten geworden? Ein Studium ist ein Geschenk (der Gesellschaft, wohlgemerkt), dem man mit Achtung und Respekt begegnen sollte - und dem Bewußtsein der gesellschaftlichen Verantwortung, die damit einhergeht. Auch wenn Pappa es bezahlt: ohne Staat würde das ganze nicht funktionieren.

    Soviel Geld hat auch Pappa nicht.

    Selbst primitive Werte wie Umweltschutz, die jede ungebildete Hausfrau aus der Unterschicht als wichtig akzeptiert, überfordert den geistigen Horizont des durchschnittlichen Studenten von heute?

    Andere in eurem Alter arbeiten schon, und zahlen Steuern, damit ihr den Hintern bequem in der Mensa ablegen könnt!

    Und jetzt wollt ihr noch weitere Kosten erzeugen, den Staat nötigen, für euch Grundkurse in Demokratie und Staatsbürgerkunde einzurichten?

    Wie habt ihr eigentlich euer Abitur gemacht? Sport und Mathe wahrscheinlich!

    Da haben wir doch die jungen, gesunden Erntehelfer der Zukunft! Hat doch früher auch keinem geschadet, mal ein bischen echtes Leben zu erfahren! Von wegen - auch noch Semesterferien. Die gehören ja wohl vollständig gestrichen!

    Ich wußte es immer - die Studiengebühren werden dazu führen, das immer mehr Gesockse an die Universitäten kommt.

    Grüßt schelmisch: Eifelphilosoph

    Ps-ein Nachtrag noch: Natürlich gibt es für den Ernteeinsatz nur ein Euro die Stunde. Jaaaaa...
    was meint ihr denn, was eure Professoren uns schon kosten? Das Geld müssen wir irgendwo wieder hereinholen.

  • Briefe an die Leser: Hallo Dax!

    Lieber Dax.

    Schön, das du es heute endlich unter die 4000 geschafft hast. Ich möchte Dir sagen, wie wichtig das ist, was Du heute geschafft hast - nicht das Du denkst, es würde keiner bemerken.

    Dieser Börsenwahn hat uns alle in den letzten Jahrzehnten viel zu schaffen gemacht, weißt du?

    Shareholder Value hat weltweit Arbeitsbedingungen verschlechtert, Rechte vernichtet, Lebensqualität zerstört, Umwelt zerrüttet, Menschen getötet, verstümmelt, verletzt, zu Krüppeln gemacht - auch zu seelischen Krüppeln (und nicht nur die Armen).

    Ich weiß ... das ist nicht Deine Schuld gewesen.

    Nicht traurig sein.

    Dafür ist es umso wichtiger, das Du jetzt Deinen Kurs beibehältst.

    Leg Dich zur Ruhe. Ganz nach unten.

    Wirkliche, echte Werte werden dadurch nicht vernichtet. Nicht ein Apfel, nicht eine Schraube, nicht ein Bach verschwindet dadurch, weder Tier noch Mensch müssen dadurch echten Schaden leiden.

    Jedenfalls nicht, wenn man weise darauf reagiert.

    Aber das ist nicht Dein Problem.

    Das müssen wir allein, ohne Dich schaffen.

  • Nachtrag zur Sorge

    Man wird alt, ich vor allem.

    Da vergißt man manchmal etwas.

    Wenn wir von psychopathischen Massenmördern in den USA sprechen, dann reden wir von einem bestimmten Menschentypus. Immer gern verdächtigt wird der böse Schwarze. Immer gern zur Tat schreitet aber der gute weiße Mann, häufig Mittelschichtler. (Deshalb haßte Nietzsche vor allem diese "Gutmenschen").

    Ein Kind der Arbeiterklasse käme auch gar nicht auf solche Perversitäten. Die trinken sich lieber mal einen.

    In Brasilien hatte man in den siebziger Jahren (und auch heute noch) eine häßliche Erscheinung zu beobachten.

    Zur Mittagszeit konnte es schon mal geschehen, das eine reiche weiße Frau einen bettelnden Indianer mit
    Benzin übergoß und ihn anzündete, um dann - unerkannt - zu entkommen. Das war so ein Spaßsport von reichen Weißen zur Überbrückung der langweilen Mittagszeit. Anschließend ging es wieder an die Börse.

    Hetzjagden auf Slumkinder ist auch so ein Sport, der heute noch gern ausgeübt wird.

    Von reichen weißen Psychopathen.

    Der Soziologe Ulrich Beck prägte Ende der neunziger Jahre den Fachbegriff "Brasilianisierung der Gesellschaft" für die europäische Geschichte der Zukunft, die Erodierung des Mittelstandes und das Fortschreiten der Armut.

    Deshalb ist es nicht weit hergeholt, das wir uns auch andere häßliche Erscheinungen importieren.

    Und darum ist es wichtig, reiche weiße Psychopathen im Vorfeld zu entlarven und sicherzustellen.

    Bevor aus Verbalkillern Menschenschlächter werden können.

    Wehret den Anfängen ... und noch ist es nicht zu spät.

    Bevor noch Mießfelder und seine Mitläufer auf die Idee kommen, Rentner ab 70 in der Wüste auszusetzen, Arbeitslose zwangszusterilisieren und ihre Kinder (natürlich nur aus dem "edlen Motiv der Sorge" heraus) in staatlichen Lagern als billige Arbeitskräfte großzuziehen.

    Ach Mießfelder ... wenn du was gegen die Kinderarmut tun willst - suche doch mal ein paar Hartz-Kinder in deinem Wahlkreis, werde Taufpate und schenke diesen Kindern ganz persönlich was ganz teures. Ein Studium zum Beispiel. Oder adoptier doch ein Kind aus einer Alkoholikerfamilie.

    Du könntest auch Pflegekinder aufnehmen. Wenn deine Mitläufer sich der Bewegung anschließen, wäre den Kindern mehr geholfen als mit noch mehr Kindertagesstätten und unpersönlichen Gutscheinen.

    Meint: der Eifelphilosoph

  • Bekenntnis zur Sorge

    Ja, ich mache mir Sorgen.

    Nicht um mich. Ich werde bald 50 Jahre alt (hätte nie gedacht, das ich es soweit schaffe. Und es ist immer noch kein Ende abzusehen), habe mein Leben gelebt, alles erlebt, was ich wollte und was es zu erleben gab. Manche Dinge habe ich gut gemacht, andere waren Bockmist. Aber ich könnte morgen in Frieden gehen - wenn es sein müßte.

    Ich mache mir Sorgen um die Welt, in der meine Kinder leben sollen.

    Dinge, die selbstverständlich sind, schätzt man wenig. Man erkennt ihren Wert nicht mehr.

    Ich sitze gern mal in den Aachener Studentenkneipen mit Freunden zusammen. Genieße den Frieden.
    Manchmal schaut Günter aus Neuseeland vorbei ... dafür macht er gern die Reise.

    Die Vorstellung, das es denkbar ist, das meine Kinder (dann in meinem Alter) dort sitzen werdem und sich ansehen müssen, wie selbstgerechte Psychopathen "unwertes Leben", "Kosten auf zwei Beinen" durch die Straßen zu Tode hetzen, gefällt mir nicht.

    Das notwendigerweise Entsorgungspläne für Alte und Kranke in Kraft treten, weil es "nicht mehr finanzierbar ist", ebensowenig.

    Gerne würde ich mir einreden, das dies alles Paranoia ist.

    Aber ich habe die Geschichte des Dritten Reiches studiert ... und weiß, das so etwas machbar und möglich ist.

    Und schon mal geschehen.

    Nicht nur in Deutschland, nebenbei gemerkt.

    "Unwertes Leben" ist weltweit die Legitimation für Morde jeglicher Art (neben der Legitimation der Räuberei, wohlgemerkt).

    Damit "unwertes Leben" definiert werden kann, braucht man auch den Gegenpol, hier mal kurz "Herrenmensch"
    genannt.

    Früher war das der Adel, die Kirche, der Faschist oder - in rot - der Kommunist.

    Heute rührt sich eine andere Form des Adels am Horizont.

    Es sind kleine Meldungen am Rande, die "Spiegel-online" regelmäßig bringt.

    Auch wenn ich mich wiederhole (weil Grilleau mich da, glaube ich, schon mal zitiert hat):

    Wirtschaftlicher Erfolg genetisch bedingt.

    Wer Reich ist, ist ein (von neuen Gott "Genpool" und seinem Propheten Darwin) besonders gesegneter, wertvoller Mensch (der, nebenbei bemerkt, für Frauen besonders attraktiv sein soll und auch mal das Recht der Verbreitung seiner Gene durch Vergewaltigung - die mit ihm ja auch noch Spaß machen kann - in
    Anspruch nehmen darf).

    Wer arm ist ... hat schlechte Gene, die besser nicht verbreitet werden sollten - und gleich kommt der Begriff "Zwangssterilisation" in den Sinn.

    Alles schon mal dagewesen.

    Nur noch nie so erbärmlich, das aus "Reichtum" (legitimierte und vererbbare Räuberei, siehe Augstein) eine menschliche Qualität wurde.

    Nun - das ist wohl auch den Reichen irgendwie geläufig, weshalb sie spätpubertäre Naturwissenschaftler für solche Studien bezahlen (bei allen Studien muß man sich leider fragen: wer finanziert wen und mit welcher Absicht).

    Gleichfalls mache ich mir Sorgen um meine Studentenkneipe.

    Was ist, wenn die Entmenschlichten sich nicht kampflos ergeben?

    Wenn ich meinen Früchtetee bestelle, und eine rüstige Rentnerbrigade (die nichts mehr zu verlieren hat), mir eine Runde Molotowcoctails spendiert? Weil am Nebentisch sich die Psychopathenstaffel von der Menschenjagd erholen will?

    Das würde mir gar nicht gefallen.

    Ich habe einige Erfahrungen aus der Alltagswirklichkeit der USA. Und wirklich - da möchte man nicht leben wollen.

    Die Zahl der aktiven Massenmörder übersteigt die der BRD um ein Vielfaches. Bekannt sind über sechshundert aktive (also momentan aktiv mordende unbekannte Täter. Dazu kommt noch eine gewisse Dunkelziffer). Wieviele haben wir? Zwei dutzend? Zwei? In Relation zur Bevölkerung auf jeden Fall deutlich weniger.

    Todesursache 1 bei Jugendlichen: Schußwaffen.

    Bei uns ... Autounfälle und Selbstmord. Oder umgekehrt, ich habe die Zahlen vom letzten Jahr noch nicht.

    Wobei die hohe Selbstmordrate bei Jugendlichen kulturell eine abscheuliche Absonderheit ist.
    Das gab es früher nicht. Selbst in ärmlichsten Kulturen gab es genug Gründe zu leben. Warum eigentlich hier nicht? Pessimisten würden sagen: der gebildete deutsche Jugendliche weiß, welche Welt gerade für ihn gestaltet wird - und wählt das geringer Übel. Schade, das so viele Skandale durch die Presse geistern, das für diesen Skandal nicht genug Raum ist.

    Sorgend: Eifelphilosoph

  • Kindesmißbrauch, Alkohol und Nikotin, Kokain und Medikamente

    Nachdem diese Diskussion jetzt durch die Republik tobt, ist es Zeit, darüber mal ein paar Worte zu verlieren.

    Alkohol und Nikotin sind wie Kindesmißbrauch in allen gesellschaftlichen Schichten anzutreffen.
    Sie sind nicht das exquisite Privileg von Arbeitslosen und sonstigen per gesetzlichem Willen an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen.

    Alkoholismus (und Medikamentenmißbrauch - wg. dem leichten Zugang) sind vor allem bei chronisch überforderten Ärzten ein großes Problem.

    Kokainmißbrauch - bei ständig steigenden Zahlen, die jedoch nicht so gern an die Öffentlichkeit weitergegeben werden, kommt bei Arbeitslosen kaum vor.

    Politiker, Schauspieler, Sportler, Medienmenschen sind da schon eher der bevorzugte Kundenkreis -
    ebenso würde kein Bordell ohne zahlungskräftige Kunden funktionieren ... auch hier hebt sich der Arbeitslose positiv ab. Da hat er einfach kein Geld für.

    Genau wie die Räuberelite des Landes ihren Drogenkonsum mit der Kompensierung von großem Streß und großer Belastung legitimiert (jedenfalls sich selbst und ihren Therapeuten gegenüber) hat der Arbeitslose das Recht, seine seelische Belastung durch den Konsum legaler Drogen zu kompensieren.

    Dafür sind sie da.

    Emfpehlen sollte man das nicht - aber gesamtgesellschaftlich sind Bier und Wein billiger als wenn wir Arbeitslosen regelmäßig (dringend benötigte und medizinisch absolut gerechtfertigte) Psychopharmaka
    verschreiben würden.

    Im übrigen ist Rotwein äußerst gesund, neben frischem Obst und Gemüse (was der Hartz-Regelsatz kaum hergibt) die beste kardioprotektive Substanz der Medizin (leider noch nicht auf Rezept erhältlich).

    Stark anzweifeln möchte ich, das bei der geringen finanziellen Ausstattung genügend Mittel vorhanden sind, um sich dem Konsum von Alkohol und Nikotin in therapeutisch ausreichendem Maße hinzugeben. Erst recht nicht, wenn Kinder im Haushalt leben ... deren willkürlich festgesetzter Regelsatz jeden Vater und jede Mutter dazu nötigt, von ihrem eigenen Salär was dazuzugeben. Was Reiche wohl kaum wissen, weil sie es in ihrer Internatskindheit nicht erlebt haben: die meisten Eltern lieben ihre Kinder und würden alles für sie tun. Sogar sterben. Persönlich kenne ich einen aus krankheitsgründen verharzten früher gutverdiendenden Vater, der sich mit Hinblick auf die nicht anrechenbare Halbwaisenrente das Leben nehmen wollte, um seine Kinder vor Armut zu schützen. Das haben wir gerade nochmal verhindern können.

    Kindesmißbrauch (und hier würde ich auch das vorenthalten wirtschaftlicher Versorgung drunter fassen)
    kommt auch (aber nur AUCH) bei Arbeitslosen vor ..... aber nicht häufiger als bei den oberen Zehntausend und es gibt bislang keinen seriösen wissenschaftlichen Datenbestand, der anderes vermuten ließe. Anders als bei den gesellschaftlich viel angeseheneren
    Workoholics nutzen viele Arbeitslose ihre Zeit aber auch dafür, ihren Kindern das zu geben, woran viele reiche Kindern einen elementaren Mangel haben: Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe.

    Dies würde ihnen noch besser gelingen können, wenn man sie nicht beständig mit sinnlosen, entwürdigenden Maßnahmen, haltlosen Verdächtigungen und dem hemmungslosen Versuch sozialer Ausgrenzung überziehen würde.

    Da Arbeitslosigkeit im übrigen (siehe oben) eine schwere psychische Belastung darstellt, ist der Gebrauch
    (nicht jeder Gebrauch ist gleich Mißbrauch - nur mal Nebenbei) von Nikotin nicht sehr verwunderlich -
    aufgrund des Einflusses auf den Serotoninhaushalt ist Nikotin sehr heilsam und manchmal lebensrettend,
    um nicht in suizidalen Strudel zu geraten. Schizophrene greifen fast ausnahmslos zu dieser Substanz ... und tun sich damit unwissentlich etwas sehr gutes, stabilisierendes.

    Merke: vor Durchsetzung der Suizidentscheidung (die manche ja inzwischen schon für die ganze Familie gleich mittreffen), erst mal eine rauchen. Jede Zigarette (Pfeife wäre noch besser - aber die Kosten ...)erfüllt die Bedingungen einer Kurzzeitmeditation, kann einen sinnlich und geistig völlig herausziehen aus einem möglicherweise sonst desaströsen Lebensmoment. Gesund ist es nicht ... kann aber in aussichtslose Situationen lebensrettend sein. Da muß man Schaden und Nutzen einfach mal nüchtern gegeneinander abwiegen.

    (Dazu gibt´s auch Studien - aber das wäre mir momentan zu mühselig. Mir läuft gerade mal wieder die Zeit davon. Entschuldigung).

    Der generelle Unterschied von Drogenmißbrauch durch Arm und Reich ist wohl darin zu sehen, das der Reiche freiwillig aus eigenem Entschluß und voller Eigenverantwortung in seiner belastenden Situation bleibt,
    während der Arme da gar keine Wahl mehr hat.

    Wenn also jemand meint, Drogenkonsum (erst recht den legalen) moralisch verurteilen zu wollen, sollte er auch im Sinne der Verantwortungsethik urteilen.

    Moralisch verwerflicher ist er auf jeden Fall bei denen, die es nicht nötig hätten.

    Und wenn es generell stört: von mir aus könnt ihr Alkohol und Nikotin generell verbieten.

    Ich hätte meinen Spaß daran zu sehen, aus welcher Ecke die lautesten Schreie kommen.

    Sicher nicht aus der Ecke jener, die jeden Tag mit ihren paar Euros kämpfen müssen und professionell gestählte Konsumverzichter sind.

    Meint: der Eifelphilosoph

    Um den Stellenwert, den die Vernichtung von Religion (und Philosophie) in den letzten Jahrhunderten an dieser Entwicklung hatte, möchte ich mich später gesondert kümmern. Ich weiß, es gehört dazu. Nur mal so am Rande. Würde hier aber zu weit führen, meines Erachtens nach.

  • Briefe an die Leser: SOZIALFASCHISTEN! HERHÖREN!

    Liebe Sozialfaschisten.

    Heute morgen möchte ich einmal ein gut gemeintes Wort an euch richten.

    Wie? Fühlt sich keiner angesprochen?

    Der Begriff "Sozialfaschismus" ist in der bundesdeutschen Politterminologie nicht eindeutig definiert noch in regelmäßigem Gebrach?

    Gut, ok. Den Begriff - gestehe ich - habe ich selbst entworfen. Und ein seinem regelmäßigen Gebrauch arbeite ich noch.

    Schreiten wir zu Definition.

    "Faschismus" ist, denke ich, im Politikunterricht schon mal behandelt worden? Geht da - im Groben und Ganzen - um die Zusammenrottung gewaltbereiter Individuen zum Zwecke des politischen Machterwerbs auf Kosten politischer Gegner und ... vor allem ... gesellschaftlicher Minderheiten, die als Sündenböcke
    durch die Straßen gejagt und gerne auch mal erschlagen werden.

    "Sozialfaschismus" wäre somit der Terminus, der eine Geisteshaltung bezeichnet, die sich nicht gegen eine
    ethnische oder politische Minderheit richtet, sondern gegen eine "soziale Minderheit"....einfach gegen finanziell schwache Menschen (Ganz ausdrücklich wende ich mich gegen den Terminus "sozial Schwache". Soziale Qualitäten erlangt man nicht durch wirtschaftlichen Erfolg, der viel zu häufig nur auf Ausbeutung und Betrug anderer beruht - wie die Bankenkrise wieder einmal gezeigt hat. Die häufige Verwendung des
    Terminus "sozial Schwach" ist selbst ein Kampfbegriff des Sozialfaschismus, um den wirtschaftlich/politischen Gegner zentral in seiner Menschenwürde zu diffamieren. Leider gelingt das noch viel zu oft).

    Ja, sicher, nimmt man alle Arbeitslosen, Kinder, Studenten, Rentner, chronisch Kranke zusammen, ist es vielleicht gar keine Minderheit.

    ABER IN EUREM DENKEN SCHON!

    Das euer Denken nicht der Realität entspricht, darin beruht meine große Hoffnung - nur so nebenbei bemerkt.

    Bevor ich fortfahre - Phillip Mießfelder ... du darfst gehen. Du warst nicht gemeint ... bist du noch viel zu klein dafür. Wenn du mal groß und erwachsen bist, reden wir weiter.

    So jetzt zu euch Sozialfaschisten.

    Ich kenne euren Zorn, eure Wut und die daraus resultierende Verachtung sowie den Wunsch nach Bestrafung für jene, die eurem Weg nicht gefolgt sind ... oder nicht folgen konnten, weil ihr Schicksal einen anderen Weg für sie vorgesehen hat.

    Ich will auch nicht über die anderen diskutieren, sondern über euch.

    Habt ihr euch schon mal überlegt, woher eure Wut, euer Zorn kommt? Ihr seid doch reich, habt alles was ihr wollt (oder zumindestens viel mehr, als man zum glücklichsein braucht) warum könnt ihr also mit ärmeren Menschen nicht in Ruhe und Frieden zusammenleben? Krank werden könntet ihr auch, alt werdet ihr auf jeden Fall (auch wenn ihr jetzt noch nicht daran glaubt). Warum nicht einfach mal durch die Innenstadt ziehen und zwanzigtausend Euro an Bedürftige verschenken? Soll glücklich machen, meint die Glücksforschung. Und würde den dringend benötigten Binnenkonsum ankurbeln.

    Schon mal überlegt, das in euch eine tief sitzende Unzufriedenheit tobt, die sich auf die Schwächeren
    entladen will? Das es möglicherweise ein tief sitzendes menschliches Grundgefühl ist, das euch dirrigiert?

    Wie wäre es mit ... Neid?

    Neid auf die Menschen, die sich nicht verkauft haben? Oder Neid auf Menschen, die die Möglichkeit hätten, in ihrem Leben viel freiere Entscheidungen zu treffen, als ihr es könntet?

    Neid auf Menschen, die das kostbarste Gut eines sterblichen Wesens in größerem Maße besitzen, als ihr es habt ... Zeit? Und Freiheit?

    Wie viele von euch müssen Zahnarzt, Geschäftsführer, Allgemeinmediziner, Politiker werden ... weil Papa
    es so wollte? Wie viele von euch können nicht die hübsche Kassierin von Aldi heiraten, sondern müssen die Adelsschnepfe anhimmeln, die Mama ausgesucht hat? Wer von euch hat die Freiheit, zum Opernball in bequemen, zerrissen Jeans und ausgelatschten Turnschuhen erscheinen zu dürfen? Wer von euch hat die Freiheit, seinem engen (und wohlhabenden) sozialen Netz einfach mal "Nein" sagen zu dürfen? Ich will nicht zur Jagd, ich will nicht ins Internat, ich will nicht zum Opernball, ich will nicht zum Geburtstag von Tante Trudi? Ich mag keine steifen und kalten Geschäftsessen, keine Arbeitstagungen, keine Segeltörns mit emotionalen Krüppeln und Psychopathen? Ich will nicht ins Ritz, ich will zur Frittenbude in Wanne-Eickel?

    Ja - vor so einem Hintergrund wird es verständlich, das man jene Menschen, die frei und ungebunden ihre Lebenszeit genießen könnten, nur noch hassen kann. Weil man sich sonst der Gewalt stellen müsste, die man sich selbst angetan hat und antut. Und natürlich muß man ihnen das Leben so schwer machen wie es nur irgendwie geht, damit auch die so eingeengt leben wie man selbst. Nur dann kann man es noch verantworten, das man sein eigenes Leben dem Mammon geopfert hat....und insgeheim weiß, das man damit nie glücklich werden kann.

    Ihr wißt, wie das endet.

    Schaut in Geschichtsbüchern nach.

    Es endet immer blutig.

    Für euch....und andere.

    Noch für dieses Jahr haben Soziologen die ersten schweren Unruhen in deutschen Großstädten vorhergesagt.

    Brauchen wir das wirklich?

    Es werden die Kinder jener Frauen sein, die ihr heute in Armut haltet, die für euch im Alter sorgen müssen.

    Könnt ihr euch vorstellen, was die für euch empfinden werden - nachdem, was ihr ihrer Mutter angetan habt?

    Keine Angst vor ... Rache ... wenn ihr mal schwach und völlig hilflos seid?

    Noch haben wir eine Chance. Wir alle. Ihr auch.

    Aber nicht mehr lange.

    So ... jetzt denkt mal drüber nach. Demnächst gehts dann zum Psychopathentest. Nee - muß sein.
    Bis dahin habt ihr Zeit.

  • Briefe an die Leser: Miesfelder.P. Zum Psychopathentest bitte.

    So, Sie sind also der Herr Miesfelder.

    Wie?

    Ach ja, Entschuldigung, Mießfelder. Ich dachte nur gerade, Nomen est Omen, Sie wissen schon.

    Also, setzen Sie sich einfach mal hin. Wir gehen das mal kurz durch.

    "Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer"

    Nun - ich nehme mal an, Sie haben nie wirklich darüber nachgedacht, was ihr hirnloses Geplapper bei anderen Menschen anrichten kann, oder?

    Dachte ich mir. Ich vermerke den ersten Treffer.

    "Unfähigkeit, dauerhafte Beziehungen einzugehen"

    Hm. Da wollen Sie sich nicht zu äußern? Also ... Sie sind Politiker, oder? Jungpolitiker, richtig.
    Und solange Papa das Taschengeld abdrückt, haben Sie auch Beziehungen zu ihm? Gut.
    Aber in diesem Land ... "Politiker" ... also: ich vermerke da mal einen Treffer.
    Berufsbedingt. Über deinen Papa reden wir später.

    "Skrupellose Gefährdung anderer"

    Treffer. Da wird überhaupt nicht drüber diskutiert! Wer andere als Untermenschen klassifiziert, gefährdet diese. Er stellt ihre Existenzberechtigung in Frage - skrupellos.

    "Unfähigkeit Schuld zu empfinden"

    Treffer. ("Miesi - SITZENBLEIBEN! Wir sind noch nicht fertig!") Sonst wäre es ja mit der Entschuldigung nicht so schwer, oder?

    "Hinterlist, Lügen und Täuschen um des eigenen Vorteils willen"

    Ich nehme mal an: Treffer. Immerhin - Vorsitzender der Jungen Union wird man nicht durch den Sieg bei Häkelwettbewerben. Und Wählerverarschung ist Grundkunst bundesdeutscher Realpolitik.

    "Verletzung sozialer Normen und gesetzlicher Vorschriften"

    Treffer. Wieso? Grundgesetz ... schon mal gehört? Würde des Menschen ist unantastbar, Volksverhetzung ist strafbar, beleidigende Unterstellungen auch. Und sowieso klassifiziert man unbekannte Mitbürger nicht einfach pauschal als kinderfeindliche Suchtkranke.

    Also, Abschlußbericht. Gut ... die Geschichte mit den Beziehungen werte ich nur zu 50%. Die Hinterlist auch....voräufig. Wir beobachten das weiter. Die anderen sind Volltreffer.

    Der Patient hat somit minimal eine Psychopathenwahrscheinlichkeit von ... deutlich über 50 %.

    Nur darum geht´s bei diesem Test.

    Besser als ein Konzern, ok. Aber als Mitmensch, als Nachbar, als Babysitter - äußerst bedenklich.

    Für Führungspositionen mit gesellschaftlichem Vorbildcharakter völlig ungeeignet.

    Pförtner wäre ok. Beschäftigungen mit möglichst wenig sozialen Interaktionen. Müllabfuhr wäre super. Dann könnte es klappen.

    Der Nächste bitte!

  • Briefe an die Leser: PHILLIP MIßFELDER! Das darf ja wohl nicht wahr sein!

    Lieber Phillip.

    Heute haben ich wegen Dir etwas herumtelefoniert. Man kennt ja so den einen oder anderen.
    Aber was mußte ich da erfahren:

    Du kommst aus Recklinghausen, der Wahlheimat meiner Jugend!

    Das darf ja wohl nicht wahr sein!

    Du bist eine Schande für jeden ordentlichen Ruhrpottjungen, also wirklich!

    Ich habe sogar eine Ärztin ausfindig gemacht, die mit deiner Freundin zusammen im Krankenhaus gearbeitet hat ... was die zu erzählen hatte, veröffentliche ich erst, wenn du wirklich so blöd bist, ein öffentliches Amt zu bekleiden.

    Stimmt es eigentlich, das du in deinem Leben noch nie einen Tag gearbeitet hast - also Hauptberuf: Sohn
    angeben mußt?

    Ist es wahr, das dich in deiner Heimatstadt eigentlich niemand leiden mag?

    Und - mir persönlich ganz wichtig - warst du eigentlich der kleine Sausack, den ich damals durch die Gassen gejagt habe, weil er den kleinen Kindergartenmädchen unbedingt unter die Röcke wollte?

    Warst du das?

    Jetzt kneif nicht!

    Und die Geschichte mit dem Obdachlosen und dem Feuerzeugbenzin - das war doch Deine JU-Clique - oder?
    Ja wenn ... ich war der mit dem alten schweren Ledermantel und dem Menschenfressergesicht.

    Ja, genau der. Genau - die Fahrradkette.

    Schön, das wir uns hier wiedertreffen.

    Übrigens noch ein praktischer Tipp für Dich und Deine Konsorten:
    wenn ihr wollt, das mehr Geld bei den Kindern ankommt:
    Schüttet einfach soviel aus, das es reicht.
    Ist viel unkomplizierter als Gutscheine für den Sportverein. Es gäbe sowieso niemanden, der den Sprit bezahlen könnte, die Kleinen da jede Woche hinzufahren. Und dank dem Abwrackpremienskandal haben die Eltern über kurz oder lang sowieso kein Auto mehr, weil die alte Möhre den Geist aufgibt.

    Nebenbei bemerkt möchte ich mich demnächst noch mit dir über den damaligen Einbruch bei der Bürgerinitiative Umweltschutz unterhalten - und über diverse Hakenkreuzschmiereien.

    Liebe Grüße: Dein Eifelphilosoph

    PS ... falls ich mir irren sollte mit meinem Verdacht - na, wie fühlt man sich, wenn man zu Unrecht verdächtigt wird? Zu Unrecht in eine Untermenschenrolle gedrängt wird?
    Wie Deine Opfer, will ich meinen.

  • Briefe an die Leser: Deutsche! Macht jetzt bloß keinen Scheiß!

    Also, das muß jetzt mal deutlich gesagt werden - im letzten Jahrhundert habt ihr euch ja schon mal wieder einiges geleistet. Erst mit dem Feudalismus gegen den Rest der Welt, dann mit den konzernfinanzierten Braunhemden gegen den Rest der Welt, dann mit den Konzernmonstren (oder den Kommunistenhorden, je nachdem, auf welcher Seite der Mauer man gerade geboren wurde) gegen den Rest der Welt - da habt ihr euch nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

    Echt nicht!

    Aber nun ... wäre da mal eine Gelegenheit.

    Eine Gelegenheit sich zu erinnern. Schon mal daran gedacht, wer den ersten europäischen Weltkonzern erfolgreich aufgehalten hat? Weshalb die einen Zaun entlang des Rheins gebaut hatten?

    Genau - Urururopa. Überall marschierten die Blechbüchsenarmeen herum und beuteten Länder aus, aber hier ...
    ...hat´s nicht geklappt.

    Und das nächste römische Imperium, das (pseudo)christliche römisch-katholische? Wer hat´s gebremst? Na?
    Initial der Herr Luther. Auch Urururopa.

    Gut - Feudalismus abschaffen waren wir nicht ganz vorne - aber die Weimarer Republik wird schon mal das demokratischste Gemeinwesen der Weltgeschichte genannt.

    Aber wer hat die Auswüchse des Urkapitalismus so überzeugend angeprangert, das daraus ein weltbewegender Aufstand wurde?
    Der Herr Marx. Uropa.

    (Genauso wenig wie ich den Herrn Christus für seine real-existierende Kirche verantwortlich mache, möchte ich auch die Herren Luther und Marx aus der Verantwortung nehmen für das, was nachher alles unter ihrem Namen verbrochen wurde.)

    Dieses Land hatte einstmals die Kraft, Mist zu erkennen, ihn anzuprangern und danach zu handeln.

    Jetzt wäre mal wieder so eine Gelegenheit.

    Nein nein, nicht wieder den "Kauft-nicht-bei-Juden"-Bockmist. Auch nicht diesen RAF-Schrott. Einen Konzern eleminiert man, indem man ihm die Gründungsurkunde entzieht, ihn enteignet, nicht indem man sein Personal erschießt....das ist sowieso schneller ersetzt als man nachladen kann. Und die Menschen haben nur wenig damit zu tun. Sind einige ganz nette Kerle darunter.

    Es ist ein historischer Unglücksfall, eine Entwicklung, die außer Kontrolle geraten ist - wie ein Atomreaktor mit Kernschmelze.

    Kann mal passieren. Ist schlimm - aber kein Weltuntergang.

    Und gerade jetzt wäre Zeit für etwas wirklich Neues. Deutschland ist momentan das beliebteste Land der Welt, man schaut auf euch.

    Ihr könntet jetzt mal was großes Leisten ... für das sich nicht wieder eure Kinder die nächsten hundert Jahre schämen müßten.

    Ein Modell Deutschland, das den erkennbaren Ausfall der Konzernstrukturen auffängt, anstatt die Konzernleichen mit immer neuem Kapital zu versorgen. Leichen, die immer noch herumlaufen, nennt man Zombies - und die gehören in einen Horrorfilm und nicht an einen Tisch mit der demokratisch gewählten Regierung.

    Dieses Modell könnte beispielgebend für andere sein - das Volk der Dichter und Denker sollte doch wohl dazu in der Lage sein, oder?

    "Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen" ... das hat euch doch mal so gut gefallen ... obwohl die Genesungskur eine Giftspritze war.

    Jetzt hättet ihr eine reale Chance, so einen Satz wahr werden zu lassen. Vielleicht gibt´s ja auch nebenan Leute, die gern dabei mitmachen. Die Franzosen zum Beispiel, in Sachen Revolution sind die ungeschlagen, die gehen wegen jedem Scheiß auf die Barrikaden. Der europäische Bundesstaat der USA wird wahrscheinlich nicht mitmachen, aber die ham auch keine Euro und ihr Pfund ist bald nix mehr wert. Schweden, Norweger, Dänen, Holländer ... man könnt´ja mal nachfragen.

    Das wäre doch mal was.

    Wieder mal Imperien bremsen. Lebensqualität verbessern.

    Aber: macht jetzt bloß keinen Scheiß und lauft diesem Schnöddeldutz Mießfelder und seinen Spießgesellen hinterher. Ja ja, ich weiß, das ist bequem.

    Aber ihr müßt doch endlich mal gelernt haben, wo man hinkommt, wenn man anderen immer nur hinterherläuft.

    Nie dahin, wo man selber hin will.

  • Der größte Feind der modernen Menschheit

    Ende des 19.Jhd. war die Geburtsstunde des größten Feindes der modernen Menschheit. Unter Ausnutzung des 14. Zusatzartikels der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, unter Inanspruchnahme eines Rechtes, das eigentlich für die befreiten Sklaven gedacht war, klagte sich dieser Feind ein Recht ein, das eigentlich nur für Menschen gedacht war.

    Dieser Feind war aber kein Mensch.

    Seit der Entscheidung des obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten von Amerika wurden Geschäftsbünde zu rechtlichen Personen.

    Der "Konzern" war geboren und eroberte sich in den nächsten Jahrzehnten eine unglaubliche Machtstellung in jeder Gesellschaft, mitlerweile dank Globalisierung eine Machtstellung, die die Macht von Nationalstaaten übersteigt.

    Seitdem greift der Konzern nach allem, was seinem Ziel nutzt (und was laut Gesetz sein einziges Ziel zu sein hat: Profit zu machen. Letztlich sogar in der Gestalt von Bechtel nach dem Regenwasser Boliviens, das er für 25% der Einkünfte der Bevölkerung an diese zurückverkaufen wollte. Der Versuch ist gescheitert, drei Tote, viele Verletzte.

    Robert Hare, Psychologe und FBI-Berater kam nun auf eine recht unterhaltsame Idee.

    Wenn ein Konzern, so seine Argumentation, als eine juristische Person angesehen werden will, dann ist es legitim, ihn den gleichen psychischen Kriterien zu unterwerfen wie ... z.B. einem normalen Menschen.

    Grundlage für den Test war:

    Personality Diagnostic Checklist
    WHO ICD 10
    Manual of Mental Disorders DSM IV

    Diese Standardkriterien sind auch jedem deutschen Psychiater geläufig.

    Ziel war, zu sehen ob und bis zu welchem Grade Konzerne als "psychopathisch" einzustufen sind. Bewertungskriterium war u.a., wie sie sich zu der Gesellschaft verhalten, in der sie ihre Geschäfte betreiben.

    Folgende Kriterien wurden erfüllt:

    1. Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer
    2. Unfähigkeit, dauerhafte Beziehungen einzugehen
    3. Skrupellose Gefährdung anderer
    4. Unfähigkeit, Schuld zu empfinden
    5. Hinterlist, Lügen und Täuschen um des eigenen Vorteils willen
    6. Verletzung sozialer Normen und gesetzlicher Vorschriften

    Mehr Kriterien gibt es nicht. Die herrschende Institution unserer Zeit, eine juristisch handelnde und mit größter Machtfülle ausgestatte Person glicht nicht nur ein bischen einem Psychopaten.

    Das psychische Profil dieses Monsters gleicht dem eines Massenmörders. Mit allen Konsequenzen.

    (Quelle: "The Corporation, M.Achbar, J.Abbot & J.Bakan, DVD, erhältlich nur bei "Zweitausendeins")

    Fazit: ein unmenschlicher Psychopath beherrscht unsere Wirtschaft, unsere Politik, unsere Kultur - und nach jahrzehntelanger Indoktrination durch eine gigantische und äußerst rafinierte Werbeindustrie das Denken der meisten unserer Mitmenschen sowie unserer Kinder.

    Wen er an Politikern besonders mag: Benito Mussolini, Adolf Hitler, die Militärdiktaturen in der ganzen Welt - sie bieten optimales Klima für grenzenloses finanzielles Wachstum. Wie z.B. China, das Gesellschaftsmodell der Zukunft.

    Was er gern hätte - völlig egozentrische Individuen, die ihren Selbstwert nur noch von ihrer Konsumfähigkeit abhängig machen ... sowie die uneingeschränkte Privatisierung aller natürlicher Ressourcen sowie aller gesellschaftlichen Institutionen, auch Schulen, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser, Militär (Blackwater machts schon vor), Städteplanung und Städtebau (Disney hat in Florida z.B. schon den ersten Schritt gemacht: eine eigene Disney-Stadt aus dem Boden gestampft - leben wie in einem Disney-Film).

    Polizei, Feuerwehr, Krankenhaus, Schule ... nur noch für jene, die zahlen können. Der Rest - soll sehen wo er bleibt. Aber gefälligst ohne Nahrung und Wasser. Die sind auch Privat.

    Es sind - nebenbei gemerkt - genau jene konzerndeformierten Subjekte, die so gerne auf den "sozial Schwächerern" (Renter, Arbeitslose, Kranke, Kinder) herumhacken...denn die haben keinen Porsche.

    Und wer keinen Porsche hat, ist kein Mensch - überzogen gezeichnet.

    Ferrari geht natürlich auch durch. Und so´n paar andere Marken.

    Aber kein Twingo. Und Ford Fiesta schon gar nicht.

  • Grundeinkommen als wahrnehmen gesellschaftlicher Verantwortung

    Es wird viel diskutiert über das für und wieder eines Grundeinkommens.

    Der Gedanke ist nicht neu - schon in den siebziger Jahren wurden angesichts der fortschreitenden Industrialisierung Stimmen laut, die meinten, das man sich über die Menschen Gedanken machen müsste, die dann definitiv nie wieder gebraucht werden ... sowenig wie ihre Kinder und Enkel.

    Diese Industriearbeiter sind aber nicht aus dem Himmel gefallen. Im 19.Jhd. hatte die Industrie ein Problem - all die schönen Maschinen funktionierten nicht ohne Menschen. Mit viel Versprechungen ... Geld, Luxus, anfangs sogar eigene kleine Arbeiterhäuser - wurde die jugendliche und leistungsfähige Landbevölkerung in die Industriezentren gelockt. Die Dörfer verödeten, Höfe mussten mangels Erben aufgegeben werden (der Trend hält immer noch an), die natürliche Selbstversorgung der Bevölkerung geriet ins Stocken.

    Nun, bald zweihundert Jahre später, haben wir den Salat. (Wir hatten ihn schon früher - deshalb Karl Marx, Revolution, Sowjetunion ... aber das überspringen wir mal kurz).

    Heerscharen von Menschen, zumeist Nachfahren jener Industriearbeiter (und Gastarbeiter, denn das Drama hat sich ja in den sechziger Jahren wiederholt), sitzen in den Städten und wissen nicht, wovon sie leben sollen.

    Und gerade jetzt kommt der Ruf auf: Sorge für Dich selbst.

    Würden viele gerne machen ... und viele würden heutzutage wohl lieber die Geborgenheit ihres kleinen Gehöftes genießen ... und die selbstverständliche Versorgung mit Wasser, Holz und Nahrungsmitteln, die
    über Jahrtausende des Recht eines in seiner natürlichen Umwelt lebenden Menschen war.

    Gut. Wenn wir den Anspruch erheben, die Menschen sollen wieder für sich selber sorgen, dann sollten wir das auch konsequent durchziehen. Teilen wir die Fläche der BRD durch die Anzahl der Bürger, schenken jedem sein Stück Land, das er bewirtschaften darf. Essen gibt es von der Natur völlig umsonst, Baumaterial auch, Wasser ebenso. Mehr braucht man nicht zum Glück.

    Natürlich ... Steuern zahlen ist dann nicht mehr. Die Straßen und Autobahnen müssen weg, die Großstädte, die Riesenparkplätze, die Einkaufszentren, die Industriewüsten ... alles. Sorry, wir brauchen die Anbaufläche.

    Ach? Das geht nicht? Das wäre nicht so schön?

    Ok. Ist in Ordnung.

    Dann rechnet aus, was jeder Bundesbürger mit seinem Kleinsthof erwirtschaften könnte, rechnet aus, was sein Land (ja. SEIN LAND.) Wert ist und zahlt ihm Zinsen dafür. Pech, das historisch gesehen das Land der Bürger in den Händen einiger weniger ist. Aber Anspruch hätten alle darauf.

    Und Essen ... gibt es von der Natur umsonst. Wenn ihr euren Industrieramsch behalten wollt, dann bezahlt die Leute ordentlich, die darin keinen Platz mehr zum Leben finden.

    Oder wir müssen alles wieder umbauen.

    Arbeitskräfte, die das könnten, haben wir genug. Maschinen auch.

    Doch eins sollte klar sein: diese Larifariwischiwaschi-wir-brauchen-euch-momentan-nicht-wollen-euch-aber-auch-nicht-bezahlen-Gewäsch hat nur eine Zukunft: Karl Marx (wird wahrscheinlich anders heißen), Revolution, Sowjetunion.

    Und das müssen wir doch nicht unbedingt wiederholen, oder? Oder fandet ihr den Gulag so schön?

  • Briefe an die Leser: G.Schröder! Du wirst unheimlich!

    Mensch Gerhard.

    Ich gestehe - du machst mich irgendwie nervös.

    Also: bis zu deiner Agenda 2010 habe ich ja noch alles verstanden. Das übliche Geschäft der Linken halt - wir kämpfen so lange um die Macht, bis wir die Kohle der Rechten haben ... die behalten wir dann selber.
    Wäre ja blöd, das ganze Geld, für das wir so schöne agitiert haben, einfach den "Nichtstuern" in den Hals zu schmeißen.

    Du hast es noch besser gemacht, gründlicher als je ein Linker zuvor.

    Ruckzuck den ganzen Sozialstaat zerschlagen ... und das ganze noch mit dem Namen des Puffbruders und verurteilten Verbrechers Hartz garniert. Herrlich. Soviel selbstherrliche Arroganz ganz offen zur Schau gestellt in teuersten Anzügen. Nebenbei hast du die Volkspartei SPD eliminiert und sie zu einem Kandidaten für das "Museum Deutsche Geschichte" gemacht. Nein, da bin ich dir nicht böse drüber - ich bin für klare Verhältnisse. Mich hat immer am meisten angewiedert, wenn Linke rechte Politik machen, sobald sie an der Macht sind. Verrat an Wählern finde ich unakzeptabel. Wenn du eine Tüte Chips kaufst und hast dann manchmal Lakritz, manchmal Schokolade, selten auch mal Mäusekot darin, dann regst du dich ja auch zurecht darüber auf. Was draufsteht, sollte auch drin sein, sonst gehörts vom Markt genommen.

    Dann hast du - wie üblich in diesem Lande - deinen Lohn bekommen. Schöne hochdotierte Aufsichtsratsposten, viel Geld für keine Arbeit.

    Und ich hatte gehofft, nie wieder von Dir zu hören.

    Aber dann ... schleichen Dinge durch die Nachrichten.

    Schröder macht in Gas ... Gas wird knapp.

    Schröder geht zu den Banken ... Banken gehen pleite.

    Schröder fährt in den Iran zu ganz geheimen Gesprächen ... mir wird unheimlich.

    Erst dachte ich, Du willst Dich jetzt beim Papst lieb Kind machen, indem Du Dich mit Holocaustleugnern schmückst. Ich dachte, Du schielst vor lauter Selbstherrlichkeit insgeheim nach der Seligsprechung.

    Dann fielen mir die Gas- und Bankengeschichten ein.

    Gerhard ... was willst Du noch?

    Und was meint - ganz ehrlich - Dein Therapeut dazu? Der muß doch langsam mal einschreiten!

    Oder gibt´s da wieder eine neue noch geheime Frau, nach der Du gierst und die Du mit Deinen Kapriolen zu beeindrucken trachtest? Vielleicht was aus königlichem Hause?

    Melde Dich mal, altes Haus! Aber schnell!

  • Briefe an die Leser: Rüttgers! Du bist ein Mann der Zukunft!

    Mensch Rüttgers. Das hast du klasse gemacht. Echt super!

    Mit lautem Krach reist du nach Amerika, tönst "Opel" hier und "Opel" da, machst haltlose Versprechungen, trittst auf als Robin Hood der Autowerker ... obwohl du und ich genau wissen, das in Amerika niemand weiß, was "Opel" "Ministerpräsident" oder "Nordrhein-Westfalen" überhaupt ist. Aber - war auf jeden Fall ein schöner Urlaub und hat viel Medienkrach gemacht.

    Und hintenrum, so heimlich still und leise, hast du viel entscheidendere Weichen für die Zukunft gestellt.

    Weichen, die dir in Zukunft sehr viele reale Kosten ersparen werden.

    Du hast die Obdachlosenhilfe gestrichen. 12000 gibt es davon in deinem Bundesland, so "der Westen".

    Und du weist selber, das es bald noch viel mehr werden. All jene, deren Intellekt vom Hartz-IV-Antrag überfordert wird, die unter der psychischen Belastung von "Arbeitslosigkeit" schlicht zusammenbrechen und nicht mehr den Mumm haben, zur ARGE zu gehen, inklusive jene, die sich selbst aufgeben, weil sie euren Worten geglaubt haben, das Arbeit=Leben und Leben=Arbeit ist ... und dann noch die, die ein altertümliches Verständnis von "Ehre" in sich tragen und es deshalb nicht über sich bringen, von Almosen zu leben (ach ja, ich vergaß den konservativen Geist: die bringen sich ja selbst um und ihre Familie gleich mit - gut, streich die von der Liste).

    Wirklich, Rüttgers - Hut ab von einem Schachspieler.

    Das war eine gelungene Kombination von Zügen.

    Dafür gibt´s sicher am Ende der Amtszeit einen gut dotierten Aufsichtsratsposten bei Siemens oder so.

    Also: Grüße aus der Eifel

  • Keine Abwrackprämie für Hartz-IV-Empfänger

    Na - gedacht habe ich mir das schon. Aber ich wollte nicht meckern, bevor es nicht öffentlich ist:
    jetzt findet man die Nachricht bei "der Westen", meiner alten Tageszeitung.

    Nicht, das ich erwartet hätte, das ALG-2-Bezieher jetzt sofort alle Neuwagen kaufen. Wovon auch?
    Aber es wäre ein Zeichen für Gerechtigkeit gewesen, ein Zeichen dafür, das man die Zeichen der Zeit erkannt hat.

    Das man erkannt hat, das man zwanzig Jahre lang von inkompetenten Gierhälsen ausgeplündert worden ist,
    das zwanzig Jahre lang die Lebensqualität in diesem Land den Bach herunterging, das Arbeitsklima immer schlechter wurde, der mühsam erarbeitete Sozialstaat kurzerhand als lästiges Übel abgeschafft wurde ... alles, um die Herren Topmanager zufrieden zu stellen.

    Weltbank, WHO, IWF - alle hatten ganz öffentlich von Deutschland gefordert, wir sollten mehr Arbeitslose bekommen. (Quelle: das Bücherregal links neben der Schlafzimmertür - bin gerade zu faul zum suchen.
    Schreibe lieber weiter). Unser Sozialstaat, das Modell Deutschland, wie Kanzler Schmidt es nannte,
    würde die wirtschaftliche Entwicklung hemmen, so der Tenor. Die Konzerne brauchen mehr Spielraum, die Löhne müssen runter - und das geht nur mit einem Reserveheer von Arbeitslosen.

    Wie durch ein Wunder kamen sie dann auch, die Arbeitslosen. Den Gierhälsen hat man gern Milliardenbeträge in den Rachen geworfen, aber die Arbeitslosen ... die mußten aus rein wirtschaftspolitischen Gründen arm bleiben. Denn nur der von Hunger und Frost bedrohte Arbeitslose ist so richtig billig motivierbar.
    Da reicht schon eine warme Suppe und ein Feuer im Ölfaß.

    Das wir in einem der friedlichsten Länder der Erde leben ... dank Sozialstaat ... interessierte keinen mehr. Schein den Nachkriegsnachwuchspolitikern einfach als eine Selbstverständlichkeit.

    ABER JETZT ... sollte doch alles anders werden. Jetzt könnten doch alle aufwachen. Hallo! Ich seid vom Konzernkapital verarscht worden (entschuldigt das harsche Wort, aber hier scheints mir angemessen).

    Die sind Pleite, Bankrott ... Geschichte.

    Ihr dürft jetzt wieder an die Bürger denken - wie es eigentlich eure Aufgabe ist.

    Ihr hättet jetzt ein Zeichen setzen können - und wenigstens den Ärmsten der Armen in diesem Land etwas zukommen lassen können. Immerhin sind sie nur dank der hemmungslosen Profit- und Globalisierungswut derjenigen, die auch euch so hemmungslos verarscht haben, arbeitslos geworden.

    Aber ... ihr setzt lieber ein anderes Zeichen.

    Ein böses Zeichen.

    Denn was anderes als die politisch bewußt gewollte absichtliche Schaffung eines verarmten und verelendeten Industrieproletariats kann ich hier nicht mehr erkennen.

    Aber warum jetzt noch? Der Neoliberalismus ist tot. Pleite.

    Die Kinder, die unter Hartz-IV-Bedingungen aufwachsen, werden keine Freunde dieses Staates werden.

    Aber sie werden zornig sein - und haben nichts zu verlieren.

    Wollt ihr eine Zukunft wie in Johannesburg? Die Häuser der Besitzenden (ich habe sie selbst gesehen - auch die kleinsten Mittelstandshäuser sehen so aus) nur noch stacheldrahtumhüllte Festungen, die sich niemand mehr zu verlassen traut?

    Alle Autobahnbrücken gesperrt ... weil die Zornigen sonst mit wenigen Handgriffen den gesamten Verkehr lahmlegen könnten?

    Alle Tankstellen Hochsicherheitszonen ... weil die Zornigen sich die explosiven Eigenschaften dieser Orte
    zu Nutze machen könnten?

    Alle Einkaufszentren in Burgen verwandeln ... weil die Hungrigen sich sonst (im Einklang mit dem Grundgesetz - Mundraub ist nicht strafbar) einfach holen, was ihre Kleinkinder zum Überleben brauchen?

    Wollt ihr - wollen wir das alle - wirklich?

    Also ich nicht. Ich möchte, das meine Steuergelder da landen, wo sie hingehören. Da, wo sie existenzielles Leid lindern - und nicht die Luxusgelüste von Neureichen befriedigen.

  • Briefe an die Leser: Hans Meiser! Was soll das?

    Lieber Hans,

    da wolltest du mal ernsthaften Journalismus machen. So richtig tolle Enthüllungsgeschichten. Perverse Minister (bah - mir ist heute noch schlecht von dem, was dieser Typ da abzieht. Igittigitt.) die im gleichen Callgirlring wie dieser Friedmann "aktiv" sind, Bundestagsabgeordnete, die mit steuerfinanzierten Taxischeinen auf den Berliner Kinderstrich fahren ... sage mal: hast du sie noch alle?

    Hast du dir schon mal überlegt, das das zwar alle sehen wollen und sollten - aber keiner senden und drucken will?

    Weil die vom gleichen Call-girl-Ring bedient werden bzw. sich auch beim gleichen Kinderstrich bedienen?

    Welcher Verantwortliche möchte denn gerne dafür gerade stehen, das er die Sauereien seines Chefs
    einem Millionenpublikum zugänglich gemacht hat?

    So üpig ist Hartz IV nun mal nicht, das alle ganz geil dahinter her sind. Ach ... wußtest du noch nicht?

    Außerdem ... gehört das alles Bertelsmann. Genau wie der Minister.

    Ach, was rede ich.

    Also Hans, schade das deine Firma pleite gegangen ist, weil alle ihre Sendezusagen zurückgezogen und sogar die Bildzeitung gekniffen hat. Schade das du über hundert Berichte umsonst recherchiert hast.

    Und herzlich willkommen in der Wirklichkeit der Berliner Republik!

    Gesegneten Tag noch aus der Eifel

    PS: Wenn du wieder ins Fernsehen willst, dann brauchst du Themen wie: "hartz-iv-empfänger ißt eigenen hund nachdem er seine tochter mißbraucht hat um auch für den selbstgezeugten enkel noch kohle zu kriegen, die er dann versaufen kann"

    So etwas läse man gern in diesem Land ... fürchte ich.

  • Briefe an die Leser: Barroso! Hör auf! Sofort!

    Lieber Herr Barroso!

    Ich weiß, du meinst es gut. Willst den Bankstern an die Boni. Sie sollen haftbar gemacht werden für ihre schlechte Arbeit. Das ist ein edler Gedanke von Dir und deiner EU-Kommission.

    Doch doch - ich schätze das sehr.

    ABER: du hast nicht weit genug gedacht.

    Einerseits - die Leute waren Kapitalisten. Ganz offen und ehrlich haben sie sich zu ihren Zielen bekannt, das sie in ihrem Leben Unmengen Kapital anhäufen wollten. Und da sie das nicht - wie ihr - selber drucken konnten, mussten sie die Kohle eben von anderen nehmen. Das haben sie ganz professionell mit sehr intelligenten Tricks hinbekommen. Und wie der alte Kohl sagte: Leistung soll sich wieder lohnen!
    Niemand hat ihnen gesagt, sie sollten das lassen, Kapitalismus wäre doof und uncool, nein.
    Alle waren am Klatschen, Johlen und Jubeln, wenn diese sonnenbankgebrannten Kalkleisten ihre Beutevolumen veröffentlichten. Und jetzt soll das auf einmal alles falsch gewesen sein?

    Andererseits - schon mal drüber nachgedacht, wo das hinführt, wenn man Menschen für das haftbar macht, was sie anrichten? Denk nur mal an ... Politiker. Da hat der dicke grüne Fischer den ersten Angriffskrieg gestartet, der vom deutschem Boden ausging (dabei wollten wir das doch endlich mal lassen) - wie soll der Mann dafür haften? Kriegstribunal? Der Schröder mit seiner Agenda hat einen Verstoß gegen die Menschenrechte nach dem anderen in Gang gesetzt - wie soll der das jemals wieder gutmachen? Sozialstunden in der Gemeinde?
    Denk mal an Lehrer! Verblöden unsere Kinder Tag für Tag aus Rache dafür, das die es wagen, sie in den knappen Zeiten zwischen den Ferien mit ihrer Anwesenheit zu belästigen. Wie wollen die das jemals wieder gutmachen?
    Denk an die anderen Beamten, die Steuergelder in Milliardenhöhe in den Sand setzen. Wir haben hier jetzt noch eine Autobahnbrücke stehen, wo niemals eine Autobahn langführen wird.

    Wenn alle verantwortungslosen Dummköpfe in Zukunft für ihre Dummheit haften müssen - wer würde sich dann noch freiwillig melden?

    Anders gefragt: wo willst du so viele verantwortungsbewußte Menschen hernehmen, die nicht an sich denken, die kein aufgeblasenes Ego haben, das befriedigt werden will, sich nicht von Lobbyisten manipulieren lassen ...

    Denk daran: Mutter Theresa ist tot.

    Die Zahl der Dummköpfe in Regierung und Wirtschaft übersteigt die Zahl der Hartz-IV - Bezieher bei weitem.
    Mit denen kannst du also auch nicht rechnen.

    Also, Barroso, überleg dir das nochmal.

    Herzliche Grüße aus der Eifel

  • Briefe an die Leser: Maria-Elisabeth Schaeffler - Du hast sie wohl nicht mehr alle!

    Maria-Elisabeth. Ich weiß, du hast es schwer. Du hast wieder einmal Geld ausgegeben, das du nicht hattest.
    Denkst, du kannst mit deiner kleinen Prümmelbude einfach so Continental schlucken.
    Wer hat Dir das nur wieder eingeredet? Das hier ist doch die wirkliche Welt, nicht die Monatssitzung vom Frauenclub "Warme Heidi".
    Und jetzt? Bist ordentlich angeschissen worden, die große Continental war eigentlich auch nur eine Ramschbude. Was sollst, denkst du dir, Vater Staat wird´s schon richten.
    Von wegen!
    Morgen kaufe ich Schaeffler-Continental! Einfach so! Zack! Die Milliardenschulden stecke ich locker weg.
    Dann gehe ich zum Steinbrück und mach ihm klar, was Sache ist.
    Ich weiß noch nicht viel, was ich ihm sagen kann, aber eins ganz deutlich:
    die betriebswirtschaftlichen Vollpfosten samt ihrem unberechenbaren Größenwahn sind Geschichte.
    Das wäre ein gesunder Anfang.

    Gruß aus der Eifel!

  • Briefe an die Leser: MIEßFELDER! ES REICHT!

    Rente mit 70! Keine aufwändige Operationen für 85-jährige! Und jetzt auch noch Beleidigungen und Unterstellungen gegen alleinerziehende Mütter?!? (ja, wenn die die Erhöhung für Tabak und Alkohol nicht den Kindern zugute kommen lassen, weswegen man ja Gutscheine ausgeben sollte - wer, außer Eltern sollte denn da gemeint sein?)

    Was wir dringend brauchen - ganz dringend - ist eine Abwrackprämie für Verbalterroristen und Volksverhetzer!

    Und Sonderzuteilungen an Schnaps, Bier und (guten!) Wein für Rentner und Hilfebedürftige, damit sie solche Attacken gegen ihre Existenzberechtigung ohne psychischen Schaden überstehen!

    Ne ne ne, Phillip, jetzt mal ganz persönlich: mach doch mal das Hirn an, bevor du das Maul aufreißt.
    Das ist Deutschland, eine Demokratie und ein Sozialstaat - und nicht mehr der Burschenschaftlerstammtisch.

    Wollen die im Kino eigentlich immer noch deinen Ausweis sehen, wenn du in einen Film für Große willst?

    Oh - tut mir leid für dich. Wirklich.

  • Sozialschmarotzer! Parasiten!

    Wer lebt eigentlich in Deutschland alles auf Kosten der Gemeinschaft?

    Klar. Erste Antwort: ALG-2 Bezieher. Weiß ja jeder.

    Wer noch?

    Polizisten. ARGE-Mitarbeiter. Frau Merkel. Bundeswehr. Professoren. Lehrer. Und alle weiteren Beamten und staatlichen Angestellten. Ohne Steuerzahlungen der Allgemeinheit (und bei 19% Mehrwertsteuer ist JEDER Hartz-IV Mensch mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil seines zur Verfügung stehenden Anteils dicke dabei) keine Jobs.

    Noch mehr?

    Ärzte. Ohne Solidargemeinschaft der Versicherten (und ohne den Gesellschaftsvertrag zur überdurchschnittlichen Vergütung)keine Jobs. Auf dem Markt in Marrakesch habe ich Ärzte kennengelernt, die ohne soziale Hängematte ihren Job machen mussten. Wichtigste Regel für den Kundenfang: Potenzmittel anbieten! Erst dann: Verkauf von ärztlichen Dienstleistungen - Vorsorge, Impfungen, Antibiotika, etc.
    War eine sehr lehrreiche Erfahrung. Links vom Arzt war der Stand vom Metzger, rechts davon ein Stand mit Gewürzen.

    Und natürlich all die Angestellten und Vorstandsvorsitzenden der Krankenkassen.

    Ein Nachschlag noch?

    Alle Versicherungen. Ohne (für eine demokratische Solidargemeinschaft sehr wichtige) Gemeinschaft der Versicherten - keine Jobs.

    Wer lebt noch auf Kosten der Gemeinschaft?

    Unternehmer. Ja - sogar die.

    Ohne eine über Jahrhunderte gewachsene Gesellschafts- und Infrastruktur wäre Produktion, Vertrieb und Absatz von Handys oder Klopapier nicht denkbar, ohne eine Gemeinschaft, die Straßen erhält, Kommunikationswege pflegt, Sicherheit und rechtlich zuverlässige Rahmenbedingungen für Besitz bietet, in Schulen und Universitäten die Konsumenten und Produzenten der neuen Generation heranbildet, sozialen Frieden gewährleistet, wäre ein Unternehmen kaum profitabel, wenn überhaupt existenzfähig. Es braucht eine hochspezifische Umwelt, um geheihen zu können. Und die kann es nicht aus eigener Kraft schaffen.
    Es muß - quasi parasitär - sich an eine Gesellschaft dranhängen, die diese Umwelt bietet. So eine wie unsere, z.B. Aborigines brauchen keine Spülmaschinentabs oder Flachbildschirme.

    Weiter noch?

    Der Mensch als soziales Wesen ist ohne Gemeinschaft eigentlich gar nicht überlebensfähig. Zu "Gemeinschaft" gehört hier allerdings auch ... "Umwelt". Ein Trapper im Wald (ein sehr reiches Umfeld) kann recht lange allein überleben, in ärmeren Umfeldern (Wüste. Ozean. Gebirge.) wird schon mal ein Tag schwierig, gibt es dann noch Konkurrenz (Bären, Löwen, Giftschlangen, Viren ...) wird es sehr haarig.
    Aber auf die Umwelt bezogen ... lebt der Mensch nur als Sozialschmarotzer - von der Leistung anderer (Beerensträucher, Apfelbäume, Jagdwild, Hafer, Gerste und Getreide ...).

    Wer ist also Parasit und Sozialschmarotzer?

    Alle. Oder Keiner.

    Letzteres wäre mir lieber.

  • Tagespolitik: Der Wind dreht sich

    Hoppla, was ist das denn?

    Da blökt so ein Berufsschnösel der jungen Erbenunion, das die Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes den
    Alkohol- Tabakkonsum steigern wird, und er bekommt Gegenwind ... sogar aus der eigenen Partei?
    Sogar der Nordrhein-Westfälische Arbeitsminister verteidigt die unlängst noch so geschmähten Hartz-IV-Nutzer (Ich nenne sie lieber "Nutzer" als "Empfänger". Sie tun nämlich was für ihr Geld: sie lassen sich demütigen, beschimpfen, entwürdigen. Das ist auch Arbeit), die JU-Bayern forder sogar des Dumpfheinis Kopf.

    Was ist los in diesem Land?

    Auf einmal ein Herz für Opfer einer jahrzehntelang betriebenen rücksichtlosen Asozialpolitik entdeckt?

    Wie sind denn über Nacht aus den Sozialschmarotzern von Gestern die Brüder und Schwestern von Heute geworden?

    Nicht, das mir diese Entwicklung nicht gefallen würde.

    Aber man darf ja wohl mal stutzig werden.

  • Der Glücksfall Armut

    Viele Menschen klagen derweil über die Armut, die seit einigen Jahren mit großen Schritten auch nach Deutschland gekommen ist.

    Jetzt verstehen auch die, für die Globalisierung immer ein seltsames Fremdwort war, was damit beschrieben werden sollte: die Verbreitung der Armut auch in jene (Staats-)Gemeinschaften, die sie durch große Anstrengungen vergangener Generationen aus ihrem Leben weitgehend verbannt hatten.

    Indirekt haben wir vieles sogar dem alten Epikur zu verdanken. Dem Glücklichen verkauft man nichts, so seine Erkenntnis, und das hatte zur Folge, das eine gigantische Industrie ins Leben gerufen wurde, um an diesem Zustand mit allen nur erdenklichen Mitteln etwas zu ändern.

    "Happyniss Economics" machten aus dem natürlichen Streben nach Glück eine marktwirtschaftliche Triebkraft.

    Mit den finanziellen Mitteln, die aufgewandt und aufgewendet wurden, um dem aufgeklärten Mitteleuropäer überzeugend Bedürfnisse einzureden, hätte man Krankheit, Hunger und Not für immer aus allen Ländern der Erde verbannen können.

    Stattdessen wurde eine Gesellschaftsform geschaffen, in der Reichtum, Konsum und Glück in einem Atemzug genannt und als gleich anerkannt werden.

    Eine historisch unvergleichliche Flut an Gütern ergoß sich über den Erdball, erstickte Natur, Kreativität und Menschlichkeit im Gewande des Glücks- und Heilsbringers.

    Doch dann zeigte sich .... es war nicht genug für alle da.

    Die Massen wurden "auf Pump" produziert ... und irgendwann war die Kohle alle. Nämlich genau jetzt.

    Unvorbereitet und mit voller Wucht trifft die Armut (inklusive eines schon fast religiös anmutenden Beigeschmacks von Schuld und Sünde, die der Arme gefälligst in Bezug auf die Gesellschaft zu empfinden hat) nun auf eine Kultur, die Reichtum und Glück gleichsetzt.

    Die natürliche Folge: es herrscht großes Elend im Land. Flachbildschirme, elektrische Zahnbürsten,
    Fernreisen nach Dubai und Orangen im Winter sind nicht mehr für jeden erschwinglich.

    Angst macht sich breit. Angst vor lebenslangem Unglück, verbunden mit einer tiefen Hoffnungslosigkeit.

    Aber muß das so sein?

    In religiösen Kontexten war Armut oft eine unverzichtbare Vorraussetzung für Glück - in Ost und West.

    Den Schleier der Maya (in modernen Mythen die "Matrix" ... der Film sollte ursprünglich auch kein SF-Märchen werden, aber das war den Produzenten wohl zu heikel)zu durchdringen, ist für Buddha die zentrale Aufgabe des Menschen. Als Jesus in der Wüste war, bot ihm der Teufel die ganze Welt an (gut das Ackermann und Konsorten nicht in der Nähe waren...sie wären wohl dankbarere Kunden geworden)... er lehnte dankend ab, schmiß die Händler mit festen Schlägen aus dem Tempel und sprach die weisen Worte, das eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen würde, als das ein reicher ins Himmelreich käme. Für seinen Gefolgsmann Franz von Assisi war Armut eine der zentralen Tugenden - Geld und Kot hatten für ihn den gleichen Stellenwert.

    Doch es ist nicht nur die Religion, die ein Lob der Armut ausspricht.

    Auch die Philosophie hält nicht viel vom materiellen Reichtum - erst recht nicht, wenn es um das Glück geht. Epikur, dem man nachsagte, das er sich üblicherweise von altem Brot ernährte, um ab und zu an einem Stück Käse himmlischen Genuß empfinden zu können. Diogenes, dem seine Tonne in der Sonne so wertvoll war, das er den großmächtigen Alexander nicht um Säcke von Gold anhielt, sondern ihn nur bat, aus der Sonne zu gehen. Sokrates, dem es ein Genuß war, durch die Märkte zu spazieren und darüber glücklich zu werden,
    das es so vieles gab, was er überhaupt nicht brauchte.

    Es scheint so zu sein, als gäbe es auch noch eine andere Seite der Armut.

    Provokant gesagt: Armut ist die Vorraussetzung zu seelischem Reichtum und Glück - schon seit Jahrtausenden.

    Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, das wir uns von den Irrfahrten des modernen Kapitalismus und seines unbändigen Konsumterrors verabschieden und uns auf eine Reise begeben, unser eigenes persönliches Glück für uns zurückzuerobern - auch ohne eine Chance auf die modernste Kaffeemaschine, den raffinierten Likör oder das neueste Handymodell.

    Es wird Zeit, das wir die Priester des Kosumgötzen bitten, sie mögen uns aus dem Wege gehen, sie stehen uns in der Sonne.

    Denn Glück entsteht im Kopf. Und nur da. Wenn wir den erstmal wieder frei haben ... ist der Weg möglicherweise nicht mehr weit.

    PS:

    Es wäre natürlich eine schreckliche Vorstellung, wenn die Welt auf einmal voller ALG-2-Bezieher wäre, die glücklich sinnierend durch die Welt schweben. Was würde nur die BILD schreiben.

  • Hartz IV - das Ende der Demokratie

    2004 schrieb - siehe Blogbeschreibung - Arno Luik über den "Putsch von ganz oben".

    Viele Menschen haben diesen Putsch billigend in Kauf genommen.

    Der leistungsfeindliche fortschrittshemmend Sozialstaat war angeblich unfinanzierbar geworden.

    Unser aller überleben war in Gefahr.

    Putschisten argumentieren immer so. Immer ist es ein nicht diskutierbarer Sachzwang, der schnelles Handeln nötig macht. Ein Sachzwang der über allen moralischen Werten steht, stehen muß, weil sonst "alles den Bach runtergeht."

    Eine Mehrheit hätten diese Überlegungen in Deutschland wahrscheinlich nicht bekommen, aber SPD und Grüne
    verraten gerne mal ihre Wählerklientel, wenn sie denn dann endlich an der Macht sind und sich jährliche die Diäten schier unbegrenzt und unverschämt erhöhen können.

    In Zusammenarbeit mit führenden Propagandakonzernen wurde der Putsch durchgezogen....und nebenbei von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt Grundrechte gravierend eingeschränkt.

    ALG-2 Bezieher haben alle Hausarrest. Sie müssen rund um die Uhr für die zuständigen ARGEn erreichbar sein...sonst drohen Kürzungen der ohnehin extrem knappen Bezüge (ich weiß allerdings nicht, wie sie da einkaufen gehen sollen? Gut - deshalb gibts wahrscheinlich auch wenig Geld). Ein wichtiges demokratisches Grundrecht eingeschränkt. Gleichzeitig müssen sie ihre gesamten Lebensumstände gegenüber wildfremden Menschen in einer Art und Weise entblößen, wie es kein anderes europäisches Land zuvor seinen Bürgern zugemutet hat.
    Ihre Arbeitskraft müssen sie zu absoluten Dumpingpreisen anbieten ... als ob Lohnarbeit ein von irgendeiner Gottheit geheiligter Selbstzweck wäre. Nebenbei vernichtet diese Sklavenarbeit reale Jobs ... was natürlich nicht gewollt noch vorhersehbar war ... jedenfalls nicht für Leute, die nach der Grundschulausbildung die Schule hingeschmissen haben. Alle anderen haben das schon geahnt.

    Ausgenommen jene kleine finanzfeudale Oberschicht, die für diesen Putsch verantwortlich zeichnet, geht uns das Ergebnis jenes Putsches allerdings alle an, weil wir alle früher oder später in die Maschine gelangen könnten....mal abgesehen von jenen, die professionell auf Kosten des Steuerzahlers leben:
    Beamte (und eingeschränkt auch: Angestellte) von Bund, Ländern und Gemeinden.

    Nun - der Putsch wurde durchgezogen. Daran ist erstmal nicht mehr zu ändern.

    Doch: was kann man tun?

    Es ist wichtig sich bewußt zu machen, das die Putschisten die Grundfesten unserer Demokratie in Gefahr bringen, willens und bereit sind die Würde des Menschen mit Füßen zu treten, Menschenrechte als unfinanzierbares Luxusgut einer vergangenen Ära zu deklarieren, gezielt ein Untermenschentum (mit ähnlichen sprachlichen Methoden wie die Machthaber des dritten Reiches ihre Untermenschen - Juden, Zigeuner, politische Gegner)zu etablieren versuchen.

    Es ist wichtig, sich bewußt zu machen, das wir eine Sozialstaatsklausel haben, das unser Gesellschaftsvertrag - dh. die Grundlage unseres Zusammenlebens in der BRD - nicht diskutierbar ist.

    Es ist wichtig zu wissen, das es möglich ist, Widerstand zu leisten....und sei es nur im Kleinen.

    Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ... mir scheint, der letzte Wert ist hier an allererster Stelle gefragt.

    40 % der Hartz-IV-Empfänger sind allein erziehende Mütter und Väter. Jede Mutter weiß, was das für eine Arbeitsbelastung ist. Man wird sie zurecht die Trümmerfrauen des Putsches von 2004 nennen - in Zukunft, wenn alle wieder zur Besinnung gekommen sind.

    Aber bis es soweit ist - wird viel Arbeit auf die Bürger dieses Landes zukommen. Damit diese Zukunft nicht in weiter Ferne liegt.

  • Terroralarm!

    Ja. Genau. Richtig gelesen.

    Wieder einmal Terroralarm.

    Nein nein, diesmal nicht wieder Osama und die 19 Räuber.

    Obwohl: Räuber sind es schon.

    Aber sie tragen statt Teppichmesser Anzug und Krawatte, fahren die teuersten Autos, haben eigene Flugzeuge (das erleichtert jetzt sicher viele - der Pauschalflieger zum Ballermann bleibt sicher), essen in den nobelsten Restaurants und sind die Duz-Freunde bedeutender Politiker.

    Welcher Terror den jetzt nun?

    Derjenige, vor denen Vivianne Forrester Ende der neunziger Jahre gewarnt hat:

    Dem "Terror der Ökonomie" sowie der "Diktatur des Profits".(Carl Hanser Verlag)

    Der Alarm ist aktuell und akut, die Bedrohung wächst täglich, die Terroristen bewegen sich ungehindert unter uns.

    Sie stehlen unsere Altersversorge, zerschlagen unsere wirtschaftlichen Strukturen, treiben Millionen Bundesbürger in gesetzlich verordnete Armut ... und sehen nicht ein, damit aufzuhören.

    Diese alte Dame, Vivianne Forrester, hat das alles vorausgesehen. Dafür gebührt ihr mein Dank.

    Wieviel Menschenleben der Terror kostet?

    Die Toten werden noch gezählt.

    Wie viele Menschen sterben, weil die Arbeitsplatzsicherheit Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen ist?

    Wie viele Menschen sterben, weil übermüdete Ärzte Fehler machen - zum Wohle des Profits aus "wirtschaftlich rentablen Krankenhäusern"?

    Wie viele Menschen sterben, weil LKW-Fahrer übermüdet in das Stauende rasen - zum Wohle des Profits "wirtschaftlich rentabler Transportunternehmen"?

    Wie viele sterben ... vernachlässigt in "wirtschaftlich rentablen" Altenheimen?

    Man weiß gar nicht, wo man anfangen und wo aufhören soll zu zählen.

    Darum: Terroralarm

    Damit man nicht vergißt, das Neoliberalismus tödliche Folgen hat.

    Für alle.

  • Tod und Sterben

    Eigentlich das wichtigste Thema im Leben eines Menschen.

    Heute auch noch. Gibt gern Riesenschlagzeilen her.

    Angst, Sorge, Panik ... Gevatter Tod verbreitet Furcht, wo immer er sein unbarmherziges Haupt erhebt.

    Wie das so des Philosophen Eigenart ist, fragt er sich auch hier:

    Wieso eigentlich?

    Muß das sein?

    Eigentlich nicht.

    Zumindest nicht für den Armen, den Leidenden, den Unglücksraben.

    Für den (diesen Satz schrieb man Spartakus zu) endet das Elend. Wenn er Glück hat und nicht postwendend wiedergeboren wird. Wenn er Pech hat, als Reicher - denn der verliert im Tode alles, wofür er betrogen und gelogen, gemeuchelt und gemordet hat.

    Ja aber ... wir fürchten das Nichts!

    Gut und schön ... aber wer von denen, die sich vor dem Nichts fürchten, denkt jemals in seinem Leben an die fürchterlichen Schrecken, die dieses Nichts für ihn in der Zeit vor seiner Empfängnis/Geburt
    bedeutet hat?

    Niemand. Wieso auch.

    Also: warum das Nichts fürchten, das am Ende kommt? Es wird nicht nichtiger sein als das Nichts zu Beginn.

    Es sei denn ... es kommt gar nicht nichts.

    Das wäre schlimm für die, die mit ihrem Leben nicht so ganz im Reinen sind....wofür es viele gute Gründe gibt.

    Z.B. bei Reichen. Reich kann in einem geschlossenen System nur jemand sein, der anderen etwas wegnimmt -
    mit welcher Methode auch immer. Selten nur bekommt der Kunde für sein Geld etwas, das seiner Lebenszeit, die er für dieses Gut geopfert hat, angemessen ist.

    Mörder, Betrüger, Kinderschänder, die Herren Hartz und Zumwinkel (um nur einige zu nennen) ... all jene
    dürften Probleme bekommen mit dem Gedanken, das der Tod kein Ende darstellt ... sondern möglicherweise nur die Perspektive ändert.

    Doch was für diese Subjekte ein Fluch ist, mag für andere (die Elenden, Armen, Geknechteten) wiederum ein Segen sein.....weil sie vom Leben bislang so wenig hatten.

    Wie dem auch sei, der Rat des Zauberers Don Juan Matus (zu finden in den Schriften des Carlos Castaneda)
    ist hier sicherlich nicht fehl am Platze:
    bei jeder Entscheidung im Leben den Tod als Ratgebers zu befragen, sich immer zu vergegenwärtigen, das er direkt links hinter einem steht - und man nie weiß, wann er zuschlägt.

    So mag man sich die eine oder andere überflüssige Beschäftigung, mit denen die Werbewirtschaft ihre Kunden gerne ködert, ersparen.

    Ich für meinen Teil habe Handy, Fax, Reklame und Fernseher aufgegeben.

    Ein deutlicher Teil mehr an Leben - und erkennbar geringere Kosten.

  • 120 Jahre alt werden.

    Ja, der Traum eines jeden Menschen.

    So richtig alt werden.

    120 Jahre seien drin, so sagt man.

    Wie man das erreicht - da gibt´s viele Tipp´s.

    Die haben mich nie interessiert.

    120 Jahre alt werden bedeutet konkret:

    40 Jahre lang 80 sein.

    Was soll daran lustig sein? Vierzig Jahre Pflegeheim? Immer neue nette Mädels, die einem die Windel wechseln? Damit muß man ja rechnen - das nicht mehr alles so gut funktioniert wie noch mit zwanzig.
    (Und das jedes Jahr mehr kaputt geht - nur wegen natürlichem Verschleiß)

    Zumal man sich die ersten achtzig Jahre mit einem spaßarmen Sorgenleben vergällen muß, um überhaupt noch eine Chance zu haben, über die hundert zu kommen.

    Also ... neeee.

    Irgendwie überzeugt mich das nicht.

    Irgendwie denke ich ... wer mit vierzig sagen kann: "wow, tolles Leben gewesen, super Zeit gehabt, war genau mein Ding - und wenn´s jetzt vorbei ist, egal: gut wars" hat´s irgendwie besser getroffen.

  • Ein Lob auf die Wirtschaftskrise

    Es sind schlimme Zeiten momentan.

    Schiesser, Märklin, Rosenthal, Saab ... die Liste bekannter Namen, die man in Zukunft nicht mehr hören wird, verlängert sich fast täglich.

    Es mag sein, das es uns alle hart trifft.

    Es mag sein, das wir uns in Zukunft viele Dinge nicht mehr kaufen können, die wir auch eigentlich nie gebraucht haben.

    Z.B. Dinge von Schiesser, Märklin, Rosenthal, Saab etc.pp.

    Trotzdem erleichtert mich diese Krise sehr, weil sie in mir die Hoffnung erweckt, das Schlimmeres verhindert werden kann, bzw. das etwas schlimmes endet, das mich seit Jahren ankotzt:

    die erbärmliche Hetze auf Langzeitarbeitslose.

    Selten in der Geschichte der Bundesrepublik gab es Schlagzeilen wie in der letztjährigen Hatz auf
    sogenannte "Sozialschmarotzer".

    "Wer essen will, der soll auch arbeiten" schrieb Gröfaz Hitler in seinem "Kampf" - und von solchem Geist -
    in alter "Stürmer"-Manier - scheint mir auch seit einigen Jahren der bundesdeutsche Geist geprägt.

    Da fordern SPD-Mandatsträger in Frankfurt die Kennzeichnung von Hartz-IV-Empfängern, CDU - Hampel wollen gleich elektronische Fußfesseln, der Lahn-Dill-Kreis will schon mal jugendliche Empfänger in Lager schicken, interne Papiere des SPD-Großsprechers Clement sprechen von "Parasiten" (die man ja auch in der Natur bekanntlich ausrottet) - die Liste der Peinlichkeiten scheint kein Ende zu nehmen.

    Und nun?

    Eine Mehrheit der Deutschen ist für die Anhebung der Regelsätze.

    Da ist wohl jemand wach geworden.

    Da hat wohl jemand gemerkt, das Hartz-IV für alle gedacht ist.

    Danke, liebe Wirtschaftskrise.

    Du wirst uns viel Ärger bringen, viel Not und viel Leid.

    Aber mit etwas Glück ersparst du uns schlimmste Auswüchse des neuen Sozialfaschismus, der durch die
    renditevernebelten Gehirne einiger Entscheidungsträger geistert.

    PS: gerade um zu verhindern, das sich ein dunkler Geist wieder neue "Juden" suchen kann, brauchen wir unabdingbar ein bedingungsloses Grundeinkommen - als politische Forderung, die an sich gar nicht zu hinterfragen ist, solange die Arbeitssklavenphilosophie des Dritten Reiches wieder anfängt, in einigen Köpfen herumzuspuken.

    Nur mal so am Rande bemerkt.

  • Bedingungsloses Grundeinkommen

    Also ... da führt ja wohl kein Weg dran vorbei.

    Ich weiß, ich weiß ... jetzt kommen gleich wieder viele Kommentare von selbsternannten "Wirtschaftsprofis", die sagen, das sei ja alles nicht finanzierbar.

    Mag sein.

    Genauso wie der momentane Bankrottkapitalismus. Allein von dem Geld, das jetzt zur Bankenrettung bereitgestellt wird, hätten wir zehn Jahre lang Grundeinkommen auf Hartz-IV-Niveau bezahlen können.

    Und die Kosten für den repressiven ARGE-Apparat gespart.

    Würden wir die ARGE-Leute auf die Steuerhinterzieher ansetzen, dann hätten wir die jährlichen Kosten für den Sozialstaat locker wieder heraus.

    Klar - das ist politisch nicht durchsetzbar, ich weiß.

    Immerhin: Gesetze werden in diesem Land von jenen beschlossen, die genug haben, um Steuern hinterziehen zu können oder von Steuerhinterziehern dankbar kleine Geschenke entgegennehmen (ein Job für den Sohn/Enkel/Schwager; ein Gelage im Nobelbordell, ein kleines Essen im Spitzenrestaurant ... oder auch gleich Bargeld).

    Aber: die Forderung nach Grundeinkommen ohne entwürdigende Bedingungen ist in erster Linie eine politische Foderung (wie die nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit).

    Wir schmeißen doch auch nicht gleich die ganze Zivilisation über Bord, nur weil die vollständige Erfüllung demokratischer Werte nicht gleich nächste Woche ohne Probleme verwirklicht werden kann.

    Aber es muß ein klares Ziel werden - und bleiben.

    Ein Ziel, auf das beständig hingearbeitet wird.

    Wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

    Wie wir wirtschaften müssen, um das finanzieren zu können, das ist erst der nächste Schritt.

    Und bitte nicht vergessen: finanzieren müssen wir Arbeitslose, Rentner, Kinder, Kranke, Beamte aller Stufen und Klassen inklusive Politikern sowieso. Die Frage ist nur - geht das nicht auch, ohne die Würde des Menschen anzutasten?

    Das würde man dann schon mal bedingungsloses Grundeinkommen nennen können.

    Und - nur um´s schon mal vorwegzunehmen: die 20 % des Volkes, die momentan 91% des Besitzes innehaben, brauchen es wohl nicht wirklich.

  • Reichtum ?

    Letztens traf ich - notgedrungen - einen reichen Mann.

    Er war todunglücklich.

    Sein neuer Nobelhobel war gekommen - aber die Farbe der Lederpolsterung wich ein wenig von der Farbe ab, die er sich vorgestellt hatte. Erst sein dritter Ferrari ... und dann diese Katastrophe.

    Nächste Woche ist ein Treffen im Adlon/Berlin. Dort kommt ein Geschäftspartner mit seinem neuen Gefährt.
    Was nur, wenn er merkt, das die Farbe des eigenen Wagens nicht so optimal zur Polsterung paßt, wie
    einst angedacht?

    Der Aktienmarkt liegt darnieder - so schnell läßt sich momentan kein überflüssiges Kapital generieren.

    Der Autohändler beruft sich auf einen Passus über "natürliche Farbabweichungen" und will am beklagenswerten Zustand nichts ändern.

    Was tun?

    Es bleibt nur eins: Leiden.

    Oder die Methode Epikur:

    Einfach mal einen Monat in einem gebrauchten Opel Corsa herumfahren. Ich hätte da ein schönes Modell im Angebot. Meiner Nachbarin ist nämlich gestern der Auspuff abgefallen ...

    Danach sähe die Welt möglicherweise wieder anders aus.

    Nebenbei gibt´s Extras gratis: das Bewußtsein, mal was gutes für die Welt getan zu haben. Allein der Spritverbrach ... da bliebe uns allen einiges erspart.

  • Die Quelle des Glücks

    Manchmal sitze ich an einem kleinen Fluß, der direkt gegenüber der Ausfahrt unserer Pension fließt.
    Das Wasser rauscht des Flußbett entlang und bricht sich hier und dort an Steinen, die trotzig und behäbig dem schnellen Strom widerstehen.

    Hinter den Steinen bilden sich kleine Strudel.

    Im Zen-Buddhismus (genau genommen - bei Joko Beck) gibt es einen schönen Kommentar zu diesem Bild.

    Wir Menschen gleichen jenem Strudel und unser Unglück besteht darin, zu denken, wir "seien" jener Strudel.

    Dabei ... sind wir der Fluß.

    Wenn das Leben eifrig stürmt und Krankheit, Tod und Elend über mich hereinbrechen, hilft mir dieses kleine Bild. Ich sehe den kleinen Strudel deutlich vor mir, wie er über seine Begrenztheit nicht hinausreichen kann, wie er um sich herum die seelenlose Propaganda des Maschinenzeitalters tosen hört, die ihn zu einer mehr schlecht als recht funktionierenden Biomaschine degradieren will.

    Und dann ... in seltenen Augenblicken ... spüre ich den Fluß.

    Und nichts gibt es mehr, das mich erschüttern könnte.

  • Bankenrettungsplan

    Da wird ja viel diskutiert in der heutigen Zeit.

    Den Banken geht es schlecht. Sie haben ein wenig Pech gehabt. Jetzt wollen sie Hilfe. Hier mal hundert Milliarden, dort mal hundert Milliarden.

    Jetzt kommen auch andere hinterher - die Autobauer ganz vorne weg.

    Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.

    Wir haben doch einen Rettungsplan für in Not geratene Menschen:

    Hartz IV!

    Also:

    1. bankrottes Geschäft erstmal dichtmachen (aber flott, bevor noch mehr Schaden verursacht wird)

    2. Privatvermögen aufbrauchen (ganz wichtig - auch das Kapital im Ausland)

    3. Hartz IV Antrag bei der zuständigen ARGE stellen - und das Leben ist dein Freund.

    Wem das als hartgesottenen Manager zu langweilig ist, der bekommt auch gerne die Möglichkeit, im Rahmen eines ein-Euro-Jobs noch richtig kräftig dazuverdienen zu können.

    Viele Menschen werden dankbar sein, das die kriminellen oder dusseligen Banker in Zukunft nur noch ihre eigenen Finanzen verwalten und verwursteln ... und letztlich viel weniger volkswirtschaftlichen Schaden anrichten können.

    Wer diese "Wirtschaftsprofis" ersetzen soll?

    Klar - langjährige Hartz-IV-Empfänger.

    Wer mit dem Geld ohne die Möglichkeit dauernder Verschuldung wirtschaften kann, der hat ganz wichtige Grundbegriffe des Wirtschaftens begriffen und demonstriert, das er sie ohne zu verhungern oder zu erfrieren umsetzen kann.

  • Über die Arbeit

    Wenn man so Tag für Tag durch die Eifel schreitet, hat man Zeit, sich Gedanken zu machen.

    Zum Beispiel über Arbeit.

    Von manchen Menschen sagt man, sie seien arbeitslos.

    Ich kenne niemanden davon.

    Arbeitslos kann doch nur jemand sein, der keine Arbeit hat. Kochen, Spülen, Wäsche waschen bügeln falten wegräumen, Staubsaugen, Post erledigen, Auto reparieren, Wohnung renovieren, Rasen mähen, Müll trennen, Altglas wegbringen, Steuererklärungen machen, Altpapier entsorgen, Schnee räumen, Putzen, Toilette reinigen, Mitmenschen ertragen, einkaufen etc. - wer kein Personal dafür hat, der hat Arbeit.

    Kommen noch Kinder dazu, dann sogar reichlich Arbeit.

    Richtig arbeitslos können somit nur richtig Reiche sein.

    Biblisch wurde Arbeit als Fluch verstanden - gleich von Anfang an. "Im Schweiße deines Angesichts..." tönt da der Herr Gott.

    Somit müssten Zeiten der Arbeitslosigkeit doch eigentlich im christlichen Raume als Segen verstanden werden - endlich ist der Fluch fort.

    Schaut man aber in die Schlagzeilen der öffentlichen Medien, so wird "Arbeitslosigkeit" eher als Fluch verstanden. Bedeutet dies nun im Umkehrschluß, das wir eine eher antichristliche Gesellschaft sind?

    Das Spiel mit den Worten läßt einen manchmal schon ziemlich ratlos in der Eifel herumstehen.

    Zu Hilfe kommt uns der Kabarettist Volker Pispers. "Wir brauchen keine Arbeit", meint er, "wir brauchen Geld". "Beschäftigen" - so seine Worte - "Beschäftigen kann ich mich selber".

    Stimmt eigentlich.

    Mir scheint, man sollte mal den innerdeutschen Sprachgebrauch aufräumen.

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