Nachdem ich mich jetzt schon als Prostitutionskritiker geoutet habe, wird es wohl mal Zeit für grundsätzlich Gedanken zum Thema käufliche Liebe.
Es geht hier um Liebe. Kopulierende Kakerlaken wurden noch nie als besonders intensiv liebende Wesen beschrieben, obwohl sie das gleiche Tun, was bei käuflicher Liebe geschieht.
Um käufliche Liebe genießen zu können, bedarf es - so wurde mir versichert - zuerst einer Degeneration der Anschauung, die in aller Regel durch intensiven Pornofilmkonsum gefördert wird. Man klagt ja über die Degeneration der Jugend in dieser Hinsicht - "Gang Bang" ist das neue Stichwort.
In Pornofilmen wird gezeigt, wie "man" es macht. Filme mit Kakerlaken als Hauptdarstellern haben - glaube ich - nicht so einen durchschlagenden Erfolg. Schade auch, sie wären weniger frauenfeindlich, würden aber schnell den Kakerlakenschutzverein aufs Parkett rufen.
Die Frau im Pornofilm als "Lustobjekt" zu bezeichnen, ist schon Schönrednerei. Erst recht, wenn sie es
(wie auch in Kinderpornos gerne dargestellt) mit Tieren jeder Art treibt, weiß man, in welche Richtung das geht: die Frau ist kein Mensch. Die hat es verdient, so behandelt zu werden, wie sie behandelt wird.
Sie ist an sich ... eine Form von Untermensch, gezüchtet, um dem Manne zu Diensten zu sein.
Wir sind heute dazu erzogen worden, Phänomene des Alltags nur isoliert zu betrachten. Mit dem Niedergang der Philosophie durch Kirche und Naturwissenschaft (die an sich ebenfalls eine neue Form von Ersatzreligion geworden ist - mit allen Heilsansprüchen, die die katholische Kirche postuliert - inklusive der ... baldigen ... Unsterblichkeit, wenn man nur lange genug forscht) sind umfassende Sichtweisen immer seltener geworden.
Also schauen wir beim Phänomen der "käuflichen Liebe" auf ein ganz kleines Segment, das wir beurteilen.
Mann nimmt Frau für Geld. Die Frau macht das natürlich freiwillig. Trifft nur auf fünf Prozent der Frauen zu ... aber egal.
So gesehen wird es schwierig, Stellung dazu zu nehmen, denn was Menschen freiwillig tun, ist in Ordnung.
Deshalb gibt es auch eigentlich kaum Vergewaltigungen, denn im Prinzip macht da auch jede Frau freiwillig mit. Lieber Sex haben mit einem Fremden als erstochen, geschlagen, verbrannt zu werden - das ist ihre freie Entscheidung. Na ja, der Rahmen ist anders ... aber ganz isoliert betrachtet ist eine freie Entscheidung auszumachen. Man muß nur die Sichtweise genügend einengen. In Vergewaltigungsprozessen ist dies regelmäßig die Argumentation des Verteidigers. "Die Frau wollte das so" ... und da wir aufgeklärten Pornofilmgucker ja wissen, wie "die Frau" ist, sind wir geneigt, dem zuzustimmen, denn immerhin sind wir ja informiert (und angewiedert) davon, was Frauen für Geld alles mit sich machen lassen. Sogar mit Hunden, Schlangen und Eseln.
Schon seltsame Geschöpfe, diese Frauen.
Wir aufgeklärten Menschen wissen auch, das es keine Liebe gibt auf der Welt. Nur Sex.
Vorbei die Zeiten der Liebe zwischen Mutter und Kind, der Liebe zwischen Freunden, der Liebe zu Natur, Literatur, Musik, Malerei.
Seltsam ... das man die Liebe zur Musik nicht auch kaufen kann. Gut, man kann sich alles anhören - und manches ist auch richtig teuer, doch was die Liebe zur Musik ausmacht, die selbst dazu führt, das wunderbare Kompositionen erschaffen werden ... das bleibt ein Geheimnis jenseits der Erwerbbarkeit.
Käufliche Liebe ist nichts weiter als käufliche Lüge. Das weiß auch jeder. Aber in einer zunehmend lieblosen Welt ist das wohl alles, was viele Menschen bekommen.
Käufliche Liebe und Plastikblumen haben irgendwo etwas gemeinsam. Vielleicht essen die Bewunderer der käuflichen Liebe auch gerne Wachsobst - wer weiß. Zumindestens äußerlich sieht es oft sogar besser aus als echtes Obst.
Eine Frage, die ich Männern, die Bordelle besuchen, gerne mal stellen würde ist die, was sie denn selbst kosten würden. Die von mir geforderte Dienstleistung ... wäre sogar harmloser.
Einfach eine Stunde nackt auf den Kölner Markt hinstellen ... und sich von jedem, der Lust hat, anfassen lassen. Das ist noch relativ harmlos im Vergleich zu einem Akt, der normalerweise Nachwuchs zeugt.
Wie teuer wäre das wohl? 20 Euro? 100 Euro? Oder 5?
Oder wäre das undenkbar?
Ich nähme dazu auch gerne finanzstarke Leistungsträger wie Investmentbanker oder Politiker. Und manch eine Frau fände das sicher mal sehr interessant. Männer wahrscheinlich auch.
Ich würde von den Männern auch gar nicht erwarten, ihren Hintern als Samenklo für Homosexuelle hinzuhalten. Ich wäre da schon ... rücksichtsvoller. Es würde auch nicht geschlagen werden - auch wenn manche es verdient hättten.
Was kostet das wohl? Wie berechnet sich überhaupt der Preis? Wieviel Freiheit steckt in der Entscheidung einer gerade zusammengeschlagenen sanktionierten Hartz-IV-Abhängigen, die ihre Kinder durchbringen muß?
Und wer prüft eigentlich im Gewerbe der käuflichen Liebe die Freiwilligkeit? So eine Art Gewissenprüfung wie damals zu den alten Kriegsdienstverweigerungszeiten gibt es ja wohl nicht?
Und wenn ich jetzt andere körperliche Dienstleistungen möchte (nur von Leistungsträgern wie Investmentbankern), was würde die kosten? Ich kenne Leute, die würden so einem Banker gerne mal "die Fresse polieren " ihre Meinung sagen....wie teuer wäre das? Oder mal mit Hundekacke Dingen bewerfen ... was wird dafür aufgerufen?
Es gibt Menschen, die haben viele dieser körperlichen Bedüfnisse, die weit über Kopulation hinausgehen.
Wäre es schlimm ... wenn sie freiwillig auf ihre Würde als Mensch verzichten?
Stundenlöhne von 1,50 Euro ... werden auch freiwillig entgegengenommen. Also sind sie in Ordnung. Ebenso wie 18 Tage Urlaub (wieso überhaupt Urlaub? Arbeit macht Spaß ... man sollte noch Geld mitbringen dafür, das man sie machen darf!) und die Verpflichtung zur ewigen Gesundheit. Machen die ja alle freiwillig - also gibt´s da nichts zu kritisieren.
Auch Eingliederungsvereinbarungen der ARGEN werden freiwillig unterschrieben. Das Geld zur Lebenssicherung wird ja niemandem mit Gewalt aufgezwungen - man kann doch freiwillig darauf verzichten?
Ist doch ein freies Land hier, oder?
Vielleicht arbeiten Menschen ja gerne für ganz wenig Geld und hassen Urlaub oder das Gefühl, dem Unternehmen durch ihre schwächliche Gesundheit zu schaden?
Vielleicht geben manche Menschen ja gerne alles zur Steigerung der Rendite? Was ist denn schlimm daran, wenn sie es freiwillig tun?
