Ich verdaue gerade eine ganz besondere Kost. Manchmal tue ich mir so etwas gerne an. Es bringt mich mehr in Bewegung als Reisen. Manchmal ist so eine Kost der reine Wahnsinn und man ist geneigt, völlig am menschlichen Verstande zu zweifeln. Und dann begegnet man wiederum Menschen, die vernünftiger zu sein scheinen als die meisten Zeitgenossen, einem aber mit Wahrheiten kommen, die schlichtweg nicht erlaubt sind.
Natürlich könnte man sich an dem heutigen Tag auch mit anderen Themen befassen: der drohende Krieg in Südamerika, mit dem die USA ihren "Hinterhof" bereinigen werden, die neue Billionenblase, über die der "Spiegel" in seiner morgigen Ausgabe berichten wird, der völlig irrationale Renditewahn der Paralellgesellschaftsbanker, die wohl in einer ganz anderen Welt als wir Normalbürger leben und der Meinung sind, das man Geld sehr wohl essen kann. Gestern noch, an einem viel zu warmen Lagerfeuer, erfuhr ich, das die Welt in Blut versinken wird. Meinen jedenfalls manche. Das sollte einem eigentlich wichtiger sein als grundsätzliche Erwägungen zum Begriff "Realität". Zudem scheint der Begriff "Realität" zutiefst unpolitisch zu sein, gilt als "wissenschaftlich gut fundiert" und in keiner Art und Weise im Zusammenhang mit dem politischen Alltagsgeschehen stehend.
Die Autorin, über die ich sprach, ist Felicitas Goodman, das Buch heißt: "Extase, Besessenheit, Dämonen".
Die Wahrheit, die ich zu verdauen habe ist die, das Frau Goodman die Existenz für Dämonen (aber nicht im Sinne der Gruselfilmindustrie - also jetzt bitte nichts Falsches denken) für bewiesen hält, für einen Fakt wie die Tatsache, das die Erde eine Scheibe ist.
Viel eher als diese Information beeindruckte mich ihre klare Analyse von "Realität", die ich hier noch mal in aller Kürze zusammenfassen möchte:
Realität ist das, was die Herrschenden uns als Realität erlauben.
Der Satz ist an und für sich nicht neu. Er bewahrheitet sich in allen bekannten Kulturen der Geschichte, aber eigentlich ... wollten "wir" ja besser sein. Jedenfalls hatten wir mal den Anspruch. Politisch haben wir da ja schon völlig versagt und versagen jeden Tag aufs neue ... und wirtschaftlich ebenfalls.
Oder ist die Krise jetzt etwa schon wieder vorbei, die letzte Woche neu auferstand und davor jetzt wirklich zuende war?
Aber naturwissenschaftlich, das ist ja unser ganzer Stolz, da wenigstens sind wir "sauber" geblieben! Da sind wir uns ganz sicher, auch wenn die Physiker - je mehr sie ins Detail gehen - immer weiter von der Doktrin des reduktionistischen Materialismus fortrücken, ja sogar generell negieren.
Eigentlich eine Sensation, die allerdings gegen den Nachrichtenwert von Heidi Klum nicht ankommt.
Auch in der Wirtschaft pflegt man den reduktionistischen Materialismus nur solange, solange er nichts kostet. Hat man aber die Gelegenheit in die Seminare der hoch angesehenen (und extrem teuren) Motivationstrainer der Wirtschaft zu gehen (z.B. Höller, Holzheu, Robbins) und lauscht dort kritisch, dann hat man oft Gelegenheit zu sagen: "Hör´ mal, mein Freund, mit diesen Ausführungen bewegst Du Dich aber in der Welt von Magie und Zauberei!" Doch das stört die Herren nicht, wenn es den gewünschten Erfolg bringt, wenn die Kasse stimmt: da nimmt man es mit der materialistischen Doktrin nicht mehr so genau.
Gelegentlich schreibe ich ja über den Bohemian Grove, an dessen Ritualen ich immer noch zu knacken habe. Jahr für Jahr treffen sich 2000 der wichtigsten Männer der westlichen Welt und zelebrieren symbolische Menschenopfer - und amüsieren sich zwei Wochen lang. Dafür haben die ansonsten viel beschäftigten Manager Zeit. Frauen sind dort strickt verboten, auch wenn sie Geld und Macht haben.
Auch dort ist mir aufgefallen, das die Pflicht, als aufgeklärter Mensch der westlichen Doktrin des wissenschaftlichen gesicherten Materialismus zu folgen, scheinbar nur für das Fußvolk gilt - nicht jedoch für die Herrenmenschen. Die glauben lieber, was Macht, Ruhm und Erfolg bringt.
Das ein Mann wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt an druidischen Ritualen teilnahm und die des
Bohemian Grove als die Besten erlebte (wir berichteten) liegt mir heute noch schwer im Magen, weil ich mir auch manchmal denken muß: was wissen die noch alles, was "wir" nicht wissen dürfen.
"Herrschaftwissen" habe ich konkret erfahren dürfen. Mit jeder Hierarchiestufe in der Wirtschaft erfuhr man etwas mehr, was einen dann dazu befähigte, seine Mitarbeiter besser führen zu können. Leider waren die Informationen nicht derart, das man stolz drauf sein konnte, den Job zu machen. Es fiel eigentlich jede Woche schwerer. Ob es auch "Herrschaftswissen" gibt, das Topmanager erfahren, kann ich nur vermuten.
Auf jeden Fall entzieht sich - wie auch gerade der Herr Schäuble merkt - völlig dem normalbürgerlichen wirtschaftlichen Sachverstand. Und das stört diese angeblich ja so rationalen und nüchternen Menschen an den Spitzen der Geldinstitute überhaupt nicht. Sie scheinen in einer Welt zu leben, die sich von unserer sehr unterscheidet, die ihnen aber die Sicherheit gibt, sich völlig unbeeindruckt von der "öffentlichen Meinung" danebenbenehmen zu dürfen.
Jeder Metzger, jeder Schreiner, Klempner, Elekriker, jeder Angestellte würde sich ob so eines Benehmens in Grund und Boden schämen ... aber die "Masters of the Universe" zeigen sich da auffällig unbeeindruckt.
Ist man nun dazu angehalten, Widerstand zu leisten, weil man die kommenden Blutorgien nicht so gerne haben möchte (allein schon wegen der Kinder - solche Orgien erzeugen Traumata, die lange in Familien wirken können), dann ist es - so denke ich - elementar wichtig sich erstmal selbst zu befreien. Selbst zu sehen, zu entscheiden, zu prüfen: was ist wahr und was nicht.
Und schon kommt die nächste Gefahr auf einen zu: das Meinungswissen. Aufklärung zum Thema Meinungswissen sucht man im Internet vergebens, dabei kämpft die griechische Philosophie seit Jahrtausenden dagegen an - was letztlich zur Geburt der Naturwissenschaften führte. Und trotzdem ... erleben wir gerade jetzt in unseren Breitengraden eine Blütezeit des Meinungswissens.
Ein Beispiel? Ganz leicht geführt. Wenn ich jetzt hier darüber schreibe, das wir mit höherer Wahrscheinlichkeit von der Existenz von Dämonen (allerdings im wertneutralen Sinne) ausgehen müssen, das wir eine zunehmende Wahrscheinlichkeit haben für die Existenz von "magischem" Herrscherwissen, so proviziere ich vor allem eine Gegenreaktion (und deshalb schreibe ich dies auch):
"Da glaube ich nicht dran!"
Einfach mal überprüfen, Themen dazu gibt es genug: "Da glaube ich nicht dran!" ist eine so oft gefallene Antwort ... das man eigentlich nicht dran glauben möchte. Als ob "Wahrheit", "Realität", "Wirklichkeit" von dem eigenen, persönlichen "Glauben" abhängt.
Wenn dem allerdings so ist, das der persönliche "Glaube" "Wahrheiten" setzt ... dann haben wir die Dämonen wieder im Wohnzimmer ... mitsamt der "gläubigen" katholischen Kirche.
Wenn dieser "Glaube" dazu führt, das man sich besser fühlt, freier, mutiger, weniger ängstlich - so hätte ich erstmal nichts daran herumzumäkeln. Doch der moderne, materialistische "Glaube", die Doktrin des Materialismus, verwandelt die Erde in ein düsteres, brutales, gemeines Gefängnis wo nur der finsterste Charakter Erfolg haben kann. Das scheint mir wenig erstrebenswert zu sein, selbst wenn manche Leute diese Weltsicht als "wahr" ansehen sollten. Da würde ich dann die "Glaubensfreiheit" lieber weiter ausdehnen und mir eine schönere Welt ausdenken.
Ganz weit weg sind wir da von der philosophischen Liebe zur Wahrheit, die gelassen sprechen kann: kann sein, kann aber auch nicht sein. Hunderte Millionen individueller Dogmatiker bevölkern die Welt (vor allem im Westen) und verhindern so ... nebenbei ... eine nüchterne Auseinandersetzung mit Realität, Wahrheit und Wirklichkeit.
Eine gleiche machterhaltende Wirkung bringt die Vorstellung, die Erde sei eine Scheibe. Wer Angst hat, am Ende seines Weges herunterzufallen, bleibt im Herrschaftsbereich der Kirche und erspart ihr die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Die Macht bleibt lange Zeit erhalten ... und das hat ja auch gut funktioniert, oder?
Gut, ich habe heute noch andere Pflichten zu erfüllen, ein voller häßlicher Tag erwartet mich heute, viel Arbeit ist zu tun, die Zeit ist knapp.
Darum zum Abschluß noch zwei Worte.
Wer jetzt aufgrund meiner Erwägungen in die "Esoterik-Abteilung" der Buchhandlungen läuft, der sei gewarnt: dort findet man ... nur Lügen. Zu 99%. Woher ich das zu wissen glaube? Ich war mal da ...
Wer nun meint, er müsse in die Kirche rennen, der sei ebenfalls gewarnt: aus der Sicht der Philosophie hat Paulus aus dem Gegensatz zum Christentum die Kirche aufgebaut ... und seitdem wird an dem Prinzip weiterhin fleißig gearbeitet. Den Papst als solchen "Antichrist" zu nennen ist in dieser Hinsicht wissenschaftlich völlig korrekt, was aber nicht heißt, das er ein solcher sein muß. Aber Hexen und Ketzer verbrennen, Waffen segnen, mit Aktien an Waffenkonzernen Geld verdienen, Frauen zu verachten ... hat das wirklich was mit dem historischen "Sohn Gottes" zu tun, der Tote erweckte, Brot auf wundersame Weise vermehrte, Dämonen aus Menschen und Wirtschaftsexperten aus dem Tempel trieb?
Oder andersherum: wieviel Liebe kann der Papst?
Und wie soll man sich jetzt zurechtfinden? Wer sagt einem, wo es langgeht?
Nun, wo es langgeht, sagen einem viele. Aber ich fürchte, der Sinn des Lebens besteht auch darin, sich selbst zurecht zu finden.
Das kann man mit Meinungswissen machen ... mit privaten Glaubensdoktrinen, so wie es gerade der Geist der Zeit ist, wie es Politik und Wirtschaft gerne sehen.
Oder aber ... gemeinsam. Da hat man die freie Wahl.
Und übrigens ... die Lektüre der alten griechischen Philosophie mag da helfen, frei, souverän und selbständig zu werden. Unabhängig und nicht mehr manipulierbar durch "offizielle" Wahrheiten. Und, wie mein Lehrer meinte: die Philosophie hat seit den Griechen kaum Fortschritte gemacht. Vielleicht durch Kant einen halben Schritt ... und ich persönlich meine, durch Schopenhauer vielleicht noch einen Viertelschritt dazu.
Doch das ... ist eine andere Geschichte.